#1 Autoren plaudern übers Schreiben - Isabella Benz


Hallo ihr Lieben!

Wie manche von euch sicher wissen, habe ich vor kurzen dazu aufgerufen mir eure Fragen zum Thema Schreiben zu stellen, damit ich die Reihe "Kim plaudert übers Schreiben" ins Leben rufen kann. Am schönsten ist es aber trotzdem noch, wenn man mit gestandenen Autoren übers Schreiben ins Gespräch kommen kann und so habe ich mir überlegt, dass es schön wäre, wenn ich euch Zwischendurch auch immer mal ein "Autoren plaudern übers Schreiben" anbieten kann.

Gestern habe ich ja bereits die Rezension zu Die Dämonen von Lorch von Isabella Benz gepostet, zu dem sie mir auch 5 tolle Antworten auf meine Fragen gegeben hat. Heute beantwortet sie für euch 12 Fragen zum Thema Schreiben.

Los geht's!


1. Wie sieht dein Schreiballtag aus? Wie viel Zeit investierst du täglich in deine Schreibarbeit?


Da von täglich zu sprechen, ist etwas schwierig. Bei mir ist das phasenabhängig. Momentan schreibe ich jeweils am Anfang eines Semesters oder in den Semesterferien, wenn nicht zu viele Hausarbeiten anstehen, am meisten. Je nachdem kann ich durchaus je 2-3 Stunden am Tag fürs Schreiben oder Überarbeiten verwenden. In seltenen Fällen nehme ich mir auch einen ganzen Tag zum Schreiben, dann geht es morgens um 08:00 los und hört abends um 21:00 auf *gg*



2. Was brauchst du zum Schreiben? Notizbücher, Musik, …?


Musik sehr selten, meist nur, wenn ich eine bestimmte Stimmung einfangen will, aber meine Notizen sind sehr wichtig, auch wenn ich die nicht in Notizbüchern gespeichert habe. Ich nutze entweder Scrivener oder einzelne Worddokumente. Dort habe ich dann eine Szenenübersicht, einen sehr ausführlichen Steckbrief für jeden Charakter, teilweise Beschreibungen von Orten und Gegenständen und ab und an kommen (vor allem bei Fantasyromanen) auch selbst gebastelte Karten um Einsatz. Bei meinen Historienromanen sind es eher Wikipeia und Google Maps, die ich nebenan offen habe. Nicht, dass ich alle meine Recherchen daraus ziehe, aber erste Eindrücke vermitteln sie allemal.



3. Bist du ein Planer oder einer Entdecker?


Die Aussage unter Nummer 2 dürfte das bereits einigermaßen beantworten: Ich bin der totale Planer. Am liebsten bearbeite ich, bevor ich mit dem Schreiben beginne, die Schritte der sogenannten Schneeflockenmethode, wie genau die funktioniert findet sich z.B. hier: http://www.dirk-eickenhorst.de/werkzeugkiste/die-schneeflocken-methode/index.html. Am Ende dieses Prozesses steht eine ausführliche Szenentabelle, an der ich mich beim Schreiben entlang hangele. 



4. Wie entwickelst du deine Geschichten? Womit beginnst du?


Entwickelt wird die Geschichte wie gesagt mit der Schneeflockenmethode. Aber natürlich ist das nicht der Anfang. Bevor ich diese Methode anwenden kann, muss erstmal eine grobe Idee her. In der Regel ergibt sich das aus bestimmten Figurenkonstellationen. Oft habe ich eine Szene im Kopf, aus deren Vor- und Nachgeschichte sich die komplette Story ergibt. Ansonsten können mich aber auch Orte oder Personen inspirieren, ein Funke eben, von dem aus sich die Handlung wie ein Lauffeuer nach hinten und nach vorne ausbreitet.



5. Recherchierst du vor dem Schreiben, währenddessen oder erst bei der Korrektur?


Eigentlich recherchiere ich in allen drei Phasen. Vor dem Schreiben eines Historienromanes lese ich mir grundsätzliche Informationen über Zeit, Ort und historische Persönlichkeiten an. Während dem Schreiben kommt dann noch die ein oder andere Frage auf und bei der Korrektur fallen „Kleinigkeiten“ ins Gewicht. Ein Beispiel aus dem Thriller „Die Dämonen von Lorch“: Meine Protagonistin verarbeitet dort via Nadelbindung Wolle zu einem Obergewand. In meiner ursprünglichen Fassung war der Faden, den sie dazu benutzt, rot. Meine Betaleserin wies mich aber daraufhin, dass Bauern nur braun tragen durften und es deshalb höchst ungewöhnlich wäre, wenn Theodora mit rot nadelbindet. Insofern gibt es tatsächlich noch Recherchearbeit bei der Korrektur.



6. An wie vielen Projekten arbeitest du momentan? Wird etwas davon in näherer Zukunft erscheinen?


Wie man es nimmt an 2-3 Romanen und 2 Anthologien, wenn auch nicht an allen gleich intensiv. Eine Historische Romanze im Berlin der Goldenen Zwanziger bereite ich aktuell fürs Lektorat vor, Abgabetermin ist im April. Der Auftakt einer Fantasyquintologie wird innerhalb der nächsten beiden Monate erscheinen, der ist soweit also fertig, es müssen aber noch letzte Absprachen getroffen werden. Außerdem möchte ich beizeiten mein Fantasyjugendbuch in die weite Welt hinaus schicken, dafür fehlt mir momentan aber etwas die Zeit. 

Bei den Anthologien befindet sich eine bereits im Lektorat. Bei dieser bin ich selbst mit mehreren Kurzgeschichten vertreten und habe die anderen mitkomponiert. Für die zweite Anthologie suchen Michéle-Christin Jehs und ich zusammen mit dem Burgenweltverlag noch bis Mitte April Kurzgeschichten zum Thema „Wenn alte Wellen singen“, mittelalterliche Kurzgeschichten rund um Gewässer aller Art. Da läuft momentan also das Sammeln und ab April dann die Auswahl und das Lektorat der Kurzgeschichten.



7. Schreibst du für dich oder für die Veröffentlichung?


Meist schreibe ich für mich, es kam aber auch schon letzteres vor. Falls ich aufgrund einer Anfrage etwas verfasse, muss mich das Thema aber wirklich reizen. Ich würde z.B. nie einen Erotikroman schreiben, auch nicht um der Veröffentlichung willen.



8. Woher nimmst du deine Motivation?


Ich arbeite Dinge gerne ab. Deshalb motiviert es mich, meine Fortschritte zu begutachten und mir immer wieder zu sagen, dies oder jenes brauchst du noch, dann hast du die Rohfassung/die Überarbeitung geschafft. In der Regel nehme ich mir dabei am Tag nur kleinere Hürden vor, die machbar sind und an denen ich nur in Ausnahmefällen (wenn der Protagonist plötzlich doch ein Geheimnis ausplaudern will z.B.) scheitere. Das Ziel vor Augen, das motiviert mich am meisten.



9. Wer ist für dich da, wenn beim Schreiben mal wieder alles den Bach runtergeht?


Ähm … so richtig den Bach runter geht es bei mir eigentlich nie, oder ist es bislang – Gott sei Dank - nicht gegangen. Wenn ich irgendwo hänge oder Unklarheiten herrschen, rede ich entweder mit Tintenzirklern (s.u. 11.) oder mit meinen Freunden und bisher haben wir immer eine Lösung gefunden, mit der ich gut leben konnte.



10. Hast du schon mal an einem Schreibmarathon wie dem National Novel Writing Month teilgenommen? Wenn ja, hast du durchgehalten? Hast du Tipps für andere Schreiberlinge?


Am National Novel Writing Month nehme ich seit 2010 jährlich teil, 2011 ist im Zuge dessen mein Debütroman „Die Dämonen von Lorch“ entstanden. Die meisten Bände meiner Fantasyquintologie habe ich ebenfalls dort geschrieben. Ich finde den Austausch mit anderen Schreiberlingen, so genannte Battles, sehr hilfreich, und im Zuge dessen auch einigermaßen feste Schreibtermine. Im NaNo nehme ich mir mindestens eine Stunde am Tag nur fürs Schreiben. Und wöchentlich stehen 2-3 Termine fest, an denen ich mich mit anderen in Foren und Chats treffe. Das gegenseitige Anfeuern hat mich bisher immer ans Ziel gebracht, oft auch bis ans Ende des Romans. Abgesehen davon sollte man sich, um das Event wirklich genießen zu können, als NaNo-Projekt etwas heraussuchen, das man von ganzem Herzen schreiben will. Andernfalls kann der November wirklich sehr anstrengend werden.



11. Kannst du Schreibratgeber oder Websites empfehlen, die einen Schreiberling weiterbringen?


Mich haben zwei Foren in meiner Schreibkarriere deutlich weiter gebracht. Im www.federfeuer-forum.de habe ich zum einen gelernt, die Texte von Kollegen zu analysieren. Zum anderen hat sich dort mein Schreibstil herausgebildet, sowohl aus den Kritiken, die ich von anderen erhalten habe, als auch durch die Probleme, die mir in den Texten von anderen doch deutlich klarer vor Augen getreten sind als in meinen eigenen, obwohl die gleichen Probleme dort ebenfalls zu finden waren. Aus Zeitgründen bin ich leider nicht mehr im Forum aktiv, halte es aber nach wie vor für sehr empfehlenswert!

In www.tintenzirkel.de liegt der Fokus nicht auf der Textkritik, deshalb ergänzen sich die beiden Foren meiner Meinung nach auch sehr gut. Im Tintenzirkel habe ich die vorhin erwähnten Battles kennen gelernt, die ich immer noch sehr gerne nutze. Außerdem bietet das Forum einen sehr guten Einblick in die Verlagswelt. Und wenn irgendwo der Schuh drückt, sei es storytechnisch oder formulierungstechnisch, bietet der Zirkel ebenfalls kompetente und hilfsbereite Mitautoren/innen. 



12. Was ist dein liebster Schreibtipp?


"Schalte während dem Schreiben den inneren Lektor aus!" 

Ich kenne Autoren, die von Anfang an überarbeiten und deren Text am Ende des Schreibvorgangs fertig und rund ist, für die ist der Schreibtipp sicher nichts. Aber mir hilft es, den Kopf auszuschalten und freischnauze in die Tasten zu hämmern. Die Formulierungen auszubügeln und den Text abzurunden, folgt dann in der Überarbeitung.

Das Wichtigste ist aber, ganz egal, welche Art von Schreiberling man ist, immer Freude an der Geschichte zu haben. Wenn der Autor sich mit seinem Text quält, werden es die Leser mit ziemlicher Sicherheit später auch tun. Deshalb wünsche ich jedem meiner Kolleginnen und Kollegen Leidenschaft für ihre Werke und ganz viel Spaß dabei!


Und dort findet ihr Isabella:


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Vielen lieben Dank an Isabella für die Beantwortung der Fragen!

Euch sind noch andere Fragen eingefallen, die ihr gerne von einem Autor beantwortet hättet? Dann könnte ihr sie gerne in den Kommentaren stellen und ich werde sie bei den kommenden Runden von "Autoren plaudern übers Schreiben" berücksichtigen.

Ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß beim Lesen ihrer Antworten wie ich und fühlt euch motiviert!

Wie immer freue ich mich über eure Kommentare!

Alles Liebe,
eure Kim.