[Kritzelartikel] 5 Tipps, um den Schreibstil zu verbessern

Hallo ihr lieben Schreiber da draußen!

Einen schönen Schreibstil möchte jeder haben. Jeder Autor träumt doch davon, dass irgendwann ein Leser sein Werk in die Hand nimmt und mit einem Klebezettelchen die Stelle markiert, die richtig gut gelungen ist, die so schön geschrieben ist, dass einem Worteliebhaber die Tränen in den Augen brennen vor lauter Freude.

Aber die Wahrheit sieht meistens eher so aus: Wir sitzen daheim vor unserem Bildschirm oder dem voll geschriebenen Blatt und streichen und löschen und schreiben neu und wieder neu und noch einmal neu, weil wir einfach nicht zufrieden mit unserem Stil sind. Wir benutzen zu viele Ichs, zu viele Adjektive, zu viele Füllwörter, wir wiederholen uns ständig, wir erzählen und zeigen nicht. Kurz um: eigentlich machen wir alles falsch. Zumindest kommt es uns so vor, auch wenn unser Geschriebenes eigentlich gar nicht schlecht ist.

Und für alle, die an ihrem Schreibstil arbeiten wollen, habe ich heute 5 Tipps, um ihn zu verbessern. 




Um euren Schreibstil zu verbessern, schlagt einfach eine Seite aus euren Lieblingsbüchern auf und tippt sie/schreibt sie ab. Ist das mein Ernst? Ja, definitiv, denn so lernt ihr, wie die Autoren schreiben, die ihr für ihre Arbeit bewundert. Ihr seht, wie ein Schreibstil aussieht, wenn das Buch fertig überarbeitet ist, ihr fühlt durch eure Hände, wie man schön schreibt. Ihr glaubt mir nicht? Dann probiert es einfach mal aus. Ich verspreche euch, dass ihr ein Gefühl dafür bekommen werdet, wie ihr euren eigenen Schreibstil weiter ausbauen könnt. Und wenn ihr beim Abtippen Fehler findet, ja, dann dürft ihr sie behalten...




Ein Mensch hat fünf Sinne und das nicht ohne Grund. Wir hören, schmecken, riechen, tasten und sehen - warum beschreiben wir also oft nur das, was wir sehen könne? Wieso benutzen wir nicht alle fünf Sinne, um unsere Geschichte lebendig werden zu lassen? Achtet beim Lesen mal darauf, das macht jeder gute Autor. Also sollten wir das auch machen.




Manchmal kommt es auf Details an, damit eine Geschichte rund wird oder damit einem der eigene Schreibstil besser gefällt. Damit meine ich nicht, dass ihr noch mehr Adjektive einstreuen sollt, denn die soll man ja bekanntlich nicht in Massen, sondern nur in Maßen nutzen. Ich meine, dass man viel mehr davon hat, wenn man bei einer Personenbeschreibung nicht die Kleidung ins kleinste Detail beschreibt, sondern den Fokus darauflegt, wie sich diese Person bewegt, wie sie auf andere wirkt, ob man sieht, wie sie sich gerade fühlt. Hat sie ein Tattoo oder Piercing und was sagt das über sie aus? So entsteht ein viel schöneres Bild, als wenn wir einfach sagen: 

Der Typ hatte braunes, lockiges Haar und volle Lippen. Seine grünen Augen wurden von dichten Wimpern umrandet, eine Kette lag um seinen Hals. Der Anhänger verschwand unter einem dünnen, grünen Shirt mit kurzen Ärmeln und einem weißen Saum. Seine dunkle Jeans verschwand in den braunen Bikerboots. (Das war ein Negativbeispiel - bloß nicht nachmachen!) 

Schöner wäre es so (bilde ich mir zumindest ein): 
An der Wand lehnte ein Typ in meinem Alter. Einen Fuß fest auf dem Boden, den anderen gegen die Wand gelehnt, hatte er die Hände in die dunklen Hosentaschen geschoben. Er sah verloren aus, nicht verloren im Sinne von er hat sich verlaufen, sondern im Sinne von er hat sich in dieser Welt verloren. Als ich näher kam, hätte ich beinahe eine Hand ausgestreckt, um seine hochgezogenen Schultern zu berühren, um ihn aus seiner Verlorenheit herauszureißen und einen Blick in das von dunklen Locken verborgene Gesicht zu werfen. Stattdessen presste ich die Hände an meine Seite und erschrak, als er den Kopf hob, um mich mit zusammengekniffenen Augenbrauen zu mustern.




Wer schreiben will, muss lesen können. Wer gut schreiben will, muss viel lesen. Durchs Lesen entwickeln wir ein Gefühl für Sprache, wir lernen, wie man schöne Sätze schreibt, wie man deutsche Sprache kunstvoll benutzen kann, wie man sie benutzt, um Spannung aufzubauen oder wie man sie benutzt, um Gefühle zu übermitteln. Je mehr wir lesen, desto tiefer stecken wir in der Materie, desto größer ist unser Sprachgefühl und desto schöner ist unser Schreibstil.




Auch dieser Punkt ist wirklich wichtig, kann aber auch in der Überarbeitung noch geschehen. Geschichte leben davon, dass sie einfach zu verstehen sind, dass sie sich so flüssig lesen lassen, dass man in ihnen abtauchen kann, ohne zu merken, dass man eigentlich gar nicht hinein gehört. Das fällt aber schwer, wenn ein Text voll mit Fremdwörtern ist, die man immerzu nachschlagen muss. Ihr schreibt eine Geschichte, keine wissenschaftliche Arbeit - ihr müsst also nicht schwafeln, damit möglichst wenig Leute verstehen, was ihr schreiben wollt. Kein Mensch mag Fremdworte. (Okay, vielleicht gibt es Menschen, die das mögen - ich weiß nicht.)

Aber nicht nur Fremdworte fehlen in einem schönen Schreibstil, sondern auch eine Masse an Adjektiven, die kein Mensch will. Adjektive sind immer der einfache Weg, um etwas zu beschreiben, das ist klar, aber manchmal kann es besser sein, wenn man mit Handlungen oder Dialog oder vielleicht auch mal eine Metapher benutzt. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass ihr alle Adjektive ersetzen sollt. Aber überlegt euch, ob es wirklich wichtig ist, dass das Auto rot ist - nein, Entschuldigung: dass das Auto die Farbe von Tomatensauce hatte. Oder ist es vielleicht eher wichtig, dass die Lichter euren Protagonisten anstarren, als seien sie geradewegs aus der Hölle gekommen, oder dass die Motorhaube so blitzeblank war, dass man sich Bikinimodels darauf hätte vorstellen können. Manchmal sind Adjektive einfach zu wenig, um das auszudrücken, was man sagen möchte.

Auch Füllwörter solltet ihr tunlichst vermeiden. Sie hemmen den Lesefluss, auch wenn man das beim Schreiben vielleicht nicht einmal unbedingt merkt. Aber in der Überarbeitung solltet ihr sie auf jeden Fall rausstreichen. Eine gute Erklärung zu Füllwörtern gibt es hier.


Jetzt seid ihr dran. Probiert meine Tipps aus und berichtet mir davon oder schreibt mir einen Kommentar und erzählt, wie ihr euren Schreibstil verbessert. Ich freue mich auf jeden Antwort.

Eure Kim.