[Rezension] Cinder - Marissa Meyer

Cinder ist auf deutsch bereits unter dem Titel Wie Monde so silbern erschienen.

 "Maybe her programming was overwhelmed by Prince Kai's uncanny hotness."

Cinder flinched. "Can we please not talk about the prince?"
"I don't think that will be possible. You're working on his android, after all. Just think about the things she knows, the things she's seen and-" Iko's voice sputtered. "Do you think she's seen him in the nude?"


| Seiten: 390 | Genre: Fantasy, Sci-Fi, Märchen-Retelling, 
Dystopie | Verlag: Disney Hyperion | Erschienen: 2012 | 
| Format: Hardcover | ISBN: 978-0312641894 | Preis: 13,80€



Cinder lebt mit ihrer Stiefmutter und den beiden Stiefschwestern Peony und Pearl in New-Beijing. Als beste Mechanikerin der Stadt trägt sie einen großen Teil des Unterhaltes der Familie, obwohl sie von ihrer Stiefmutter und Pearl geächtet wird. Nur Peony und die Androidin Iko scheinen von ihren Cyborg-Implantaten nicht abgeschreckt und lieben sie wie eine Freundin.
Als eines Tages Prinz Kai einen kaputten Androiden zu ihr bringt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Kurz darauf erkrankt Peony an der Epidemie, die schon Tausende dahingerafft hat. Die Schuld daran gibt die Stiefmutter Cinder und verkauft sie an ein Programm, das an Cyborgs Tests durchführt, um ein Heilmittel zu finden. Nichts läuft nach Plan und so kommt es, dass Prinz Kai sie schließlich fragt, ob sie mit ihm auf den Ball gehen möchte. Doch sie kann unmöglich ja sagen, denn er weiß nicht, dass sie teilweise eine Maschine ist...



Cinder war eins der wenigen Bücher, die ich auf englisch gelesen habe und damit zunächst Schwierigkeiten hatte. Der Stil der Autorin ist wunderschön, teilweise sarkastisch und mit viel Humor, aber was mir beinahe die Lust am Lesen verdorben hat, waren die vielen englischen "Fachbegriffe", die ein Sci-Fi-Roman nun mal so mit sich bringt. So konnte ich mir zum Beispiel zu Beginn nicht einmal etwas unter dem Begriff Cyborg vorstellen, aber als ich mich dann ein bisschen eingelesen hatte und einige Begriffe recherchiert habe, hat mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht. Wenn ihr nicht geübt im englisch lesen seid, solltet ihr auf jeden Fall eher zur deutschen Fassung greifen.


Dieses Buch. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich solange damit gewartet habe, es zu lesen. Es hat einfach so viele Elemente aus all meinen Lieblingsgenres, dass es wie perfekt für mich gemacht zu sein scheint.
Aber fange ich bei den Charakteren an. Cinder ist ganz klar das Aschenputtel des Märchen-Retellings, sie ist arm dran, nicht nur dadurch, dass sie eine gehässige Stiefmutter hat, sondern vor allem, weil sie zu einem nicht geringen Teil aus Maschine besteht und dies versucht, so gut wie möglich zu verbergen. Trotzdem ist sie ein starker Charakter, der sich nicht einschüchtern lässt, sondern sie Qualen über sich ergehen lässt, wenn es denn sein muss. Aber sie hat immer auch einen Plan B. Als Peony an der Epidemie erkrankt, ist sie unglücklich, aber macht sich kaum Vorwürfe. Stattdessen formt sich schon ein anderer Plan in ihrem Kopf. Sie hat keinen Grund mehr bei ihrer Familie zu bleiben, deswegen plant sie mit ihrem Androiden Iko die Flucht.
Auch Iko ist ein toller Charakter, obwohl sie eigentlich nur eine Maschine ist. Sie ist lustig und unternehmungsfreudig, außerdem vermutlich die beste Freundin, die Cinder haben könnte. Besonders gut hat mir die Beziehung zwischen den beiden gefallen, denn man hatte nie das Gefühl, dass Iko nicht menschlich wäre. 
Süß war auch ihre Vorliebe für Prinz Kaito, der seinerseits auch mit einigem zu kämpfen hatte. Relativ zu Beginn des Buches verstirbt sein Vater, der König, an der Epidemie, so dass er sich fortan auch noch mit der Regierung des Landes herumschlagen muss und die Verhandlungen mit der Luna-Königin Levana fortsetzen muss. Er ist ein glaubhafter, gestresster Charakter, der, wenn er mit Cinder zusammen ist, immer wieder den jungen Mann hervorblitzen lässt. Man hofft unweigerlich, dass er keine Probleme mit metallenen Gliedmaßen haben wird.
Auch das Setting ist der Autorin wirklich gut gelungen. Die Welt ist dahingerafft von einer Epidemie, die schon seit Jahren auf der Erde ist, Hovercrafts und Androiden sind Zeichen dafür, dass die Zeit sehr viel fortgeschrittener ist. Die wirkliche Bedrohung geht aber von den Luna-Menschen aus, denen, die aus einer Kolonie auf dem Mond entstanden sind. Die Königin Levana ist mächtig, sie ist quasi die böse Hexe der Geschichte, und möchte Prinz Kai heiraten, um ihren Einfluss auf die Erde auszuweiten. Das Buch ist alles andere als utopisch, immer wieder spürt man die Bedrohung unheilvoll im Nacken und man fragt sich unweigerlich, wie viel schlimmer es noch werden kann.
Was mir letztendlich nicht ganz gepasst hat, war das Ende. Es war nicht typisch Cinderella, was vielleicht auch ganz gut so ist, denn wir wollen ja keine einfache Nacherzählung erleben, aber es war auch nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Ich will nun unbedingt wissen, wie es weitergeht und bin gespannt, ob der Autorin die Umsetzung der anderen Märchen auch so toll gelingt.


Was soll ich sagen? Das Buch war grandios mit all seinen verschiedenen Elementen, die auf perfekte Weise zusammen gespielt haben. Ein Märchen, wie es sich in der Zukunft zutragen könnte, wenn es politisch und gesellschaftlich ganz schön schief läuft. Ein Muss für alle Cinderella-Fans, aber auch für alle die Fantasy und Sci-Fi gerne lesen. Kurz gesagt: Jeder muss es einfach lesen.

☼☼☼,5

Hast du Cinder auch schon gelesen? Wenn ja, wie hat es dir gefallen?

Auch von Marissa Meyer:
Wie Monde so silbern (Band 1, Carlsen, 2013)
Wie Blut so rot (Band 2, Carlsen, 2014)
Wie Sterne so golden (Band 3, Carlsen, erscheint im September 2014)