[Rezension] Silber: Das erste Buch der Träume - Kerstin Gier


"Dass sie hier ist, ist allein meine Schuld. Sie heißt Liv und ist die Tochter der Freundin meines Vaters. Und offenbar..." Er machte eine kleine Pause, in der er mich mit einem ärgerlichen Blick bedachte. "Offenbar kann ich nicht aufhören, an sie zu denken. Es tut mir leid, dass ich unser Ritual versaut habe."

Ich starrte ihn entgeistert an. "Ihr spielt ein Spiel, bei dem man nur als Jungfrau mitspielen darf?"

Ich verkniff mir die anderen Fragen, die sich zeitgleich über meine Lippen drängen wollten. (Tut das weh? Ist es schlimm, dass ich kein Blut sehen kann? BIN ICH EIGENTLICH WAHNSINNIG?)


| Seiten: 416 | Genre: Fantasy, Jugendbuch | 
| Verlag: Fischer FJB | Erschienen: 2013 | 
| Format: Hardcover | ISBN: 9783841421050 | 
| Preis: 18,99€ |



Liv und ihre Schwester Mia müssen zum x-ten Mal umziehen, doch dieses Mal scheint es für länger zu sein, denn ihre Mutter hat sich verliebt. Zu ihrem größten Leidwesen steht dem Einzug in die Wohnung von Mr Planänderung und seinen zwei Kindern Florence und Grayson nichts mehr im Wege. Aber dann beginnt Liv merkwürdige Dinge zu träumen, in denen Grayson und seine drei Freunde Jasper, Henry und Arthur eine große Rolle spielen. Während sie sich in ihrem neuen Leben einlebt, geht sie den geheimnisvollen Träumen nach und merkt schon bald, dass auch die Jungs von ihren Träumen zu wissen scheinen.




Was soll man noch großartig zu Kerstin Gier's Schreibstil sagen? Er ist einfach, aber spannend und vor allem vollgepackt mit Humor. Ich liebe ihre Bücher so sehr, weil ich immer grinsend wie ein Honigkuchenpferd davor sitze und einfach nicht aufhören kann zu lesen. Und das muss ja wohl an ihrem Schreibstil liegen.



Ich weiß gar nicht, woran es gelegen hat, dass ich Silber: Das erste Buch der Träume nicht schon im letzten Jahr gelesen habe. Eigentlich stand ich sogar auf der Frankfurter Buchmesse in der Schlange um ein Exemplar mit Signatur zu ergattern, aber da mir die Schlange dann zu lang war, bin ich wieder gegangen und habe bis vor kurzem kaum noch über dieses Buch nachgedacht. Und das, obwohl ich die Edelstein-Trilogie wirklich geliebt habe. Vielleicht war es mir zu teuer (ist es auch immer noch, deswegen leider nur ein Bibliotheksbuch), vielleicht hatte ich aber auch einfach Angst, dass Kerstin Gier meine hohen Erwartungen nicht erfüllen kann.
Kann sie aber. Gott sei dank. Die Protagonistin O(Liv)ia ist, wie auch schon Gwen, ein toller Charakter, mit dem man sich gut identifizieren kann. Es macht Spaß, ihr durch das Buch zu folgen, weil sie humorvoll und neugierig ist. Wenn man überhaupt etwas an ihr aussetzen kann, dann sind es vielleicht die großen Ähnlichkeiten zu Gwen. Aber viel davon macht sicher auch der Schreibstil aus, da ja beide Bücher aus der Ich-Perspektive geschrieben sind.
Auf die anderen Charaktere treffe ich mit gemischten Gefühlen. Manche von ihnen, so wie Henry, Grayson, Mia und das Kindermädchen Lottie, sind gut entwickelt und fühlen sich mehrdimensional an. Mr Ernest Planänderung und Livs Mutter bleiben leider eher flach, genauso wie Jasper und Florence nicht wirklich aus ihren Stereotypen herauskommen. Meiner Meinung nach ist das aber zu entschuldigen, da Silber wirklich so viele Charaktere hat, dass es zu Beginn sogar schwer fällt, sie auseinanderzuhalten. Da ist es auch kein Wunder, wenn manche der Charaktere eben flacher ausfallen als andere.
Der Plot konnte mich wieder einmal total mitreißen. Ich weiß nicht, wie oft ich es schon gesagt habe, aber ich finde die Fantasywelten, die deutsche Autoren schaffen, sind so einfallsreich und im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch. Die Tatsache, dass Liv und die Jungs in ihren Träumen hin- und her wandern können, wie sie wollen, ist eine klasse Idee, auch wenn ich noch viele offene Fragen habe. Wie kommt es zum Beispiel, dass auch Liv in den Träumen wandeln kann, obwohl die Jungs diese Fähigkeit ja offensichtlich durch ein Ritual bekommen haben?
Was mich aber am meisten gestört hat, war die Tatsache, dass die Geschichte wieder in London spielt und so viele Ähnlichkeiten zur Edelstein-Trilogie aufweist. Wahrscheinlich liebt Kerstin Gier die Stadt (ich mag sie eigentlich nicht so gerne), aber ich hätte mir irgendwie gewünscht, dass wir in ihren Büchern auch mal andere Orte kennenlernen. Ja, ich weiß, meckern auf hohem Niveau.



Trotz kleiner Kritikpunkte konnte mich auch Silber: Das erste Buch der Träume wie erwartet überzeugen, so dass ich mich schon tierisch auf den zweiten Teil freue. Wer einen humorvollen Schreibstil und tolle, neue Abenteuer schätzt, sollte sich das Buch unbedingt genauer anschauen. Wenn ihr das nicht sowieso schon längst gemacht habt, ich bin ja hier der Spätzünder. Aber besser spät, als nie!

☼☼,5

Wie hat euch das Buch gefallen? Welche Reihe findet ihr bisher besser: Edelsteine oder Träume?

Eure Kim.


Jugendbücher von Kerstin Gier 

Jungs sind wie Kaugummi - Süß und leicht um den Finger zu wickeln (Arena, 2009)
Rubinrot (Arena, 2009)
Saphirblau (Arena, 2010)
Smaragdgrün (Arena, 2010)
Silber: Das erste Buch der Träume (Fischer FJB, 2013)
Silber: Das zweite Buch der Träume (Fischer FJB, 2014)