[Rezension] So geht Liebe - Katie Cotugno


Das Furchtbare ist: Ich möchte ihm verzeihen. Trotz allem möchte ich das. Ein Baby vor meinem siebzehnten Geburtstag und eine Zukunft, so einsam wie die Mondoberfläche, und dennoch fühlt sich allein sein Anblick an wie eine Heimkehr, wie ein Lied, das ich einmal kannte, aber irgendwie vergessen habe.

englischer Titel: "How to love"

| Seiten: 320 Seiten | Thema: Jugendliebe, ungewollte Schwangerschaft |
| Verlag: Heyne fliegt | Erschienen: 2014 |
| Format: Hardcover | ISBN: 9783453268593 |
| Preis: 15,99€ Zum Verlag |





Vor zwei Jahren ist Sawyer verschwunden und hat Reena schwanger zurückgelassen. Jetzt hat sie eine Tochter, eine Zukunft voller zerstörter Träume und eine Familie, die kaum ein Wort mit ihr spricht. Dann taucht Sawyer plötzlich wieder auf und bringt Reenas Gefühlswelt durcheinander. Wie kann sie ihm je verzeihen, dass er sie allein gelassen hat?



So geht Liebe von Katie Cotugno berichtet im Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit. Ihr Schreibstil an sich ist locker und leicht zu verfolgen, die Wechsel reißen mich jedoch ständig aus dem Spannungsbogen, so dass ich manchmal Probleme hatte, wieder reinzukommen. Schöner zu lesen wäre es gewesen, wenn zunächst der Vergangenheitsteil und dann der Gegenwartsteil erzählt worden wäre. Vielleicht hätte man so auch ein besseres Bild der Charaktere bekommen.



Fangen wir dieses Mal beim Titel an, um erst einmal die Voraussetzungen für diese Rezension zu schaffen. So geht Liebe heißt der erste Roman der Autorin und was erwartet man da anderes, als ein Buch, das dem Leser zeigt, wie wahre Liebe funktionieren kann. Hinzu kommt, dass es sich bei diesem Liebesroman um ein Jugendbuch handelt, er also auch eine gewisse Vorbildfunktion haben sollte.

So weit, so gut.

Die Protagonistin Reena ist sechzehn, als sie ungewollt schwanger wird. Der Vater - zu dem ich gleich mehr erzählen werde – ist weg und sie muss mit ihrem Schicksal allein zurechtkommen. Ihre Familie ist streng katholisch und so ist es für sie nicht einfach, ihren Eltern reinen Wein einzuschenken, aber eine Abtreibung kommt somit auch nicht in Frage.

Wie konnte es aber überhaupt erst soweit kommen? Durch die im Wechsel mit der Gegenwart erzählten Rückblenden erfährt der Leser, wie sich Reena in ihren Sandkastenfreund Sawyer verliebt hat, wie sie sich von ihm pausenlos herumkommandieren lässt und ihm selbst in den übelsten Momenten noch beisteht, bis sie schließlich aus Versehen ein Kind gemacht haben und er an einem Abend verschwindet. Reena ist nicht dumm, das reibt das Buch einem auch ständig unter die Nase, und Fehler passieren selbst den schlausten Menschen auf unserer Erde. Und gerade, weil sie eigentlich ein vorsichtiger Mensch ist, ist es ja auch irgendwie klar, dass sich das Schicksal gerade sie ausgesucht hat, um ihr die Zukunft zu zerstören. An dieser Stelle hätte wohl eher der Titel So spielt das Leben oder So ist’s in echt gepasst.

Zu Sawyer könnte ich einen ganzen Roman mit Aufregern verfassen. Wirklich. Ich verstehe nicht, wie irgendein Mädchen, egal, ob nun Reena oder eine Leserin dieses Romans, für diesen Typen etwas übrig haben kann. Ja, ich weiß, dass Bad Boys eine Zeit lang wirklich in Mode waren und ich weiß auch, dass man als Mädchen mit vierzehn bis sechszehn in einer Phase ist, in der man denkt, dass man selbst den übelsten Typen mit einer guten Portion Liebe wieder ins Leben zurückholen kann.

Aber so, meine Lieben, funktioniert Liebe nicht. Liebe kann vieles, sie kann für einen überdurchschnittlichen Schuss Motivation sorgen, sie kann dafür sorgen, dass man Menschen verzeiht (was man auch immer tun sollte, weil man es sonst irgendwann bereuen wird, wie es im Buch ja auch geschieht), aber sie kann unmöglich jemanden zurückholen, der schon so dicht am Abgrund schwebt.

Ganz im Gegenteil, Seite um Seite hatte ich das Gefühl, dass Sawyer die gute Reena immer tiefer in sein Chaos aus Drogen, Sex und Alkohol hineinzieht, ohne jede Rücksicht auf sie zu nehmen. So geht Liebe nicht. Er behandelt sie grässlich, sie streiten ständig und trotzdem ist das die große Liebe? Ich versteh es einfach nicht.

Ich hätte mir gewünscht, dass Reena Sawyer zeigt, wo der Hammer hängt, um dann mit ihrer kleinen Hannah ein Leben ohne ihn zu führen. Ich hab ihm seinen Wandel nicht ganz abnehmen können, weil ich das Gefühl hatte, dass in den Rückblenden und in der Gegenwartserzählung zwei unterschiedliche Männer handeln. Nur Reena macht die gleichen, blöden Fehler noch einmal. So dass ich mich am Ende schon wundern musste, dass sie nicht gleich noch einmal von ihm schwanger wurde.

Genug des Aufregens, ich habe mich trotzdem beim Lesen amüsiert, auch wenn ich öfters nur den Kopf schütteln konnte. Besonders Shelby, Reenas zweite beste Freundin, und ihren Bruder Aaron mochte ich von Anfang an, auch Reenas Eltern sind lebhaft konstruiert, wenn auch nur bedingt sympathisch, aber das macht ja nichts, solange sie realistisch auf mich wirken. Und das Cover finde ich auch wunderschön, auch wenn der Titel meiner Meinung nach nicht unbedingt auf dieses Buch passt.

Um aber noch einmal den Anfang meiner Rezension aufzugreifen, möchte ich besonders für die jüngeren Leser betonen, dass Liebe meiner Meinung nach nicht so geht. Mir fehlt quasi die Moral von der Geschichte, das, was den Lesern zeigt, dass schwanger mit 16 und einen Freund, der lange Zeit Drogen genommen hat, eben nicht die Normalität ist und daran nichts gut oder liebenswert oder was auch immer ist.



So geht Liebe – nicht sollte das Buch meiner Meinung nach heißen, denn es ist ein absolutes Paradebeispiel dafür, wie junge Mädchen sich die Liebe zu einem Bad Boy vielleicht vorstellen und hiermit den Strohhalm an Hoffnung finden, den sie brauchen, wenn gerade alles aus dem Ruder gelaufen ist. Ein Märchen für Teenager, was so im echten Leben niemals funktionieren würde.



Kennt ihr So geht Liebe? Ging es euch wie mir oder hat euch das Buch gut gefallen?

Eure Kim.