[Rezension] Keine Angst, es ist nur Liebe - Marlies Zebinger


Und doch ist sie mächtig, diese Angst. Lässt sich nicht mehr vertreiben. Sie bleibt und wird größer und größer - wie eine große, schwarze Riesenblase. 

Auf dem Weg dorthin - wie kann es auch anders sein - stoße ich natürlich mit Matts zusammen, der seinerseits ebenfalls in Richtung Abwasch unterwegs ist, um sich anscheinend auch einen geeigneten Fetzen zu schnappen. Was für ein Schleimer!

Vielen Dank an Blogg dein Buch!

| Seiten: 335 | Thema: Liebe, Humor |
| Verlag: FeuerWerke Verlag | Erschienen: 2014 |
| Format: eBook | ISBN: 9783945362044 |
| Preis: 2,89€ | zum Verlag |



Anna hat Angst. Angst vor allem, was sich ihr nur irgendwie in den Weg stellt, so schlimm, dass sie sogar bei einer Psychiaterin in Behandlung ist. Aber dann trifft sie bei ihrer Oma auf den  gut aussehenden Profisportler Matts, der sich allergrößte Mühe gibt, sie ins Leben zurück zu holen. Er stellt ihr sieben Tagesaufgaben, die sie erfüllen soll, bevor sie ihn wegen ihrer Bindungsangst sitzen lässt und so folgen sieben Tage Aufregung für Anna...




Marlies Zebinger ist eine österreichische Autorin, was man so manches Mal durch den Schreibstil bemerkt hat. Für mich mit eher norddeutscher Herkunft waren nicht nur einige Begriffe befremdlich, auch dass die Protagonistin immer "die Oma" sagt statt einfach nur "Oma" oder "ich schwöre" und "meine Oma liebte es zu zocken", dann frage ich mich als Leser, ob der Text überhaupt lektoriert wurde.

Was mich auch leider sehr gestört hat, waren die ständigen Ausschweifungen der Protagonistin, die teilweise gar nichts mehr mit dem Text zutun hatten. Auch der Autorin ist dies scheinbar aufgefallen, denn es kam immer wieder Floskeln wie "aber ich schweife ab" oder "um wieder zum Thema zurückzukommen". Unterstreicht so etwas noch den Charakter der Protagonistin oder kann das eigentlich wegbleiben? Ich bin mir selbst nicht so richtig sicher.

Auch das kleine Wörtchen "Angst" kann ich nach diesem Buch wirklich nicht mehr hören. Besonders am Anfang der Geschichte kam es gefühlte zehntausend Mal vor - statt der Regel "show, don't tell" zu folgen, philosophiert die Protagonistin darüber, wovor sie wohl diesmal Angst hat und was ihre Therapeutin dazu sagen würde.




Genug zum Schreibstil, der mich wirklich nicht überzeugen konnte. Stattdessen möchte ich hier auch noch ein bisschen über die Charaktere reden, auf die ich bei meiner Reise durch das Buch so getroffen bin.

Zum Einen ist da die Protagonistin Anna Maria Elizabeth Rogner (den Namen kann man sich ziemlich gut merken, da die Protagonistin nicht müde wird, ihn immer mal wieder zu erwähnen) mit der Angststörung und dem Job in der Bank, obwohl sie eigentlich kreativ ist und Eiskunstlaufen liebt. Angst vor der Welt hat sie, seit sie nach einer Fehlgeburt von ihrem Freund verlassen wurde. So weit auf jeden Fall verständlich, mich hat einfach nur gestört, wie diese Angst ausgedrückt wurde. Dort hätte man sehr viel mehr mit Sprache arbeiten können, man hätte sehr viel mehr zeigen können und vor allem: Eine Person hat immer mehr Facetten, wieso sehen wir bei Anna nur so wenig?

Auf der anderen Seite steht Matts, Profisportler, gut aussehend, gut duftend, schickes Auto, viel Geld und Charme und natürlich der perfekte Liebhaber und Ehemann. Perfekter geht es gar nicht. Okay, er hat auch seine Last zu tragen, aber das kommt erst so spät heraus, dass es ihm leider auch keine tiefe verleiht. Er schreibt Anna unglaublich gerne kleine, kitschige Briefe auf Elfenschreibpapier und nennt sie "seine kleine Zauberelfe", so dass man zeitweise das Gefühl hat, dass er nicht mit einer Erwachsenen kommuniziert, sondern mit einem Kind.

Die Liebe zwischen den Beiden erfolgt - wie soll es auch anders sein bei so vielen Klischees, die hier bedient werden - per Handberührung beim Kaffeetasse umstoßen. Sie treffen sich einmal und sind gleich so hin und weg voneinander, dass die Mission Rettet-Anna-vor-ihren-Ängsten nicht abschreckend ist, sondern Matts neues Lebensziel.

Ein bisschen besser wurde es dann, als Matts Anna ihre Tagesaufgaben gestellt hat. Es war schön zu beobachten, wie sie mehr und mehr aus ihrem Schneckenhäuschen herauskam, um das Leben wieder genießen zu können. Das Ende hat mir dann aber leider auch nicht mehr so gut gefallen, die Geschichte war für mich nicht abgeschlossen, denn ich hätte mir gewünscht, dass ihrer Beziehung nach den Tagesaufgaben noch etwas mehr Platz zugekommen wäre, genauso wie ich es schön gefunden hätte, wenn Anna ein gewisses Mädchen noch kennengelernt hätte. 



Am Ende bleibt mir nicht viel mehr zu sagen, als dass ich leider sehr enttäuscht von dem Buch gewesen bin. Das Cover und die Inhaltsangabe klangen nach einem romantischen, kurzweiligen Buch, was es für manch einen vielleicht auch ist. Für mich jedoch war das Buch klischeebehaftet und nicht wirklich gut geschrieben und auch mit den Charakteren konnte ich aufgrund geringer Tiefe nicht warm werden. Schade, aber vielleicht gefällt es euch ja besser!



Kennt ihr das Buch? Ist es euch auch so ergangen?

Eure Kim.