[Rezension] Liberty Bell: Das Mädchen aus den Wäldern - Johanna Rosen




"Sie war heute nicht aufgetaucht.
Hoffentlich war ihr nichts zugestoßen.
Sie war doch erst zehn."
(Seite 8) 




| Seiten: 384 | Genre: Jugend, Thriller | Verlag: Arena | | Erschienen: 2013 | Format: Hardcover | 
| ISBN: 978-3-401-06804-6 | Preis: 15,99€ |




Sechs Freunde und ein Hund finden im nahe gelegenen Wald ein nacktes Mädchen, das dort allein zu sein scheint. Als am Tag darauf einer der Freunde seinen Presseverwandten einlädt, in den Wald zu fahren, folgt Ernesto ihnen, um das Mädchen - Liberty Bell - zu beschützen. Dabei wird der Presseverwandte verletzt, so dass am nächsten Morgen die ganze Presse im Wald aufläuft. Bei der Flucht verletzt sich auch Liberty Bell, so dass sie ins Krankenhaus gebracht werden muss und eine aufregende Jagd nach ihrer Identität beginnt. Es gibt aber nicht nur Menschen, die herausfinden wollen, wer sie ist, sondern auch welche, die es um jeden Preis verbergen wollen.




Fange ich erstmal bei der Aufmachung des Buches an, die für mich ein absoluter Pluspunkt war. Das Cover ist perfekt für die Stimmung des Buches gewählt, auch wenn man nicht unbedingt einen Jugendthriller erwartet hätte. Auch der Titel spricht mich sehr an und obwohl ich bisher schon öfter gelesen habe, dass der Titel dem Buch nicht gerecht werden würde, finde ich das schon. 
Im Inneren ist das Buch ebenfalls ganz nett aufgebaut. Der Prolog zieht den Leser sofort in den Bann, man erfährt von Kindesmisshandlungen und beginnt gleich Vermutungen aufzustellen, die nicht unbedingt zu treffen müssen. Negativ fand ich die teilweise kursiv geschriebenen Stellen in der eigentlichen Geschichte, die ich nicht immer nachvollziehen konnte. Manchmal war es eine Erinnerung, meistens wurden diese aber normal gedruckt und manchmal machte es den Eindruck, als ob die Situation dadurch - wie in einem Videospiel - verschärft werden soll. So eine Art Adrenalinblick, vielleicht?
Im hinteren Teil befinden sich ein Personenregister, was auch absolut notwendig gewesen ist. Über die ersten hundert Seiten war ich heillos überfordert mit den ganzen Namen und habe mich immer wieder gefragt, wieso es nicht auch nur drei Freunde hätten sein können. Viele der Jungs - mit diesen meiner Meinung nach absolut bescheuerten Namen für ein Buch (die kann sich doch kein Mensch merken, vor allem, wenn man dann auch noch beginnt zwei Abkürzungen für einen Namen einzuwerfen) - hätte man einfach zu einer Figur zusammenfassen können. Das hätte mir jedenfalls mehr Spaß gemacht.
Durch die ganze Verwirrung konnten bei mir auch nicht wirklich Gefühle für die Charaktere aufkommen, das Buch war natürlich spannend, allein schon, weil man unbedingt wissen wollte, was mit Liberty Bell geschehen ist und wer ihre Eltern sind. Der Spannungsaufbau, der leider erst sehr spät einsetzte, und die Auflösung, die man so zuerst nicht erwartet hätte, waren letztendlich auch das, was das Buch für mich gerettet hat.
Sonst hätte ich es sicher schon früher wieder aus der Hand gelegt, weil ich auch einfach nicht viel mit der Sprache anfangen konnte. Man merkte definitiv, dass hier eine deutsche Autorin am Werk war, da doch sehr oft auch irgendein deutscher Dialekt auftrat, mit dem ich nichts anfangen konnte. Kleinigkeiten zwar, die mich aber irgendwann gewaltig gestört haben. Es ist schade, denn ich denke mit ein bisschen mehr Korrektur und vielleicht auch einfacheren Namen, hätte das Buch eine höhere Bewertung verdient.




Ich wollte das Buch so lange lesen und war letztendlich enttäuscht. Ein spannendes Thema, ein vielversprechendes Cover, aber eine enttäuschende Sprachleistung sowie absolut verrückte Namen der Hauptcharaktere, die man sich einfach nicht merken kann - wahrscheinlich ist es ein Buch, über das man sich streiten kann. Wenn ihr nach einem Jugendthriller sucht, solltet ihr es euch auf jeden Fall anschauen. Vielleicht könnt ihr mehr damit anfangen als ich.


☼,5


Hast du Liberty Bell schon gelesen? Wie hat es dir gefallen? Warst du auch so überfordert mit den ganzen Namen?