[Rezension] Wrapped - Jennifer Bradbury

Showalter had said we could keep what we found, hadn't he?
And hadn't our friends and neighbours seen enough of Showalter standing over me this evening to keep tongues wagging and minds whirling for weeks?
And hadn't I had as much attention as I could endure for one evening?
Yes, yes, and yes.
Satisfied, I closed my palm around the trinket and tucked it into the bodice of my dress.

| Seiten: 320 | Genre: Historical Fiction, Romance |
| Verlag: Simon & Schuster | Erschienen: 2011 |
| Format: Hardcover | ISBN: 9781416990079 |
| Preis: 12,70€ | Zur Seite der Autorin |





1815: Zu ihrem Debüt in der Londoner Gesellschaft wird Agnes Wilkins auf eine der berühmt-berüchtigten Mumienparties Lord Showalters eingeladen. Beim Zerschneiden des Leinens kommt ein Artefakt ans Licht, welches sie an sich nimmt und den anderen Gästen verheimlicht. Bald darauf geschehen seltsame Unfälle, man spricht von einem Fluch der Mumie. Aber Agnes vermutet, dass jemand nach dem Artefakt sucht. Auf der Suche nach Hilfe trifft Agnes auf den Museumsangestellten Caedmon, der seine gesamte Zeit der Erforschung des Rosetta Stone widmet. Gemeinsam finden sie heraus, dass das Artefakt gar nicht so antik ist, wie es auf den ersten Blick wirkte. Und dass der Fluch der Mumie eigentlich auch kein Fluch ist...





Wieder ein Buch, das es bisher nur auf englisch gibt, was euch aber nicht hindern sollte. Ich gebe zu, manchmal war es etwas schwieriger den Begriffen zu folgen, die viel mit dem alten Ägypten zusammenhängen. Aber größtenteils ließ sich Wrapped wirklich gut und schnell lesen. Nicht unbedingt für Einsteiger geeignet, aber für Leute, die schon etwas länger auf Englisch lesen und Interesse an Mumien & Co haben, definitiv einen Blick wert.


Mal ganz abgesehen davon, dass das Buch vorher scheinbar ein so schönes Cover hatte (klick für den Amazonartikel) und ich mich total auf dieses Schmuckstück gefreut habe und dann doch "nur" das andere Cover bekommen habe, hat mir Wrapped wirklich gut gefallen.

Die Protagonistin Agnes ist ihrer Zeit voraus. Sie hat einen Vater, der sie in politischen Dingen nicht ausgrenzt, sondern ihr die wichtigsten Dinge erzählt, sie liest unglaublich gerne "A Lady Novels", ein Bezug auf Jane Austens Bücher, die auch zu dieser Zeit erschienen sind und vor allem steckt sie ihre Nase gerne in Dinge, die sie eigentlich nichts angehen. Was für die Geschichte natürlich nur gut ist.
So passiert es auch, dass sie debüttiert und dann zu Lord Showalters Party eingeladen wird. Ihre Mutter ist gleich ganz aufgeregt, weil er natürlich der beste Ehemann für ihre Tochter wäre. Man merkt gleich, dass Lord Showalter nicht das ist, was Agnes sich vom Leben erhofft. Er ist zu glatt, agiert viel zu sehr mit dem Kopf, als dass er Agnes' Herz jemals erobern könnte. Ganz im Gegenzug zu Caedmon, der nichts hat, aber alles vom Leben haben will. Er will Ruhm für seine Forschungen am Rosetta Stone, er will ein einfacheres Leben mit mehr Geld und irgendwann will er natürlich auch Agnes. Und sie ihn. Willkommen in der Fantasie eines "A Lady Novels".

Die Handlung nimmt einige unerwartete Wendungen. Als ich das Buch gekauft habe, habe ich mit einer Geschichte à la Die Mumie im 19. Jahrhundert gerechnet. Ich hätte irgendwie nie im Leben damit gerechnet, dass Jennifer Bradbury uns hier die Jugendversion eines politischen...na ja, Thriller wäre jetzt wohl übertrieben...liefert. Der Leser erfährt viel über Napoleon, besonders über das England zu dieser Zeit. Gerade als Deutsche, die ja diese Zeit oft genug im Geschichtsunterricht durch genommen hat, war es spannend, mir vorzustellen, wie die Bedrohung durch die Franzosen wohl in einem anderen Land ausgesehen hat. Man kann quasi sagen, dass Wrapped meinen Horizont in diesem Sinne wohl erweitert hat.

Nicht ganz überzeugen konnte mich Caedmon, weil er mir als Hauptcharakter etwas zu flach geblieben ist. Vielleicht lag es daran, dass ich die Sprache nicht immer hundertprozentig verstehen konnte, aber ich glaube, mein Gefühl trügt mich da nicht. Ein bisschen mehr Hintergrundgeschichte, ein bisschen mehr traute Zweisamkeit zwischen Agnes und Caedmon und mein Herz hätte auch für die beiden geschlagen.



Insgesamt ein rundum gelungenes Abenteuer im London des 19. Jahrhunderts. Obwohl ich eine andere Geschichte erwartet habe und obwohl Caedmon für meine Begriffe zu flach für einen Hauptcharakter geblieben ist, konnte mich die Geschichte mitreißen. Ein bisschen erinnert hat sie mich an Something Strange and Deadly von Susan Dennard, was übrigens bald auch auf Deutsch erscheinen soll. Wenn ihr kein Problem mit Englisch habt, solltet ihr euch das Buch definitiv mal genauer anschauen!


Kennt ihr andere Bücher, in denen Ägypten und Mumien eine Rolle spielen? Könnt ihr mir da etwas empfehlen?

Eure Kim.

Auch von Jennifer Bradbury

Shift (Simon & Schuster, 2008)
A Moment Comes (Simon & Schuster, 2013)