[Rezension] Blind Walk - Patricia Schröder


Niemand weiß, wie lange Sterben dauert. Wo es beginnt, wann es endet und erst recht nicht, was danach kommt.


Es war nicht okay, dass ich meine Mutter angelogen habe. Und über Jesper und mein blindes Vertrauen zu ihm brauchen wir gar nicht erst zu reden.
Inzwischen weiß ich, dass ich nicht nur ihn vollkommen falsch eingeschätzt habe.
Dieser ganze bescheuerte Event ist ein einziger riesengroßer Fehler gewesen.
Wie es aussieht, wird wahrscheinlich niemand mehr lebend aus der Sache herauskommen.


| Seiten: 447 | Genre: Jugendbuch, Thriller, Paranormal |
| Verlag: Coppenrath | Erschienen: 2014 |
| Format: Hardcover | ISBN: 9783649617495 |
| Preis: 17,85€ | Beim Verlag kaufen |





Lida und ihr Freund Jesper melden sich über das Internet zu einem "Blind Walk" an, bei dem sie in einem unbekannten Waldstück ausgesetzt werden und in die Zivilisation zurückfinden müssen. Sobald sie jedoch ankommen, geht alles drunter und drüber. Es gibt einen ersten Toten, der Mann, der die sieben Jugendlichen im Wald ausgesetzt hat, und zu allem Überfluss muss Lida auch noch erfahren, dass sie nicht Jespers einzige Freundin ist. Ein Kampf ums Überleben beginnt, denn irgendetwas versteckt sich in den Wäldern und fordert seine Opfer.




Der Schreibstil gefiel mir zeitweise wirklich gut, manchmal war es mir ein bisschen zu abhackt. Es gab viele Stellen, die ich mir markiert habe, was eigentlich immer ein gutes Zeichen ist. Denn diese Stellen gefallen mir von der Sprache besonders gut. Gute 2 von 3 Punkte!



Was für eine Überraschung dieses Buch zu bieten hatte! Ich bin mit der Erwartung herangegangen, dass ich einen Thriller lesen würden, wobei ich die eigentlich nicht so gerne mag. Aber das Thema gefiel mir so gut, dass ich mich einfach auf die Leserunde bewerben musste. Blind Walk - irgendwo im Wald ausgesetzt zu werden und den Weg zurück in die Zivilisation kämpfen, ein Thema, was ich mir auch in diversen Fernsehsendungen total gerne anschaue. In der Hinsicht war Blind Walk dann wohl eher etwas enttäuschend, denn bis auf ein bisschen Lagerfeuer machen, Cracker essen und durch den Wald wandern, kam in dieser Hinsicht nicht sehr viel.
Aber dann nahm das Buch eine komplett unerwartete Wendung, die mir - als Fan von Paranormalen - total gut gefallen hat und mich atemlos zurückgelassen hat. Das Buch war zwar schon vorher sehr spannend, von dem Zeitpunkt an wurde es für mich aber zum Pageturner.
Die Protagonistin Lida, die bis auf Stan die Einzige ist, die nicht mit offensichtlichen Stereotypen bearbeitet wurde, wird im Laufe des Buches immer sympathischer. Man fiebert mit ihr mit, will, dass sie "es" schafft (was, verrate ich natürlich nicht) und freut sich für sie, als sie auf einen gewissen jungen Herren trifft.
Die anderen sechs Jugendlichen bleiben relativ flach gearbeitet. Wir haben Thore, den Anführer, Jesper, den Betrüger und Mädchenaufreißer, Natascha, die Oberzicke, Joy, zu der mir gerade nichts einfällt, weil sie irgendwie im Hintergrund stand und Isabel, die total Verrückte mit der toten Schwester. Ach ja und Birk, den irgendwie keiner mag. Seht ihr, was ich meine?
Aber trotzdem hat es mir gefallen, die Charaktere in diesen Rollen zu sehen. Ein Ausflug ins Ungewisse braucht solche Rollen, denn die gibt es doch immer. Was wäre ein solches Abenteuer, wenn wir nicht die Oberzicke hätten, die sich nicht die Finger schmutzig machen möchte?
Besonders überzeugen konnte mich aber wie gesagt der zweite Teil des Buches, in dem die Handlung eine so unerwartete Wendung nimmt. Mir hat gefallen, wie Lida und er, dessen Namen ich euch nicht nenne, zusammengearbeitet haben. Was mir aber nicht so gut gefallen hat, war, dass sich auch hier wieder Insta-Love angebahnt hat. Es ging einfach zu schnell. Klar, ich verstehe, dass eine solche Erfahrung augenblicklich verbindet, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn ihr Beziehung nicht so vordergründig gewesen wäre.
Auch das Ende hätte ich mir ein kleines bisschen anders gewünscht, aber als ich die Autorin danach gefragt habe, hat sie mir geantwortet:

Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, es so zu machen, denn es hätte ja wirklich sehr schön gepasst. Ich habe die Idee aber wieder verworfen, weil bereits ein Mädchen(Kinder)buch von mir [...] ein solches Ende hatte, [...] Trotz der unterschiedlichen Zielgruppen wäre ich mir einfach doof vorgekommen, wenn ich diese Idee 2x verbraten hätte. Damals habe ich eben leider noch nicht gewusst, dass ich "Blind Walk" schreiben würde :( (Patricia Schröder auf Lovelybooks.de zur Leserunde) 

Insgesamt bin ich wirklich glücklich, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte, denn sonst hätte es vermutlich noch lange, lange gedauert, bis ich endlich mal ein Buch von Patricia Schröder in die Hand genommen hätte.



Ein tolles Buch, was auf viele Geschmäcker passen kann. Nur, wenn man einen waschechten Thriller erwartet, wird man vielleicht enttäuscht. Denn letzten Endes überwiegt der paranormale Teil, der aufgrund von Spoilergefahr in meiner Rezension geheim geblieben ist. Mir hat es gut gefallen und ich freue mich auf die nächsten Bücher der Autorin!


Wie hat euch Blind Walk gefallen? Denkt ihr jetzt immer noch darüber nach, es euch zu kaufen, obwohl es doch nicht so viel Thriller ist?

Eure Kim.

Vielen Dank an den Coppenrath Verlag und vor allem an Patricia Schröder für die Bereitstellung des Leseexemplars und die tolle Leserunde!


Andere Bücher von Patricia Schröder (Auswahl)

Scheiß Glatze, ich lieb dich (Fischer KJB, 2002)
Zwischen Hölle und Himmel: Ein Mädchen befreit sich aus der Gewalt (Fischer Schatzinsel, 2005)
Kuckuckskind (Erika Klopp, 2006)
Auserwählt: Ein Mädchen zwischen Sekte und Freiheit (Fischer KJB, 2009)
Vollmondkuss (Fischer Schatzinsel, 2010)
Neumondkuss (Fischer KJB, 2010)
Küssen erlaubt, verlieben verboten (Fischer KJB, 2010)
Jolande - Der Sommer meines Lebens (Coppenrath, 2011)
Zwei durch dick und dünn (Fischer KJB, 2012)
Meeresflüstern (Coppenrath, 2012)
Meeresrauschen (Coppenrath, 2012)
Meerestosen (Coppenrath, 2013)
Unheimliche Nähe (Oetinger, 2014)