[Rezension] If I Stay - Gayle Forman



Der deutsche Film kommt am 18.09.2014 in die Kinos.

Hier findet ihr alle Info's zum Film.
Und hier den Trailer.

Und hier findet ihr ein schönes Interview mit Gayle Forman, Chloe Grace Moretz und Liana Liberato.

Der deutsche Titel ist übrigens Wenn ich bleibe.

| Seiten: 304 | Thema: Tod, Familie, Liebe, Leben |
| Verlag: Penguin | Erschienen: 2009 |
| Format: Paperback | ISBN: 9780525421030 |
| Preis: 7,80€ | zum Verlag |








Mia steht vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Sie ist eine herausragende Cello-Spielerin und hat die Möglichkeit auf die Juilliard Musikhochschule in New York zu gehen, aber will sie wirklich ihre Familie und vor allem ihren Freund Adam hinter sich lassen? Bevor sie sich jedoch entscheiden kann, geschieht etwas Unerwartetes: Ihre Familie kommt bei einem Autounfall ums Leben und sie fällt ins Koma. Und nun muss sie sich wirklich entscheiden. Bleiben oder gehen? 



Ich habe If I Stay auf Englisch gelesen und kann euch empfehlen es auch zutun, selbst, wenn ihr noch nicht so viel Übung habt. Gayle Forman schreibt einfach und schön. Sie ist nicht unbedingt meine Lieblingsautorin, aber ich hatte doch meine Momente, in denen mich ihr Schreibstil gefangen gehalten hat. Besonders die Nüchternheit, in der die Erzählerin das Geschehen schildert, passt unglaublich gut zur Geschichte. Ich denke, dass Gayle Forman zu den Autoren gehört, die ihren Schreibstil wirklich gut anpassen können. Aber das werde ich sicher herausfinden, wenn ich bald Just One Day von ihr lesen werde.



Ich bin ein bisschen zwiegespalten, was das Buch betrifft. Das Thema ist normalerweise nicht unbedingt meins, weil ich einfach nicht gerne Bücher über den Tod lese, aber da Gayle Forman so hochgelobt wird, wollte ich ihrem Buch definitiv die Chance geben, mich zu begeistern.

Es gibt zwei Arten von Büchern: die handlungsbasierten und die charakterbasierten. If I Stay basiert auf seinen Charakteren, die Handlung, die tatsächlich stattfindet, ist eher schwach. Deshalb wird sich auch meine Rezension hauptsächlich auf die Charaktere beziehen.

Bei If I Stay empfand ich die Charaktere als weder stark noch schwach. Die Protagonistin Mia hat alles, was das Herz begehren könnte: eine tolle Familie, ein wahnsinniges Talent fürs Cello spielen, rosige Zukunftsaussichten und einen Freund, der als Bandmitglied auf dem aufsteigenden Ast ist. Und trotzdem fühlt sie sich, als würde sie nicht dazugehören, als hätte man sie als Baby vertauscht und sie kann nicht verstehen, wie Rocker Adam sich ausgerechnet in sie verlieben konnte. 
Ihr größtes Problem taucht erst auf, als ihre Familie schlagartig tot ist, aber damit setzt sie sich gar nicht wirklich auseinander. Zunächst schreibt der Leser das dem Schockzustand zu, später scheint es so, als könnte sie in ihrem Koma gar keine richtigen Emotionen empfinden. Aber das hat mir gefehlt, um das Ganze realer zu machen. Ich wollte mir nicht immer nur anhören, wann Adam sie denn jetzt endlich im Krankenhaus besuchen kommt, ich wollte wissen, wie sie mit dem Verlust umgeht. (Beim Schreiben wird mir gerade klar, dass Verdrängung vielleicht auch eine Art Bewältigung ist.)

Das Buch hatte sehr viele Rückblicke, die dem Leser die anderen Charaktere näher bringen sollten. Das war eine wunderschöne Idee und stilistisch sehr gut umgesetzt, hat aber auch die Spannung stark herausgenommen. Besser wäre es vielleicht gewesen, wenn die Rückblicke gegen Ende hin abgenommen hätten. 
Besonders Mias Familie, ihre beiden Eltern, ihr Bruder Teddy und ihre Großeltern, haben einen großen Teil in diesen eingenommen. Der Leser erfährt mehr über die musikalische Begabung in der Familie und darüber, dass sie als Familie wirklich glücklich sind. Besonders Mias Vater konnte mich als Charakter sehr überzeugen, an ihre Mutter kann ich mich jetzt - ein paar Tage nach dem Lesen - schon kaum noch erinnern.

Auch ihre Freundin Kim und ihr Freund Adam tauchen in den Rückblicken oft auf. Wir erfahren, wie Adam und Mia sich kennengelernt haben, tauchen ein in ihren ersten Kuss und das erste intime Kennenlernen, aber der Zauber, der auf einer solchen romantischen Beziehung lasten sollte, fehlt. Ganz im Gegenteil, die Erzählerin gibt sogar zu, dass sich Mia und Adam wegen ihrer Gegensätze eigentlich schon im ersten Monat wieder getrennt hätten, wenn es nicht Mias Familie als Anker gegeben hätte. 
Nach den ersten beiden Rückblicken mit Adam macht sein Charakter eine Wandlung durch, die mir nicht gefallen hat. Von Seite zu Seite wurde er mir unsympathischer. Er gönnt Mia den Erfolg nicht unbedingt, sondern ist beleidigt, weil sie ihn zurücklassen würde, wenn sie an die Juilliard gehen würde. Dabei ist er mit seiner Band zur Zeit des Unfalls schon so berühmt, dass er häufig gar nicht da ist. Wieso darf er Erfolg haben, aber Mia nicht?

So kam es auch, dass das Ende für mich nicht nachvollziehbar gewesen ist. Ich war davon ausgegangen, dass Mia bereits ihre Entscheidung getroffen hatte und da Adams Liebe zu ihr und ihre Liebe zu ihm mir eher schwach vorgekommen ist, scheint mir das auch nicht die Lösung zu sein. Persönlich glaube ich, dass es am Ende die Musik gewesen ist, die ja einen wirklich großen Anteil an dem Buch ausmacht.

Das hat mir übrigens auch sehr gut gefallen. Man lernt einiges über klassische Musik, es gibt sogar eine Playlist, die ihr hier finden könnt, was ich während des Lesens leider noch nicht gemerkt habe. Es wird viel von der Musik abhängig gemacht, sie spielt an zentralen Stellen (etwa bei dem Unfall oder bei der Karriere) eine wichtige Rolle, so dass dadurch meine Theorie für den Schluss nochmal unterstützt würde.

Nachdem ich jetzt so viel über die Charaktere geredet habe und eigentlich immer noch nicht alles erzählt habe, was mir auf dem Herzen liegt, möchte ich auch noch ein paar Worte zur Handlung loswerden. Wie anfangs schon erwähnt, basiert dieses Buch nicht auf der Handlung. Die Handlung nimmt ungefähr einen Tag in Anspruch, vom Morgen des Unfalls bis zu ihrer Entscheidung (welche ich euch natürlich nicht verrate). In dieser Zeit wandelt sie als "Geist" im Krankenhaus herum, sieht, wie sich die Doktoren und Krankenschwestern um ihren Körper kümmern und wie sie immer wieder von Familie und Freunden besucht wird. Das Wenige, was geschieht, wäre eigentlich spannend (immerhin will doch jeder wissen, wie sie sich entscheidet), aber die Rückblicke nehmen einen so großen Teil der Spannung wieder heraus, dass das Buch nach der ersten Hälfte stark für mich abgenommen hat. Besonders zum Ende hin kamen mir manche Rückblicke sinnlos vor und ich hätte mir gewünscht, dass ihre Entscheidung in der Handlung schon früher geschehen wäre und es nicht so abrupt geendet hätte.



So kam es, dass mich If I Stay nicht überzeugen konnte, obwohl ich begeistert von Gayle Formans Ansätzen war und ihre Charakterarbeit besonders als jemand, der selbst schreibt, nur bewundern kann. Empfehlen kann ich es euch auf jeden Fall, wenn ihr Bücher wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Ein ganzes halbes Jahr oder Die Achse meiner Welt mochtet, obwohl es meiner Meinung nach mit diesen nicht ganz mithalten kann. Ob ich den zweiten Teil lesen werde, weiß ich noch nicht.



Wie hat euch das Buch gefallen? Werdet ihr euch den Film im Kino anschauen?

Eure Kim.


Bereits von Gayle Forman erschienen:

You Can't Get There From Here (Rodale Pr, 2005)
Sisters in Sanity (HarperTeen, 2007)

If I Stay (Dutton Juvenile 2009, dt. Wenn ich bleibe, Blanvalet 2010)
Where She Went (Dutton Juvenile, 2011, dt. Nur diese eine Nacht, Blanvalet 2014)

Just One Day (Dutton Juvenile, 2013)
Just One Year (Dutton Juvenile, 2013)
Just One Night (Viking's Children, 2014 - ebook)