[KritzelDienstag] Dialoge II - Spannende Dialoge schaffen


Hallo lieber Leser!

Heute gibt es den zweiten Teil der KritzelReihe zum Thema "Dialoge schreiben". Letzte Woche habe ich dir gezeigt, welche Aufgaben ein Dialog zu erfüllen hat, damit er nicht aus dem Manuskript gestrichen wird. Nun möchte ich dir zeigen, wie man einen Dialog gestaltet und ihn mit Emotionen füllt und vor allem wie man seinen Charakteren eine eigene Stimme verleiht.

Meine Informationen habe ich entweder aus meinem Köpfchen oder aus Crafting Novels and Short Stories. The Complete Guide to Writing Great Fiction von Writer's Digest und The Fire in Fiction. Passion, Purpose, and Techniques to Make Your Novel Great von Donald Maass. Die beiden Bücher kann ich dir wirklich empfehlen, wenn du dich für die Feinarbeiten an einer Geschichte interessiert.

Wie gestalte ich einen Dialog, damit er spannend ist?


Dialoge spannend zu gestalten, ist gar nicht so einfach, denn es gibt kein Schema F, das man an ihnen abarbeiten kann. Ganz im Gegenteil: Dialoge profitieren von Variation. Es sind nicht nur die Redeanteile, die bedeutend sind, sondern auch das, was drumherum geschieht:

  • Mimik Durch das Beschreiben von Mimik kann ein Dialog viel Authentizität gewinnen. Insbesondere Emotionen lassen sich dadurch gut ausdrücken. Ist ein Charakter zum Beispiel wütend, lasse ihn die Augen zusammenkneifen, die Lippen aufeinanderpressen, eine Zornfalte haben, ... Durch Mimik lassen sich vielfältige Emotionen darstellen, die den Wörtern ihren Ausdruck verleihen können. Sagt einer deiner Charaktere zu einem anderen vielleicht "Du bist ein Idiot" und grinst dabei, hat das eine ganz andere Bedeutung, als wenn er sie mit einem vor Zorn gerötetem Gesicht aussprechen würde.
  • Gestik Auch die Gestik kann einen Dialog spannender gestalten, in dem sie Emotionen verstärkt. Hat ein Charakter zum Beispiel Angst vor dem anderen, versucht er vielleicht einen Tisch oder einen anderen Gegenstand zwischen sich zu bringen. Vielleicht sehnt er sich aber auch nach einer Berührung und lässt ganz beiläufig die Hand länger auf dem Oberarm des anderen verweilen. Mit Gestik kann auch der Fokus des Dialoges auf etwas verschoben werden. Dabei können deine Figuren auf etwas deuten oder gerade etwas mit ihren Händen herstellen, vielleicht fuchtelt auch jemand mit einer Pistole herum. Das würde dem Dialog doch definitiv Spannung verleihen.
  • Bewegung Mit Bewegung gewinnt ein Dialog an Schnelligkeit. Physische oder emotionale Distanz oder Nähe kann hergestellt werden, Hektik kann aufkommen oder sogar Panik, wenn die Figuren vor etwas weglaufen müssen und dabei außer Atem sind. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Bewegung in deine Dialoge einzubinden, aber auch dafür gibt es keine Faustformel. Besonders dieser Punkt ist von deinen Szenen abhängig.


Wie bringe ich Emotionen in meine Dialoge?


Es gibt drei Komponenten, die einen Leser emotional näher an einen Text bringen. Drei Bausteine sozusagen, die man in verschiedenen Intensitäten aufeinanderprallen lassen kann oder sie miteinander vermengen kann: Dialog, Erzählung und Aktion.
Woher soll man aber wissen, wann man was davon wohin packt? Richtige Regeln dafür gibt es nicht, die perfekte Verteilung ist wohl eher das Ergebnis eines intuitiven Prozesses und geschieht auch meist nicht während der Erstfassung. Vielmehr entstehen wirklich gute Dialoge erst in den Überarbeitungsphasen eines Projektes, wenn man sich die Zeit nimmt, sie Satz für Satz auseinanderzupflücken.
Hat man eine gute Mischung gefunden, bindet diese den Leser emotional an die Figuren, die während des Dialoges mitreden. Die Emotionen in einem Dialog entstehen aber vor allem dadurch, dass du deinen Figuren eine eigene Stimme verleihst. 

  • Eigene Stimme Dein Charakter ist ein Cowboy? Dann gib ihm einen Slang. Dein Charakter ist furchtbar schlau? Dann leg ihm Worte in den Mund, die auch nur ein schlaues Köpfchen benutzen würde. Schreibst du als Ich-Erzähler, könntest du seine schlauen Erklärungen ja sogar als Fußnoten unterbringen. Genauso funktioniert es auch mit Charakteren, die nicht ganz helle sind oder Charakteren, die aus einer anderen Welt stammen. Leg ihnen die Worte in den Mund, die in ihrem "Universum" alltäglich sind.
  • Hintergründe Genauso ist es wichtig, deinen Charakteren ein reiches Leben zu bescheren, in dem du sie über sich sprechen lässt. Ein Dialog eignet sich prima, um anderen Figuren aus dem Leben deines Charakters zu erzählen. Zeig ihnen, was er oder sie als kleines Kind durchmachen musste, zeig, was sie zu dem gemacht hat, der sie heute sind.
  • Wiedererkennungsmerkmale Auch wichtig können Merkmale sein, an denen der Leser deiner Charakter wiedererkennt. Das muss nichts Auffälliges sein, sondern kann auch subtil passieren. Die Protagonistin deiner Geschichte könnte zum Beispiel immer mit ihrer Kette spielen, wenn sie nervös ist, der Kumpel könnte sich immer am Ohr kratzen, wenn er lügt und, und, und...
  • Eigenschaften Du hast dir viel Mühe damit gegeben, deinen Charakter zu entwerfen, hast vielleicht seitenlange Charakterblätter beschrieben und ihm Eigenschaften gegeben, die du nicht hast. Dann nutze diese Blätter und überlege dir, wie sich jemand mit diesen Eigenschaften verhalten würde. Wie würde er sprechen? Wie wären Gestik und Mimik? Geht er langsam vor oder haut er dir gleich das Brett vor den Kopf? Die Dialoganteile eines Charakters sollten immer seinen Eigenschaften entsprechend gestaltet sein. Aber mach dir keinen Kopf, das kannst du auch in der Überarbeitung noch erledigen.

Es gibt so viele Dinge, auf die man beim Dialoge schreiben achten könnte, aber trotzdem macht man viel davon schon ganz von allein. Mach dich nun bloß nicht verrückt, in dem du dich fragst, ob du auch alle Punkte erfüllt hast. Schreib deine Dialoge mit dem Wissen, dass es die Figur ist, die da spricht und nicht du und alles wird gut. Wenn du mit deiner Erstfassung fertig bist, darfst du dir den Kopf zerbrechen. ;)

Beim nächsten Mal gebe ich euch noch mehr Tipps zum Dialoge schreiben und dann wird es auch schon wieder Zeit, sich ein neues Thema zu überlegen. Habt ihr einen bestimmten Wunsch?

Und jetzt seid ihr wieder dran: Was muss ein guter Dialog für euch erfüllen?

Eure Kim.



Ihr wollt mehr zum Thema Dialoge schreiben erfahren? Dann schaut euch doch mal den ersten Teil der Reihe an. Den findet ihr hier. Die Liste mit den gesamten Kritzelartikeln gibt es hier.