[Rezension] Die Dämonen von Lorch - Isabella Benz + 5 exklusive Fragen an die Autorin!!!


Unter der Rezension findet ihr 5 tolle Antworten auf meine Fragen an Isabella!


Sie keucht.
Sie zuckt.
Und sie schlägt um sich.
Wie eine Besessene.


| Seiten: 350 Seiten | Thema: Historisch, Thriller |
| Verlag: Ammianus-Verlag | Erschienen: 2014 |
| Format: Broschur | ISBN: 9783945025031 |




Johann von Badenberg liebt die Vogtstochter Theodora, die immer wieder von heftigen Anfällen und Krämpfen geschüttelt wird. Er plant, sie nach dem Kreuzzug zur Frau zu nehmen und als das Heer schließlich fällt, eilt er über die Alpen zurück nach Lorch, wo eine Reihe von mysteriösen Mordfällen die Dorfbewohner erschüttert. Er muss sich beeilen, denn er weiß nicht, dass Theodora bereits in das Verdachtsfeld des Pariser Exorzisten geraten ist.



Da ich ja nicht so viele historische Romane lese, habe ich anfangs eigentlich immer Schwierigkeiten damit, mich in den Schreibstil eines Romans einzufinden. Das liegt nicht daran, dass der schlecht wäre, sondern eher daran, dass ich diese „gestelzte“ wörtliche Rede nicht gewohnt bin.
Nach dem Einlesen hat mir Isabella Benz‘ Schreibstil gut gefallen und ich konnte durch die Seiten fliegen.



Das Buch ist aus mehreren Sichtweisen geschrieben, was für den Spannungsaufbau sehr förderlich gewesen ist. Am besten haben mir die Szenen aus Johanns Sicht gefallen, weil sie meiner Meinung nach die spannendsten waren.

Man hat bald gemerkt, dass die Autorin hier gute Recherchearbeit betrieben hat, denn viele Szenen waren sehr realistisch für den Zeitraum, in dem das Buch spielte, und ließen mich ab und zu schlucken. Was wir doch für ein Glück haben, in dieser Zeit zu leben. Besonders gut fand ich dann auch, dass es keinerlei Info-Dumping gibt. Das ist ja etwas, was viele von historische Romanen abhält, aber hier ist man sofort in der Welt angekommen und muss sich nicht erst seitenlange Erklärungen anhören.

Johann ist auf jeden Fall ein Charakter, der seiner Zeit voraus ist, deswegen fand ich es in manchen Szenen schade, dass er erst gehandelt und dann nachgedacht hat. Das hat nicht immer zu ihm gepasst, aber andererseits muss man ja auch den Einfluss seiner Umwelt sehen. Mit ihm konnte ich mich am besten identifizieren, weil er derjenige war, der an das Gute geglaubt hat und am stärksten dafür gekämpft hat.

Mit seiner Geliebten, Theodora, hatte ich so meine Probleme. Sie leidet unter Anfällen und Krämpfen, ein typisches Krankheitsbild für Epilepsie, was man damals ja noch nicht wusste, und muss diese deshalb vor den Dorfbewohnern geheim halten. Als dann jedoch die Morde in Lorch geschehen, die nur von einem Dämon begangen worden sein können, gerät Theodora schnell ins Verdachtsfeld eines Pariser Exorzisten, der seine Nase aus nichts raushalten kann. Auch Theodoras Vater sorgt dafür, dass sie sich immer mehr fragen muss, ob sie nicht doch von einem Dämon besessen ist, obwohl Johann immer noch der Meinung ist, dass sie krank ist.

Für Theodora hätte ich mir eine stärkere Frauenfigur gewünscht. Klar, ich kann verstehen, wieso sie am Rande der Verzweiflung ist, aber ein bisschen mehr Aktivität hätte ihr nicht schaden können. So blieb sie nur ein von Ängsten getriebener, blasser Charakter, der darauf gewartet hat, dass Johann schon alles lösen würde. Das war eigentlich der Punkt, der mich wirklich am meisten gestört hat. Realistisch ist gut, aber ein Protagonist sollte meiner Meinung nach ein bisschen aktiver sein und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Ein starker Charakter war auch Wilhelm, der Pariser Exorzist. Er nahm seinen Beruf so ernst, dass ich zeitweise schon dachte, dass er die Morde begangen hat, um endlich mal jemanden exorzieren zu dürfen. Gut gefallen hat mir vor allem die Zusammenarbeit mit Johann, gerade, weil sie ständig in einen Konflikt geraten sind.

Auch der Plot ließ nicht zu wünschen übrig. Stück für Stück steigerte sich die Spannung und die Frage danach, wer nun wirklich die Morde begangen hat, wurde immer dringlicher. Zeitweise habe ich mich gefragt, ob das Buch vielleicht doch ein Fantasyelement hat und die Morde tatsächlich von einem Dämon begangen wurden. Die tatsächliche Lösung ist zwar logisch, aber eben nicht offensichtlich, was mir sehr gut gefallen hat.

Einzige Kritik zum Spannungsaufbau ist, dass die Spannung nach Höhe- bzw. Wendepunkten zu schnell durch eine Auflösung wieder hinausgenommen wurde und dadurch der Spannungsbogen immer einen Schritt zurück gemacht hat. Aber ich glaube, so etwas fällt nur jemandem auf, der sich oft und viel mit verschiedenen Handlungsmustern und Spannungsbögen beschäftigt.



Insgesamt hat mir Die Dämonen von Lorch sehr gut gefallen. Abzüge gibt es allerdings für Theodoras Charakter, der mich einfach nicht ansprechen konnte, und den Verlauf des Spannungsbogens. Wenn ihr Lust auf einen historischen Krimi/Thriller habt, dann ist dieses Buch ganz bestimmt einen Blick wert.




Über die Autorin: Isabella Benz wuchs einen Katzensprung von Wiesen, Wald und Feldern entfernt am Rande der Stadt Steinheim an der Murr auf. Obwohl naturverbunden zog es sie nach ihrem Abitur in Großstädte: Zunächst in die Hauptstadt Kwa Zulu Natals, Pietermaritzburg, wo sie in den südafrikanischen Townships mit Kindern und Jugendlichen arbeitete. Ihr Studium verschlug sie außerdem nach Berlin und für ein Jahr nach Rom. Hauptsächlich studiert sie jedoch in dem vergleichsweise beschaulichen Tübingen - Theologie auf Pfarramt. (Quelle: Verlagshomepage)

Ich hatte die Gelegenheit mich mit ihr per Mail über ihren Roman zu unterhalten und ihr ein paar Fragen dazu zu stellen. Ihre Antworten möchte ich euch hier präsentieren.


Welcher der Charaktere ist dein absoluter Liebling und wieso?


Meistens mag ich die Nebenfiguren lieber als die Hauptfiguren, entsprechend würde ich auch bei den Dämonen von Lorch sagen: Ritter Bero, auch wenn er nicht sehr häufig vorkommt, ist mir von allen Charakteren der Liebste. Er ist nimmt kein Blatt vor den Mund und ist gleichzeitig absolut loyal. 


Welche Stelle ist deine absolute Lieblingsstelle im Buch? Hast du ein Lieblingszitat?


Ich liebe die Szene, in der Johann und Wilhelm das erste Mal aufeinandertreffen. Die ersten Kapitel habe ich fast nur auf diesen Moment zugeschrieben. Ein konkretes Lieblingszitat habe ich nicht, aber eine der Stellen, die mir gut gefallen, ist folgende:

„Die dunkle Stimme klang wie das Zischeln der Schlange, die sich im Kampfesgetümmel einmal unvermittelt vor ihm unter einem Leichnam hervorgeschlängelt hatte. Johann hatte sein Schwert gepackt und ihr den Kopf abgeschlagen. Er würde es jederzeit wieder tun.“


Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben?


Die Grundlage bildete tatsächlich eine Anfrage: Magst du es nicht einmal mit etwas Historischem versuchen? Für mich war klar: Wenn historisch, dann regional-historisch. Bei der Recherche bin ich irgendwann auf das Kloster von Lorch gestoßen und je mehr ich darüber recherchierte, desto passender erschien es mir. Das Thema „Epilepsie“ aufzugreifen und dies mit dem Dämonenglauben zu verbinden, hatte biographische Gründe: Zum einen litt eine Freundin aus Schulzeiten an dieser Krankheit, zum anderen wurde ich schon häufiger mit dem Glauben an dämonische Mächte konfrontiert. Alles zusammen ergab nach und nach diesen Historischen Thriller.


Mit welchem deiner Charaktere hast du am meisten gemeinsam?


Am meisten gemeinsam? Ohje, da muss ich nochmal gut grübeln. Jeder der fünf Protagonisten hat irgendeine Eigenschaft von mir abbekommen. Allerdings bemühe ich mich immer, den Protagonisten ein eigenes Gesicht zu geben. Ich bin lang nicht so verbohrt wie Wilhelm und garantiert nicht so abenteuerlustig wie Johann. Ab und an kann ich genauso an allem verzweifeln wie Theodora, aber ich wage zu behaupten, dass ich mich deutlich schneller wieder fange als sie. Wenn ich die Frage etwas anders auffassen dürfte, nämlich, durch welchen Charakter ich mich in die Geschichte hineingeschrieben habe, dann würde ich antworten: Ich ähnle am meisten Otto von Freising, also, natürlich nicht der historischen Persönlichkeit, aber dem Charakter, wie ich ihn in der kurzen Szene, in der er vorkommt, dargestellt habe.


Wenn du mit einem deiner Charaktere einen Tag verbringen könntest, wen würdest du aussuchen und wie würde dieser Tag aussehen?


Bei Heinrich und Wilhelm würde ich gegen eine Wand anreden, das stelle ich mir nicht so angenehm vor. Deshalb würde ich vermutlich einen kleinen Waldspaziergang oder –ritt mit Johann und Theodora unternehmen, die Gegend um Lorch ist wirklich sehr schön, das lohnt sich also. Einen Ausflug dorthin kann ich jedem hier nur wärmstens empfehlen.


Danke, liebe Isabella, für die Beantwortung der Fragen!

Wer jetzt Lust hat noch mehr über Isabella zu erfahren, sollte unbedingt morgen wieder meinen Blog besuchen, denn dann gibt es den aufregenden Start eines Specials mit ihr als Gast!


Alles Liebe,
eure Kim.