Gelesen | Open Road Summer - Emery Lord

Drei sind einer zu viel, oder?


Eine süße Geschichte für den Start in den Sommer!


Reagan hat einen gebrochenen Arm und ein Leben, das sie nicht mehr will. Als ihre beste Freundin Dee in diesem Sommer mit ihrem neuen Album auf Tour geht, beschließt Reagan also, sie zu begleiten.
Es dauert nicht lange und die Presse erfährt etwas von Dee, was diese lieber geheim gehalten hätte. Um von den Negativ-Schlagzeilen abzulenken, wird Matt Finch als Opening Act und Love Interest für Dee angeheuert. Die Presse beißt an, während Reagan eher genervt davon ist, dass ihre Keine-Jungs-Zone von einem gut aussehenden, sympathischen Kerl durchschnitten wird, der dann auch noch beginnt, sich für sie zu interessieren.
Aber drei sind einer zu viel, oder?

Dieses Buch! Ich habe mich soooo sehr darauf gefreut, dass ich es endlich lesen kann. Ein Roadtrip, eine starke Freundschaft und die große Liebe – so etwas muss doch in einem Meisterwerk enden. Tja, falsch gedacht. Ein Meisterwerk ist es meiner Meinung nach nicht, aber es ist auch nicht für die Tonne. Dafür ist es dann doch zu gut.

Emery Lords Schreibstil ist schön zu lesen, sie schreibt mit sommerlicher Leichtigkeit und vielen tollen Stellen, die ich mir markiert habe, weil ich sie so sehr geliebt habe. Allein dafür werde ich ihre weiteren Bücher sicher lesen.

Die Charaktere waren größtenteils ebenso wundervoll. Reagan, die Protagonistin, ist der Bad Boy in weiblicher Person und natürlich ein bisschen abgeschwächter, aber dadurch umso realistischer. Sie hat eine harte Vergangenheit, die geprägt von Verlassenwerden und falschen Entscheidungen ist. Kein Wunder also, dass sie genug hat und ihre Koffer packt, um mit der einzigen Konstante in ihrem Leben durch Amerika zu reisen.

Dee oder auch Lilah Montgomery (wie sie für ihre Fans heißt) ist das komplette Gegenteil. Sie ist eine Südstaatenschönheit, die in ihrem Leben fast alles richtig gemacht hat und nun mit ihrer Musik so berühmt geworden ist, dass die Presse in ihrer Vergangenheit gräbt. Dee ist im wahrsten Sinne des Wortes das Sternchen des Buches. Sie ist mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich ihre Geschichte beinahe interessanter fand als Reagans. Für sie habe ich mir so sehr ein Happy End gewünscht, dass ich am Ende leicht enttäuscht war, als es nicht so gekommen ist, wie ich das erwartet habe.

Opening Act, Love Interest und bester Freund Matt Finch ist eine tolle Abwechslung in der Landschaft der Bookish Boyfriends. Auch er hat in der Vergangenheit einiges durchmachen müssen, aber – oh, Wunder! – er ist trotzdem herzlich und süß und hach… Ihr wisst schon. Er ist kein Bad Boy. Er ist einfach nur Boy und das hat mir besonders gut gefallen.

Die Idee, mit dem Tourbus einen Roadtrip zu machen, fand ich klasse. Allerdings hat mir das typische Roadtrip-Feeling gefehlt. Dazu hat sich Open Road Summer zu sehr auf das konzentriert, was sich im Tourbus abspielt, so dass man vom Leben außerhalb eigentlich so gut wie gar nichts mitbekommen hat.

Der Plot konnte mich nicht komplett überzeugen. Ab einem gewissen Punkt hatte ich eine bestimmte Erwartungshaltung, die für mich ein perfektes Buch ausgemacht hätte. Emery Lord bleibt weit dahinter zurück, in dem sie ihre Charaktere manchmal so handeln lässt, wie man es nicht von ihnen erwartet hätte, und in dem sie relativ spät einen Charakter einführt, der sich wie eine Notbremsung anfühlt.

Ich schimpfe auf hohem Niveau – dennoch hat die Geschichte von diesem Moment an für mich an Qualität abgenommen. Der große Knall, den ich erwartet habe, blieb aus, stattdessen versickerte die Geschichte in Missverständnissen und persönlichen Problemen, die nicht ganz nachzuvollziehen waren, und endete mit einem schwammigen Gespräch, das wohl der Realität entsprechen sollte.

Das tut es auch. Aber sind wir doch mal ehrlich: wenn wir Bücher lesen, wollen wir mehr. Wir wollen, dass unsere Helden unglaublich tief fallen und sich noch einmal aufraffen, um es wieder zu versuchen. Wir wollen Leidenschaft und tiefe Gefühle. Wir wollen nicht das Leben, das sich vor unserer Haustür abspielt, sondern eine Geschichte, die uns leiden, weinen und lachen lässt, so dass wir am Ende vor Erleichterung seufzen können.
Open Road Summer ist aus oben genannten Gründen kein Meisterwerk für mich, aber trotzdem eins der Bücher, die ich diesen Sommer in Erinnerung behalten werde, weil es schön war. Ich hoffe, dass Emery Lords nächstes Buch dieses Buch toppen kann.


Infos zum Buch

Titel: Open Road Summer
Autor: Emery Lord
Verlag: Bloomsbury
Erschienen: 2014
Seiten: 342 Seiten
ISBN: 9780802738011

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