[Rezension] Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte - Jessica Park


"Oh, Julie, ich habe dich ja noch gar nicht richtig vorgestellt", plapperte Celeste fröhlich. Dann drehte sie sich zur Seite. "Papp-Finn, das ist Julie. Julie, das ist Papp-Finn."


Finn war einfach hinreißend. Sogar, wenn er platt wie ein Pfannkuchen war.


| Seiten: 384 | Genre: Contemporary, Romance |
| Verlag: Loewe | Erschienen: 2014 |
| Format: Hardcover | ISBN: 9783785578674 |
| Preis: 17,95€ | Leseprobe |




Julie will ihr Studium in Boston beginnen, doch es beginnt mit einer Katastrophe: sie ist auf einen Wohnungsbetrüger reingefallen und steht nun auf der Straße. Wie gut, dass ihre Mutter eine Freundin hat, die mit ihrer Familie gleich in der Nähe wohnt. Die nehmen sie auch gleich auf wie eine Tochter. Nerd Matt erweist sich wenigstens die Hälfte der Zeit als zuvorkommend und seine dreizehnjährige Schwester Celeste ist auch ganz süß - wäre da nicht die lebensgroße Pappfigur ihres Bruders Finn, die sie überall hin mitnimmt.
In den folgenden Wochen kümmert sich Julie um Celeste und findet dabei heraus, dass ihr gut aussehender Bruder auf Weltreise ist. Wann er zurückkommt, weiß keiner so genau - aber als Julie beginnt mit ihm zu chatten, wünscht sie sich, dass es bald passiert. Sie ist dabei, sich halsüberkopf in Pappfinn zu verlieben...




Leicht, malerisch, zitierbar - so lässt sich Jessica Parks Schreibstil wohl in drei Worten beschreiben. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen, brauchte nie eine Pause, weil es mir zu anstrengend geworden wäre - nein, es fühlte sich an, als würde eine Freundin mir die Geschichte erzählen. Einziger Vorteil der geschriebenen Variante waren die vielen grandiosen Zitate. Ich liebe Bücher, in denen ich mir so viel anzetteln kann...



Ich liebe dieses Buch. Es ist die perfekte Mischung aus erster großer Liebe, Erwachsen werden und Familiendrama in einem Umfeld, dass den Jüngeren von uns, die ja mit dem Internet und Facebook groß geworden sind, bekannt vorkommen dürfte.

Julie Seagle ist ein intelligentes Mädchen, das nach Boston geht um zu studieren. Sie ist zum ersten Mal ganz auf sich gestellt und gleich geht alles schief, weil die Wohnung, die sie gemietet hat, gar nicht existiert. Aber sie nimmt es mit Humor, postet gleich mal ein Statusupdate bei Facebook und wird von ihrer Mutter in der Familie Watkins untergebracht. Erin Watkins ist eine alte Freundin der Mutter, die eine ganz andere Entwicklung eingeschlagen hat. Sie ist zielstrebig, hat eine Karriere und kaum Zeit für ihre Kinder - ebenso wie ihr Mann Roger. Da kommt es nur gelegen, dass Julie einzieht und sich im Gegenzug um die junge Celeste kümmert, damit auch Sohnemann Matthew genügend Zeit zum Studieren und Karriere machen hat.

Es dauert nicht lange und Julie merkt, dass mit der Familie definitiv etwas nicht stimmt. Celeste ist nämlich ein pfiffiges, liebes Mädchen mit einer großen Macke: sie geht nirgendwohin ohne die lebensgroße Pappfigur ihres Bruders Finn. Sie versucht herauszufinden, was für ein Problem Celeste wirklich hat. Es beginnen zarte Beziehungen zwischen allen Parteien. Schritt für Schritt löst sie Celeste von ihrem Pappbruder und führt sie in ein Leben, das für die Dreizehnjährige erträglich ist, Schritt für Schritt baut sie auch eine enge Beziehung zu Matt auf, der besonders Angst davor hat, dass seine Schwester verletzt werden könnte.

Und dann ist da noch Finn. Die Pappfigur ist der Stellvertreter des großen Bruders, der auf unbestimmte Zeit auf Weltreise ist und beginnt mit Julie über Facebook zu chatten. Sie schreiben miteinander, tauschen süße Geheimnisse aus, bis Julie klar wird, dass sie sich gerade in eine Pappfigur verliebt.

Die Geschichte war auf so vielen Ebenen so intensiv. Nicht nur die Beziehung zwischen Matt und Finn und Julie war liebevoll gestaltet, besonders die Entwicklung von Celeste hat mich mitgerissen. Man hat gemerkt, wie viel Liebe und Zeit die Autorin in dieses wundervolle Buch gesteckt hat, so dass man die ganze Zeit mitgefiebert hat. Hin- und hergerissen zwischen Matt und Finn war ich am Ende fast erleichtert über die Auflösung, die ich aber leider ab der Hälfte des Buches schon vermutet habe. Aber obwohl mich das Ende nicht mehr überraschen konnte, hat es mich doch so sehr gerührt, dass ich beinahe ein paar Tränen vergossen habe.



Das Buch hat mich auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt, mich glücklich und traurig gestimmt und mir gezeigt, was Leben bedeutet. Ich hoffe, dass der zweite Teil, in dem Celeste die Hauptrolle spielt, auch bald übersetzt wird.




Bereits von Jessica Park erschienen:
Left Drowning (Skyscape 2013)
Flat-Out Matt (Teil 1.5, Create Space Independent Publishing Platform 2013)
Flat-Out Celeste (Teil 2, CreateSpace Independent Publishing Platform 2014)