[Rezension] Die Flüsse von London - Ben Aaronovitch

"Er streifte die Gestalt auf dem Boden mit dem typischen Londoner Blick - einem schnellen Seitenblick, mit dem man im Vorbeigehen feststellt, ob es sich um einen Betrunkenen, einen Bekloppten oder um einen Menschen handelt, der Hilfe braucht. Die Tatsache, dass durchaus auch jemand alle drei Zustände aufweisen kann, ist einer der Gründe, warum in London gute Samariter für Extremsportler gehalten werden - so ungefähr wie Basejumper oder Krokodilringer. Martin, dem zunächst nur der Markenmantel und die guten Schuhe aufgefallen waren, hatte die Gestalt gerade in die Kategorie Besoffener eingestuft, als er noch etwas anderes bemerkte: Dem Mann fehlte der Kopf."

| Seiten: 478 | Thema: Krimi, Fantasy |
| Verlag: dtv | Erschienen: 2012 |
Format: Taschenbuch | ISBN: 9783423213417 |
Preis: 9,95€ | zum Verlag |




Als frischgebackener Police Constable der Londoner Polizei wird Peter Grant ausgerechnet der CPU (= Case Progression Unit = zum Gähnen langweilige Schreibtischarbeit) zugeteilt. Um seine Karriere zu retten, muss also ein aufregender Fall her, damit er sich als Polizist beweisen kann. Aufregend wird es auch, denn als man eine kopflose Leiche im Covent Garden findet, ist der einzig auffindbare Zeuge ein Geist, den nur Peter sehen kann. Er forscht nach und schwups! ist er als Zauberlehrling in der Abteilung für Spezialermittlungen gelandet. Ein Zwei-Mann-Kommando also, das auf Geister- und Dämonenjagd in der englischen Hauptstadt geht.



Gespannt auf die Geschichte war ich schon lange und als ich dann angefangen habe zu lesen, hat sie mich gleich in ihren Bann gezogen. Wir erfahren schnell, dass hinter den Morden mehr steckt. Es gibt häufig nicht nur einen Toten, sondern gleich mehrere. Die Mörder handeln ungewöhnlich gewalttätig und das Schlimmste: Ihnen fällt das Gesicht ab.

So eklig, wie es gerade klingt, ist es nicht beschrieben, aber mit einer lebhaften Fantasie, kommt man schnell dahinter, dass so etwas nicht menschlich sein kann. So auch Constable Peter Grant, ein humorvoller, neugieriger Protagonist, der von seinem Wesen ein wenig an Dr. Dorian aus Scrubs erinnert, aber laut Text aussieht wie ein "Barack-Obama-Double". Er trifft den einzigen Zeugen des ersten Mordes: einen Geist.

Weil er in der Lage ist, das Übernatürliche zu sehen, wird er gleich für die Abteilung für Spezialermittlungen eingeteilt, die von nun an aus ihm und seinem Chef Nightingale besteht. Nightingale ist ein schräger Vogel, einerseits ein Held, andererseits ziemlich altmodisch, sein Hausmädchen ist ein Vampir (oder etwas Ähnliches?) und sein Auto ein alter Jaguar. Zusammen mit ihm lernt Peter London auf eine neue Weise kennen. Wir begleiten ihn zu Wasser- und Flussgöttern, auf Jagd nach Vampiren und auf der Suche nach dem eigentlichen Mörder durch Zeit und Raum.

Ein aufregendes Abenteuer, das mit viel Humor und Liebe zum Detail geschrieben ist. Teilweise verworren, aber ich hoffe, dass sich einige Fragen in den nächsten Teilen aufklären werden. Besonders gut haben mir die Charaktere gefallen, sie haben einen Tiefgang, den man von einem Krimi nicht unbedingt erwarten würde. Das Beste war meiner Meinung nach die Erzählstimme. Ben Aaronovitch hat eine tolle Art, den Leser in seinen Bann zu ziehen, so dass man Seite um Seite liest, ohne auf die Zeit zu achten.



Das Buch lag eindeutig viel zu lange auf dem SuB. Viel Charaktertiefe und Fantasy-Elemente der traditionellen Art in einem Krimi vertragen sich super, wenn er von Ben Aaronovitch ist. Gerade für Fantasy-Leser ein toller Einstieg in das Genre! Absolut empfehlenswert!




 Hast du das Buch schon gelesen? Kennst du die Reihe? Wie findest du sie? Hinterlass mir einen Kommentar und erzähl mir von deiner Erfahrung mit Peter Grant.

Alles Liebe,

eure Kim.


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