[Rezension] Mit eigenen Augen - Arne Svingen & Christoffer Grav

Lise. Ich heiße Lise. Wie heißt du?

Ich ... heiße ... Jakob.
...

Du kannst nichts sehen.


Wie siehst du aus, Jakob?
...
Darf ich dein Gesicht fühlen?


| Seiten: 176 | Thema: Blind sein, Star sein |
| Verlag: Fischer Sauerländer | Erschienen: 2013 |
| Format: Hardcover, Graphic Novel | ISBN: 9783411809943 |
| Preis: 19,99€ | zum Verlag |



Jim Winge ist ein Star. Und er hält es nicht mehr aus. Er braucht eine Auszeit, nachdem sich ein junges Mädchen in seiner Gegenwart eine Überdosis Koks gegeben hat. Sein Manager schickt ihn an den Strand und dort trifft er Lise. In ihr erkennt er eine neue Möglichkeit, bei ihr kann er ganz er selbst sein, ohne dass sie jemals erfährt, dass er ein Star ist. Denn Lise ist blind und für sie ist Jim nun Jacob, der einfühlsame, junge Mann, der sie wirklich sieht. Was aber, wenn sie erfährt, wer er wirklich ist?


Zu diesem Buch gehört ja sehr viel mehr als ein Schreibstil. Es gibt zwar immer wieder große Absätze aus Dialogen, aber viel von der Geschichte erzählen auch die schön gezeichneten Bilder. Die Seiten sind in großen Teilen schwarz-weiß gehalten, zwischendrin gibt es aber immer wieder Farbkleckse sowie Jims Augen oder Lises rotes Haar. Die Farben sind wohl bedacht und tragen die Geschichte weiter, so dass man wohl bei Schreibstil auch ein bisschen von Malstil reden kann. Mir hat besonders dieser Fokus auf etwas richtig gut gefallen. Die Bilder ließen den eher durchschnittlich gestalteten Text in den Hintergrund treten. Wer also ein literarisches Höchstwerk erwartet, wird wohl eher enttäuscht sein. Dafür kann man sich aber umso mehr vom Spiel mit Farben und Schrift bezaubern lassen.


Wie bereits oben beschrieben, machen die Zeichnungen einen sehr großen Teil des Buches aus (deswegen ja auch Graphic Novel), so dass es mir schwer fällt, meine üblichen Punkte für eine Rezension an diesem Werk abzuarbeiten. Das würde dem auch irgendwie nicht gerecht werden. Am liebsten hätte ich euch ein paar Ausschnitte fotografiert, um euch einen Eindruck der Zeichnungen zu vermitteln. Aber ich glaube nicht, dass ich das darf und außerdem sieht man es doch besser, wenn man das Buch selbst in der Hand hält.

Noch ein paar Worte zur Geschichte. Die Idee finde ich klasse. Ein hochgelobter Star, der noch viel zu jung ist, um dieses Leben zu führen, ist von seinen Erfolg ausgebrannt. Der Druck durch seine Manager und durch die Fans macht ihm zu schaffen, so dass er überlegt, einfach abzuhauen. Nachdem sich ein junges Mädchen nach einer Show mit einer Überdosis Koks fast umbringt, schickt ihn sein Manager an die Küste. Und dort trifft er auf Lise, die ihn verwundert, weil sie ihn einfach ignoriert. Er läuft ihr nach und findet heraus, dass sie blind ist und so sieht er seine Chance noch einmal von vorn anzufangen, in dem er sich als Jacob ausgibt.

Eine nachvollziehbare Reaktion und trotzdem fürchtet man zurecht, dass Lise nicht gerade erfreut sein wird, wenn sie von seinem Betrug erfährt. Sie ist ein starkes Mädchen, aber ihre Blindheit macht sie auch verwundbar. Nicht auf körperlicher Ebene, sondern vielmehr, weil das Vertrauen zu einem Menschen für sie eine ganz andere Bedeutung hat, als es das für einen nicht blinden Menschen vielleicht hat.



Es war ein bisschen schade, dass das Buch so kurz war. Aber ich glaube, die Bilder kann man sich immer wieder ansehen. Gerade sie machen die Geschichte so intensiv, dass es nicht mehr Länge brauchte, um mich zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Ein schönes Buch, das ihr euch unbedingt mal genauer ansehen solltet.


Lest ihr gerne Graphic Novel? Kennt ihr Mit eigenen Augen vielleicht sogar schon? Wie hat es euch gefallen?

Eure Kim.