Gedacht | Cyborg, erste Chemo und jede Menge "Dankes"

Hallo ihr Lieben!

Endlich geht es mir wieder gut genug, um mich für längere Zeit auf Dinge zu konzentrieren, die mir Spaß machen. Weil ihr so viel Anteilnahme gezeigt habt, dachte ich mir, dass es euch sicher interessiert, wie es mit mir weitergeht. Also werde ich in regelmäßigen Abständen ein Update posten, um euch einfach ein bisschen auf dem Laufenden zu halten.

Wer den letzten Artikel noch nicht gelesen hat, sollte das kurz nachholen, um zu verstehen, was hier überhaupt gerade los ist und wieso ich so wenig poste und wieso das wiederum dann auch noch so wenig mit Büchern zutun hat.

Zunächst einmal...


Von euren Antworten auf den Artikel bin ich wahnsinnig gerührt gewesen: ihr habt mir damit so viel Stärke und Zuversicht geschickt, dass ich immer mal wieder einfach nur eure Kommentare durchgelesen habe, um mich gut zu fühlen. Meine Antworten stehen noch aus, aber darum kümmere ich mich auch bald, denn die habt ihr auf jeden Fall verdient. <3

Auch den ganzen Menschen, die mir so viele schöne Sachen geschickt und gebastelt haben, möchte ich auf diesem Wege auch noch einmal von ganzem Herzen danken. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich über jede Postkarte, über jedes Paket, über jede noch so kleine Kleinigkeit gefreut habe, die mir gezeigt hat, dass ihr bei mir seid und an mich denkt. Meine Fensterbank im Wohnzimmer quillt allmählich ein bisschen über, aber es ist einfach sooo schön, jeden Morgen dorthin zu gehen und mir die ganzen Sachen anzuschauen, die dort stehen und einfach eine Weile dort zu stehen und zu wissen, dass ich nicht allein bin. Danke! Tausend Mal danke! <3

Und das ist seit dem letzten Update so passiert...


Ich wurde noch ein zweites Mal operiert, um den Port zu legen, durch den die Chemotherapie in den Körper läuft. Hört sich gruselig an, ist aber eigentlich ganz witzig. Schätze, ich bin jetzt eine Art Cyborg (zumindest, wenn man die Definition ganz weit greift), weil ich rund um die Uhr mit dem Ding unter meiner Haut herumlaufe. Die OP hat dieses Mal auch super geklappt, deshalb konnte ich nachmittags gleich wieder nach Hause und durfte mich auf einige weitere Termine in der Woche freuen.

Am 17.11. habe ich dann meine erste Chemotherapie bekommen. Vorher war ich komischerweise gar nicht so aufgeregt, sondern habe mich sogar darüber gefreut, dass es endlich losgeht. Die Chemo an sich war auch ziemlich langweilig. Die ganze Flüssigkeit läuft dann über den Port direkt ins Blutsystem und sorgt einfach nur dafür, dass man ständig aufs Klo rennen muss. Andere Nebenwirkungen, die in Büchern oder Filmen ja manchmal so krass dargestellt werden, blieben bei mir und den anderen Frauen in meinem Raum glücklicherweise aus (ich glaube, das ist auch von Chemo zu Chemo unterschiedlich), was wahrscheinlich an den ganzen Begleitmedikamenten lag, die man vor der eigentlichen Therapie schon einnehmen muss bzw. über eine Infusion bekommt. Leider war ich durch das eine Medikament so müde, dass ich mich nicht einmal aufs Lesen konzentrieren konnte, sondern die meiste Zeit einfach nur in meinem Sessel gedöst habe. Sieben oder acht Stunden später war dann endlich alles durchgelaufen, ich wurde abgestöpselt und durfte nach Hause fahren.

Für die nächsten zwei Tage habe ich noch Medikamente gegen Übelkeit mitbekommen, so dass ich einfach nur irre viel geschlafen habe, aber in der Nacht vom dritten auf den vierten Tag ging es dann bei mir mit den Nebenwirkungen los. Ungefähr eine Woche lang ging es mir dann hundselend und als es endlich besser wurde, waren meine Leukozyten offenbar so sehr im Keller, dass ich mir auch noch irgendetwas eingefangen habe, denn nach der Übelkeit folgten furchtbare Halsschmerzen und Fieber.

Heute ist Tag 12 nach der ersten Chemo und ich fühle mich endlich wieder wie ein Mensch. Mein Hals tut zwar immer noch etwas weh und meine Mundschleimhaut ist auch noch etwas angegriffen, was das Essen immer noch erschwert, aber ich habe wieder Farbe im Gesicht und kann mich längere Zeit am Stück bewegen, ohne einen Kreislaufzusammenbruch zu erleiden. Jippie!

Jetzt habe ich noch bis zum 08.12. Zeit, um mich von der ersten Runde zu erholen. Im Moment warte ich darauf, dass mir die Haare ausgehen, aber bis vor ein paar Tagen haben die so fest gesessen, dass nicht einmal so viele wie sonst beim Kämmen rausgefallen sind. Das war schon irgendwie sonderbar, aber Hoffnungen machen will ich mir nicht. Laut Ärzten ist die Wahrscheinlichkeit nämlich quasi nicht da, dass meine Haare bleiben. Aber ist ja halb so wild - wächst schließlich wieder und immerhin muss ich mich dann in meiner Chemozeit nicht auch noch ums Enthaaren und Frisieren kümmern. Man muss ja auch mal das Licht im Dunkeln sehen. ;P

Oh, apropos Licht! Im letzten Artikel habe ich ja schon angesprochen, dass ich eine leichte Panik vor der Gewichtsveränderung nach oben hin hatte. Ich glaube, ich gehöre tatsächlich zu den wenigen "glücklichen" Personen, die während ihrer Brustkrebs-Chemo Gewicht verlieren werden. Immerhin muss ich mir so nicht auch noch den Kopf zerbrechen, wie ich den ganzen Speck wieder los werde, wenn der Alptraum vorbei ist.

So gehts weiter...


Wenn alles gut läuft, werdet ihr in der Zeit bis zum Achten ab heute täglich von mir lesen, auch wenn ich leider sagen muss, dass Love, Kiss, Cliff noch eine Weile stagnieren muss. Ich hoffe, das könnt ihr mir verzeihen und freut euch auch über andere Artikel.

Ich wünsche euch einen wundervollen ersten Advent, einen schönen Start in die Woche und für alle WriMos unter euch: ein aufregendes Kopf-an-Kopf-Rennen in die Ziellinie!

Alles Liebe,
eure Kim.