Tipps & Tricks | Übers Schreiben - Inspiration, Ideen, Umsetzung


Hallo ihr Lieben!

Es ist endlich soweit - Ich habe mir Zeit und Tee genommen und angefangen eure vielen Fragen zu beantworten. Vielen Dank noch einmal dafür, dass ihr euch beteiligt habt. Unter jedem Artikel der Reihe dürft ihr natürlich gerne weitere Fragen stellen.

Noch ein kleiner Hinweis: Meine Antworten sind keinesfalls als Richtlinien zu verstehen, sie können euch nur einen Einblick in meine Arbeit geben, damit ihr euch vielleicht inspirieren lassen könnt. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ihr in den Kommentaren eure Meinungen und Erfahrungen zu den einzelnen Fragen da lasst, damit wir vielleicht eine tolle Diskussion führen können.

Aber nun will ich nicht weiter drumherum reden, sondern euch meine Antworten zu allen Fragen, die mir Inspiration, Ideen und Umsetzung zutun haben, um die Ohren hauen.

Also schnappt euch eine Tasse Tee und lasst euch inspirieren!



Woher nimmst du deine Ideen?


Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. In vielen Ratgebern oder auf Onlineseiten zum Thema findet man ja wirklich häufig den Ratschlag, aufmerksam durchs Leben zu gehen, Menschen zu beobachten, Zeitung zu lesen und Fernsehen zu gucken, um daraus seine Ideen zu bekommen. Für viele funktioniert das sicher auch, für mich aber nicht. Ich ziehe meinen Hut vor Leuten, die sich von aktuellen, politischen Geschehnissen inspirieren lassen (z.B. würde ich unglaublich gerne Breaking News von Frank Schätzing lesen) und wünschte mir manchmal, ich könnte auch einfach in die Zeitung schauen und schwupps – sind die Ideen da.

Aber bei mir ist es dann doch tatsächlich eher die Stephenie-Meyer-Art à la „Ich hatte da so einen Traum“ – denn ihr müsst wissen, dass ich super gerne träume (Jap, auch Tagträume…dumdidum) und so male ich mir einfach immer mal wieder Situationen aus, die mich dann von ganz allein zu anderen Situationen bringen, für die ich dann ganz schnell ein Notizbuch brauche, damit ich sie nicht wieder vergesse.

Einen ultimativen Tipp kann ich euch also nicht geben; ich denke vielmehr, dass jeder Mensch seine Ideen auf seine eigene Art findet und dann ist es letztendlich doch auch egal, ob man superschlau ist, weil man aus Zeitungsartikeln einen umwerfenden Politthriller bastelt, oder ob man sehr menscheninteressiert ist und sich von einer Frau in der Bahn inspiriert ist, oder ob man doch lieber von Lämmern und Löwen träumt und daraus etwas Anschauliches bastelt.




Wie organisierst du deine Ideen? / Wie behältst du den Überblick?


Gar nicht. Zumindest bis vor kurzem, dann hat mich der Arbeitseifer gepackt, als ich gesehen habe, wie organisiert Laura Labas, die Autorin der Die-Unwandelbaren-Reihe ist, und wie wahnsinnig flott sie so auch die Überarbeitung abschließen kann. Jaa, und so hab ich mir dann mal die Mühe gemacht, all die Ideen, die so in meinem Kopf herumgeschwirrt sind zu verschriftlichen und ordnungsgemäß in einem Ordner zu sammeln. Besonders dick ist der Ordner noch nicht, weil er sich noch im Aufbau befindet, aber ich kann euch ja mal erzählen, welche Kategorien ich dort habe.

Erstmal gibt es einen Abschnitt für jede meiner konkreteren Romanideen. In diesen Abschnitten sammle ich alle Ideen, Lebensläufe, Stammbäume, bliblablub, zu meinen Projekten wie z.B. meinem Blogroman Love, Kiss, Cliff oder meinen Hauptprojekt, von dem ich euch vor einiger Zeit mal ein bisschen erzählt habe (den Artikel findet ihr hier).

Diese Abschnitte sind mir am Wichtigsten, denn dort befindet sich quasi alles, was ich auch in digitaler Version bei Scrivener gespeichert habe. Gut in Folien verpackt kann ich die Sachen so immer mitnehmen, wenn ich zu meinen Eltern oder irgendwo anders hin fahre, und muss nicht immer zwischen den einzelnen Seiten hin und her klicken. Das bietet schon eine enorme Arbeitserleichterung.

Dann gibt es Abschnitte für Plotideen, Charaktere, Welten, Dialoge, Konflikte und magische/politische Systeme. Vieles davon ist noch gar nicht gefüllt, weil ich meistens schon einen konkreten Plot im Kopf habe, wenn ich die Idee umsetzen möchte. Andere, nicht so konkrete Ideen verwerfe ich relativ schnell wieder und vergesse sie. Die wirklich Wichtigen bleiben sowieso im Kopf. Ich betrachte diese Abschnitte also eher als Sammelstelle für alles, das ich aus aktuellen Projekten rauswerfe, aber für eine spätere Verwendung noch aufbewahren möchte.

Eine größere Ordnung herrscht da in meinen Dateien. Für jedes Projekt gibt es eine Scrivener-Datei, in der ich einfach alles sammle. Das gefällt mir so gut an Scrivener. Bei Word bräuchte ich zig Dokumente für alles, bei Scrivener gibt es ein einzelnes, das super easy zu bedienen ist. Wenn ihr euch dafür interessiert, könnt ihr euch ja mal meine Tutorials anschauen. Bei Fragen könnt ihr mir gerne über das Kontaktformular im Footer schreiben. Vielleicht kann ich euch ja helfen.



Wie setzt du eine Anfangsidee so um, dass sie zum Roman wird?


Durch Versuch und Irrtum! Nein, mittlerweile versuche ich wirklich systematischer daran zu gehen, weil durch ziemlich viele Versuche, die in Irrtum enden, auch irre viel Zeit drauf geht. Aktuell schreibe ich an der dritten Fassung zu meinem Hauptprojekt, weil die beiden anderen dann leider in die Kategorie Irrtum fielen. Deswegen waren sie aber trotzdem wichtig. Hätte ich sie nicht geschrieben, so würde mein Projekt jetzt nicht um so vieles dichter und einfach auch besser sein, als es noch der erste Versuch gewesen ist (zumindest bin ich der festen Überzeugung, dass es so ist…). Ende vom Lied war dann aber trotzdem, dass ich mich noch einmal hinsetzen musste, um meinen Plot zu überarbeiten und um meinen Charakteren noch mehr Feinschliff zu geben.

Aber wie bin ich überhaupt so weit gekommen, dass ich einen ersten Versuch gestartet habe? Auch das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Mein Hauptprojekt hatte ungefähr einen Monat Vorlaufzeit, bevor der NaNoWriMo begann und ich einen einigermaßen guten Plot und brauchbare Charaktere haben wollte. Die Grundidee hatte ich schon vor einigen Jahren, da habe ich sogar mal einen ein bis zwei Kapitel langen Text geschrieben, der bereits in die Richtung ging, aber ihn nie weiterverfolgt, weil mir die Idee nicht so brauchbar erschien.

Wie genau ich dann dazu gekommen bin, dass ich die Idee wieder ausgegraben habe, weiß ich gar nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich dieses Bild von ihrem Kennenlernen im Kopf hatte und dass ich eine dramatische Idee von einem Ende hatte (welches es mittlerweile gar nicht mehr bekommen wird, weil mir ein noch viel dramatischeres eingefallen ist…). Und dann habe ich angefangen zu träumen und mir die Charaktere vorgestellt und ihnen Freunde und Familie gegeben und ein Leben, bevor sie sich kennengelernt haben und daraus sind dann immer mehr Ideen entstanden, wie ein Plot aussehen könnte. Dann war plötzlich der Bösewicht da und sobald seine Motivation klar war, konnte ich besser an einem Plot arbeiten.

Zwischendurch habe ich schon immer ein paar Szenen geschrieben, die mir so im Kopf herumgeschwirrt sind und am ersten November habe ich dann losgelegt und das Buch in einem Monat in meinen Laptop gehauen. Das war ein euphorischer Rausch – 90.000 Wörter in einem Monat, ihr glaubt gar nicht, wie stolz ich war, als ich im November noch Ende drunter schreiben konnte.

Dann habe ich es ein bisschen ruhen lassen, nicht lange, weil ich ja immer noch euphorisch war, und hab es mir geschnappt, um es zu überarbeiten. Dabei sind mir dann irre viele Denkfehler aufgefallen. Also habe ich überarbeitet und eine zweite Version geschrieben. Und danach wieder überarbeitet und nun arbeite ich an der dritten Version, die hoffentlich – drückt mir die Daumen – die letzte sein wird.

Beim Blogroman ist das übrigens ganz anders abgelaufen. Da habe ich meine Idee mit dem Prinzip Entweder-Oder gestaltet und ein paar klischeehafte Typen in eine WG gepackt, um sie von ihren Klischees zu lösen (ebenfalls mit Entweder-Oder) und dann hab ich einfach drauf losgeschrieben. Mit dem Kopf schon immer ein bisschen weiter in der Geschichte und einem Ziel vor Augen ging das eine Weile ganz gut, wobei mir aufgefallen ist, dass insbesondere meine Protagonistin Mer eindeutig ein bisschen mehr Charakterarbeit gebraucht hätte, da sie manchmal doch sehr launisch und hormongesteuert reagiert. Aber dafür ist es eben ein Blogroman, den ich zum Spaß und zum Üben schreibe und mich immer sehr darüber freue, wie viele Klicks er jede Woche bekommt und wie viele von euch tollen Schätzchen ihn wirklich lesen. Das begeistert mich jede Woche aufs Neue und zeigt doch auch hier, dass Idee und Umsetzung auf ganz unterschiedliche Weise funktionieren können.



Soo, ich glaube, das war genug Input für den ersten Teil dieser Reihe. Einige Fragen habe ich natürlich noch zu beantworten, aber trotzdem freue ich mich immer über Nachschub. Wenn ihr jetzt also da sitzt und denkt "Soll ich einen Kommentar schreiben, soll ich nicht?" - dann gebt euch einen kleinen Ruck (wie in der Schule: dumme Fragen gibt es sowieso nicht). ;)

Und wenn euch der Artikel gefallen hat und ihr noch neu auf meinem Blog seid, schaut doch mal in der Sidebar: da gibt es jede Menge Möglichkeiten, um meinen Blog und mich zu stalken (bitte nur online)! Oh, und Weitersagen und Teilen ist natürlich das Größte! ;)

So - jetzt seid ihr dran!

Alles Liebe,

eure Kim.