Nachgefragt | Martina Riemer übers Schreiben


Hallo ihr Lieben!

Heute habe ich mal wieder ein Interview für euch: dieses Mal mit Martina Riemer, die manchen von euch bestimmt auch Martina Bookaholic von ihrem gleichnamigen Blog bekannt ist. Sie hat am Donnerstag ihren neuen Roman "Road to Hallelujah" herausgebracht, den ich diesen Monat noch lesen werde, weil er perfekt zum Monatsthema unserer Amazing Summer Reads passt.

Habt ihr auch schon die Rezension zu Glasgow Rain gesehen, die ich gestern gepostet habe?


1. Wie sieht dein Schreiballtag aus? Wie viel Zeit investierst du täglich in deine Schreibarbeit?


Gute Frage – ich habe dabei eigentlich keine festen Regeln, ich nutze einfach die Zeit, die übrig ist, um zu schreiben, die restliche geht eben für anderes drauf. Wie arbeiten, Haushalt führen und sonstiges. :)
Bei mir sieht es so aus, dass ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme, dann etwas esse, während ich nebenbei lese. Danach kommt oft ein wenig Sport beim Fernsehen und erst danach, also am Abend, setzte ich mich an den Laptop, um zu schreiben. Am liebsten zum Schreibtisch im Schlafzimmer, da es dort am bequemsten ist, wenn man längere Zeit schreibt. An den Wochenenden, die ich in Wien bleibe und nicht nach Hause zu meiner Familie fahre, ist es genau anders herum. Dann wird zuerst am Vormittag geschrieben und Mittag oder der Abend für Freunde und meinen Mann reserviert, bzw. fordert er dann diese Zeit ein, was verständlich ist ;)
Seit einigen wenigen Monaten habe ich es mir angewöhnt, dass ich zumindest jeden Tag einen Satz an einem aktuellen Projekt schreibe. So geht es zwar nur klitzeklein weiter, wenn einmal nicht mehr geht, aber ich bekomme dann auch kein schlechtes Gewissen.

2. Was brauchst du zum Schreiben? Notizbücher, Musik, …?


Ist eher unterschiedlich. Oft schreibe ich mit Musik im Hintergrund, aber nur leise, damit sie mich nicht zu sehr ablenkt. Ansonsten habe ich nebenbei immer meine Worddatei offen mit dem Grundplot, um nicht ganz vom rote Faden abzudriften, bzw. habe ich immer das Charakter-Sheet nebenbei offen, in dem die Hauptcharaktere, Lieblingswaffen, Zeitangaben oder eben auch Bilder zu finden sind.

3. Bist du ein Planer oder einer Entdecker?


Früher war ich ein Entdecker. Bei Glasgow Rain habe ich einfach so drauflos geschrieben ohne richtigen Plan. Alles, was ich wusste, war der Anfang und das Ende, der Rest ist mir während des Schreibens eingefallen. Aber jetzt arbeite ich schon mit einem ungefähren Plotplan, an dem ich mich versuche zu halten, auch wenn hier und dort was dazu kommt oder verändert wird. Für den roten Faden und dass man den Überblick nicht verliert, ist eine kleine Planung schon ganz gut. Auch wenn ich sie nicht immer aufschreibe. Meist ist der Handlungsverlauf eh schon derart in meinem Kopf verankert, dass ich es gar nicht mehr aufschreiben muss, sondern einfach nur in der Geschichte niederschreiben. Mh, ich merke gerade, ich sollte vielleicht wieder etwas genauer beim Aufschreiben des Plots sein, und nicht nur das meiste abgespeichert in meinem Kopf belassen. ^^

4. Wie entwickelst du deine Geschichten? Womit beginnst du?


Ich fange vorne an und schreibe dann bis zum Ende! :p Nein, ernsthaft. Ich entwickle meine Geschichten nicht, sie sind einfach da. Meist durch Musik, wenn ich etwas Bestimmtes höre, oder wenn ich durch die Stadt gehe… dann habe ich plötzlich einen Charakter im Kopf, der etwas erlebt und noch bevor ich Zeit habe, wirklich darüber nachzudenken, spinnt sich in meinem Kopf daraus ein Anfang, ein Ende. Der Mittelteil ist für mich meistens am schwierigsten, über den denke ich immer am längsten nach. Und dann schreibe ich einfach vom Anfang weg, nachdem ich etwas Zeit in der Charaktererstellung oder Weltenplanung investiert habe.

5. Recherchierst du vor dem Schreiben, währenddessen oder erst bei der Korrektur?


Ich recherchiere meist direkt während dem Schreiben. Wenn ich zb. einen Gott mit einer gewissen Fähigkeit gerade gebraucht habe, bin ich schnell auf Wikipedia gegangen, habe mir dort meine Informationen zusammengesucht, sie so verändert wie sie gebraucht habe und dann weiter geschrieben. Und so mache ich es auch bei den aktuellen Projekten. Sicher lese ich auch schon vorher manchmal ein paar Fakten von denen, bei denen ich weiß, dass ich sie noch brauchen werde und schreibe sie mir dann kurz auf für später. Aber meistens recherchiere ich währenddessen, weil mir das sympathischer ist und auch gleich den Schreibprozess etwas anfeuert.

6. An wie vielen Projekten arbeitest du momentan? Wird etwas davon in näherer Zukunft erscheinen?


Ja, das ist noch so einiges geplant! ^^ Aber in naher Zukunft, kommt nach Juni, dem Sommerbuch „Road to Hallelujah“, dann im November der zweite/ letzte Teil von „Essenz der Götter 2“ raus, den ich zum Glück schon beendet habe und gerade mit einigen Testlesern richtig schön in die Mangel nehme und bearbeite.

Nebenbei habe ich noch einige anderen Ideen/ Geschichten im Kopf, an denen ich schon arbeite oder für die Zukunft vorgemerkt habe. Manchmal fürchte ich sogar, dass mir die Zeit fehlt, sie auch alle niederzuschreiben, aber zum Glück habe ich bei den interessanteren Ideen schon ein paar Skizzen aufgeschrieben, damit ich nichts vergesse, bzw. einen groben Plotplan ausgearbeitet. Wenn ihr neugierig seid, sind auf meiner Projektseite ein paar Ideen aufgeführt: 

Von diesen Projekten arbeite ich gerade vermehrt an „Monster Geek“. Das ist eine Idee, die ich schon seit einem halben Jahr mit mir herum schleppe und jetzt endlich die Zeit gefunden habe, daran zu arbeiten, und die mir nicht aus dem Kopf gehen mag, obwohl ich theoretisch gar keine Zeit dafür habe. Aber ja, egal. ^^ Obwohl ich nicht weiß, ob dieses Geschichte je rauskommen wird, arbeite ich gerne an ihr, denn sie mach mir nämlich richtig viel Spaß und ich muss dabei die ganze Zeit Schmunzeln. 

Außerdem habe ich einmal klammheimlich mit „Road to Forgiveness 2“ angefangen, was der theoretische zweite Teil von Road to Hallelujah wäre und über Nathan, den Bruder von Sarah handeln würde. Da ich aber noch nicht sicher weiß, ob ich dieses Projekt umsetzen werde, habe ich hier auch noch nicht allzu viel geschrieben.

7. Schreibst du für dich oder für die Veröffentlichung?


Wie man an der Frage gleich darüber erkennen kann, schreibe ich sicher ein wenig für meine Leser, aber vor allem für mich selbst. Bei ‚Monster Geek‘ habe ich keine Ahnung, ob es je rauskommt oder ob es überhaupt jemanden gefällt – außer mir^^. Trotzdem macht es einfach so viel Spaß an dieser Geschichte zu arbeiten, dass der Verkauf momentan gar und gar nicht im Vordergrund steht. Und ich denke, so sollte es auch sein und so haben bisher auch alle meine Geschichten angefangen. Dass ich für mich selbst, aus Spaß an der Sache und weil ich in meine Charaktere verliebt war, geschrieben habe. Erst danach ist die Frage gekommen, was ich denn nun damit nun machen soll. Und ich glaube, bzw. ich hoffe, diese Begeisterung, diese Liebe an meinen Projekten und am Schreiben, kann man auch ein wenig in den Büchern erkennen.

8. Woher nimmst du deine Motivation?


Mh, gute Frage. Ist es die Liebe am Lesen? Die Liebe daran, fremde Welten zu entdecken und neue Figuren zum Leben zu erschaffen? Alles, keines – ich weiß es nicht. Ich schreibe, weil ich schreiben muss. Nicht, weil das Schreiben an sich so super schön ist – es kann auch anstrengend und ermüdend sein. Aber immer wenn ich zweifle, erscheinen die Figuren in meinem Kopf, die Stimmen, die da raus und gehört werden wollen und treiben mich weiter an, lassen nicht locker bis ich weiter mache. Also im Prinzip schreibe ich für meine Charaktere, denn würde ich es nicht tun, würden sie mich sicherlich verrückt machen. ^^ Daher ist die beste Motivation die Stimmen in meinem Kopf – klingt schräg, ist aber so. :D

9. Wer ist für dich da, wenn beim Schreiben mal wieder alles den Bach runtergeht?


Also zuerst fangen mich einige liebe Autorenkolleginnen wieder auf, wenn ich an allem verzage und gerade gar Nichts klappen möchte. An erster Stelle ist hier Tanja Voosen, die sich schon oft mein Gejammer anhören musste – danke an dieser Stelle. Oder auch meine Freunde im ‚richtigen‘ Leben und natürlich mein Mann. Es hilft auch, Zeit mit meinen kleinen Neffen zu verbringen, weil sie wieder den Blick auf’s Wesentliche rücken.

10. Hast du schon mal an einem Schreibmarathon wie dem National Novel Writing Month teilgenommen? Wenn ja, hast du durchgehalten? Hast du Tipps für andere Schreiberlinge?


Ich habe zweimal mitgemacht und den NaNoWriMo gewonnen und voriges Jahr habe ich es auch versucht, aber dann nicht geschafft. Was ich aber nicht so schlimm finde, da ich früher unterm Jahr weniger geschrieben habe und dann meist nur im Herbst rund um den November. Aber seit vorigen Jahr schreibe ich regelmäßig, aber dafür halt in einem Monat selbst weniger… und daher lasse ich mich auch vom NaNo nicht mehr hetzen. ;)

Da gibt es eigentlich nicht viele Tipps! ^^ Beim NaNo zählt einfach Quantität und das bedeutet schreiben, schreiben, schreiben bis die Tasten qualmen. Aber ich für mich, habe herausgefunden, dass es mir besser liegt, weniger auf einmal aber dafür stetig zu schreiben.

11. Was ist dein liebster Schreibtipp?


Lesen, lesen, lesen und genauso viel schreiben. Nicht mit einem Ziel vor Augen, sondern einfach locker drauf los schreiben und sehen, was daraus wird. Außerdem braucht man viel Geduld und man muss sich eine harte Schale zulegen, um nicht unterzugehen oder aufzugeben. Aber wenn man an sich selbst und an seinen Träume glaubt, bin ich überzeugt, dass alles in Erfüllung gehen kann. Man muss nur hart dafür arbeiten. Dazu habe ich auch ein passendes Zitat, das mich die ganze Zeit über immer begleitet und geholfen hat:

“Before you quit because the road seems too long, turn around and look how far you’ve come.“

Und dort findet ihr Martina:


Homepage: https://martinariemer.wordpress.com/
Twitter: https://twitter.com/MartinaRiemer
Facebook: https://www.facebook.com/pages/Martina-Riemer-Autorin/397946120337301
Goodreads: https://www.goodreads.com/author/show/7752383.Martina_Riemer
Wattpad: http://www.wattpad.com/user/MartinaRiemer


Vielen lieben Dank an Martina für die tollen Antworten! Ich denke, auch dieses Mal konnten wir uns wieder super inspirieren lassen!

Ihr habt noch Fragen an Martina? Oder Fragen zum Schreiben generell? Scheut euch nicht, sie in den Kommentaren zu stellen! ;)

Alles Liebe,
eure Kim.