Geschrieben | 6 Schreibprogramme, die mehr für Autoren bieten als Word und Co



Es ist dunkel draußen. Die Sonne ist längst untergangen, die Familie schon im Bett verschwunden. Du sitzt am PC und tippst wie ein Verrückter auf die Tastatur ein. Nur noch einen Satz. Ah, endlich fertig. Noch schnell speichern und dann ab ins – Oh nein! Abgestürzt… 

Kommt euch das bekannt vor? Dieses Gefühl, nachdem man stundenlang in Word oder Open Office geschrieben hat, nur damit der PC abstürzt und das Geschriebene auf ewig verloren ist? Dann seid ihr hier genau richtig, denn mit den 6 Programmen für Autoren, die ich euch in den kommenden Monaten genauer vorstellen möchte, wird euch das bestimmt nicht mehr passieren.

Warum MS Word, OpenOffice oder andere Programme für Autoren ungeeignet sind


Mal ehrlich: wie zufrieden seid ihr eigentlich mit eurem Textverarbeitungsprogramm? Kommt ihr gut damit zurecht, in einem 300-Seiten-Dokument hin und her zu scrollen, um zu einer bestimmten Szene zu gelangen? Wie legt ihr eure Notizen an? In irgendwelchen neuen Dokumenten, die auf Nimmerwiedersehen im Durcheinander eurer Ordnerstruktur verschwinden? Wo sammelt ihr Bilder, Artikel und Videos, die euch inspirieren? Seid ihr ein Outliner? Wenn ja, wo schreibt ihr eure Outline? Wo sammelt ihr Charakterbögen und Kartenmaterial?



Dieser Artikel ist mein erster fürs Schreibmeer Online-Magazin und ich würde mich wahnsinnig über liebe Worte von euch freuen. Schaut doch mal vorbei und lasst ein Abo da, wenn ihr auch in Zukunft immer auf dem Laufenden bleiben wollt. ;)

Alles Liebe,
eure Kim.

Bild von www.pexels.com

Gastbeitrag | "Warum Autoren bloggen" von Tasmin



[Gastbeitrag] "Warum Autoren bloggen" von Tasmin


[Kim und ich, Tasmin, haben heute einmal getauscht. Ich schreibe heute auf ihren Blog, während sie auf meinem Blog Tasmetu einen Beitrag veröffentlicht. :) ]

Vor allem im Bereich der Bücherblogger findet man sie häufig: Autoren. Oder zumindest Schreiberlinge, die in den meisten Fällen auch eines Tages einmal ein Buch veröffentlichen möchten.

Oft ist auf den Blogs selbst gar nicht ersichtlich, dass hinter den Kulissen nicht nur Blogposts, sondern ganze Bücher getippt werden. 

Aber warum bloggen Autoren so oft? Oder anders gefragt: Warum sind Blogger so oft auch angehende Autoren?

An diesem Punkt kann ich natürlich nur für mich selbst sprechen, denn auch ich träume von dem Tag, an dem ich mein erstes veröffentlichtest Buch in Händen halte und arbeite auch bereits daran. Einen Großteil meiner freien Zeit verbringe ich nicht etwa mit bloggen, obwohl das natürlich auch viel Zeit und Liebe erfordert, sondern mit dem Schreiben von Geschichten. 

Wenn ich mich zwischen bloggen und schreiben entscheiden müsste, würde ich immer das Schreiben nehmen.

Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, hatte es für mich keinerlei Verbindung zu meinen Buchprojekten – der Blog war ein Kreativ Projekt, eine Spielerei und kurz darauf auch eine Plattform für die Rezensionen meiner gelesenen Bücher. 

Heute ist das alles etwas anders. Mein Blog ist nicht nur größer und „erwachsener“ geworden, sondern er konzentriert sich immer mehr auch auf das Geschreibsel von mir. Meine Buchprojekte werden zwar immer noch kaum erwähnt oder besprochen, doch es häufen sich immer mehr Kolumnen, Gedankenfetzen und ähnliches. 

Mein Blog und mein Schreiben wachsen immer mehr zusammen. Aber warum?

Mittlerweile ist mein Blog etwas Langfristiges geworden, genau wie mein Schreiben. Und auf einem Blog schreibt man auch. Seien es nun Buchrezensionen, Monatsrückblicke oder Gedanken zu Bücherthemen, aber auch zu ganz anderen Sachen. Und sie alle wollen mit Worten ausgemalt werden. 

Diese Texte sind zwar nicht so anspruchsvoll wie eine richtige Geschichte, aber sie bieten einen entscheidenden Vorteil: Sie können sofort und ohne Umwege veröffentlicht werden. Und man bekommt schnell Feedback. 

Als ich angefangen habe, Kolumnen, Gedankenschnipsel und ähnliches auf meinem Blog zu posten war ich unglaublich aufgeregt. Und als dann größtenteils positives Feedback kam, hatte ich plötzlich einen kreativen Schub. Meine Zweifel, ich könnte nicht gut genug sein um ein Buch zu schreiben, waren verflogen. Wenn ich 4 Blogposts die Woche schreiben kann, kann ich auch ein Buch schreiben. Wenn die Leute den Schreibstil meiner Kolumnen mögen, kann der im Buch nicht so viel schlechter sein. Ich stürzte mich mit einer Motivation in mein Projekt, die ich vorher nicht kannte. Mein Blog hatte mir das gegeben, was mir noch gefehlt hatte: Selbstvertrauen.

Natürlich sind die Texte auf meinem Blog und die in meiner Geschichte vollkommen unterschiedlich. Und ich betrachte beide immer noch als getrennt. Aber irgendwie hängen sie doch zusammen.

Doch das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. 

Für Chris, von Skys Buchrezensionen, hängt sein Blog überhaupt nicht mit seinen Buchprojekten zusammen. „Im Bloggen geht es ja gar nicht so sehr um das Schreiben selbst, sondern um den Inhalt, während beim Schreiben eben der Stil die Emotion der Geschichte bestimmt.“

Damit hat er natürlich Recht und doch... für mich verwebt es sich mit jedem geposteten Nicht-Rezensions-Text mehr. 

In einer Sache sind Chris und ich uns allerdings einig: Wer schreiben will, muss erst einmal lesen.

Andere Geschichten inspirieren uns und erweitern unseren Horizont. Und sie bringen uns viel bei. Chris sagt dazu: „Wer die Systematik von Sprache nicht versteht (und das geht nur durch Lesen) kann sie auch nicht beherrschen.“ 

Vielleicht ist das der Grund, warum es vor allem die Bücherblogger sind, die nicht nur viele Bücher lesen, sondern auch selbst welche schreiben.

Während ich am Anfang meines Bloggerdaseins jegliche Verbindung zu meinen Schreibprojekten abgestritten hätte, bin ich heute der Meinung, dass mein Blog nie entstanden wäre, wenn ich keinen Hang zum Schreiben hätte. Wenn ich es nicht lieben würde, wie Wörter und Sätze aus meinem Kopf Gestalt annehmen, könnte ich nie die Leidenschaft für einen Blog aufbringen. 

Doch im Endeffekt spielt es keine Rolle, ob man nun bloggt weil man schreibt, schreibt weil man bloggt oder nur eins von beidem macht: Hauptsache man hat Spaß dabei. Hauptsache, man setzt seiner Kreativität keine Grenzen.

Kims Beitrag „5 gute Gründe dafür, einen Blogroman zu schreiben“ findet ihr heute auf meinem Blog. 


Liebe Grüße
Tasmin / Tasmetu

Gelesen | Heart. Beat. Love. - James Patterson & Emily Raymond

Heart. Beat. Love. 


Vor manchen Dingen kann man nicht davonlaufen...


Axi Moore hat den perfekten Plan, um ihrem Leben (tote Schwester, entlaufene Mutter und alkoholkranker Vater) zu entkommen: sie will einen Roadtrip quer durch die USA machen und ihr bester Freund und heimliches Love Interest Robinson soll sie begleiten. Zusammen reisen sie in gestohlenen Autos quer durchs Land, schlafen unterm Sternenhimmel und erleben das Abenteuer ihres Lebens. Eines Tages wird ihnen aber klar, dass sie zwar vor ihrer Heimatstadt davon laufen können, das Schicksal sie aber trotzdem einholen kann. Und plötzlich hat der Roadtrip eine ganz andere Bedeutung gewonnen…

Bei Büchern wie diesen fällt es mir schwer, eine Rezension zu schreiben, in der ich euch meine Begeisterung mitteilen kann, ohne euch zu spoilern. Ich werde es natürlich trotzdem versuchen, immerhin will ich, dass ihr dieses Buch alle genauso sehr liebt wie ich.

Die Idee, die hinter First Love steckt, ist ziemlich simpel. Axi und Robinson entfliehen ihrem Leben, gehen auf Entdeckungsreise und entdecken dabei vor allem, dass sie ohne einander nicht wirklich leben können. In diesem Buch kommt ein Roadtrip-Feeling auf, das ich in vielen Roadtrip-Büchern eher vermisst habe. Sie besuchen Orte in den USA, die mich so neugierig gemacht haben, dass ich gleich im Internet nachsehen musste.

Die großen Sanddünen in Colorado, das Villenviertel der Stars und Sternchen in LA, das NASCAR-Zentrum in Michigan – so viele tolle Sehenswürdigkeiten, die perfekt zu den Charakteren gepasst haben. Jeder dieser Orte hatte eine größere Bedeutung, überall haben sie mehr über sich selbst und das Leben gelernt.

Auch die Charaktere konnten mich auf voller Länge überzeugen. Axi ist eine süße Protagonistin, die sich über alles einen Kopf macht und von Robinson liebevoll GG (=Good Girl) genannt wird. Sie entwickelt sich in diesem Buch ein großes Stück weiter und akzeptiert, dass man auch mal Dinge riskieren muss, wenn man wirklich leben will.

Mein Herz schlägt allerdings für Robinson. Er ist ein Traum-Bookish-Boyfriend, wenn da nur nicht dieser klitzekleine Haken wäre (den ich euch natürlich nicht verrate). Mit seiner Leichtigkeit und humorvollen Art kann er jede Situation meistern und begeistert jeden Menschen für sich. Er ist quasi der Inbegriff des Lebens und leitet Axi und den Leser dazu an, ein bisschen mehr Risiko ins Leben zu lassen. Erst später erfährt man, wieso er so tickt, und das ist dann der Moment, an dem alles ein bisschen… intensiver wird (besser umschreiben kann ich nicht ohne euch zu spoilern).

Die Handlung wäre ziemlich überraschend gewesen, wenn ich nicht schon vorher gespoilert worden wäre. Dann hätte ich nämlich nie im Leben damit gerechnet, dass aus einem lustigen Roadtrip-Buch plötzlich ein Buch über den Ernst des Lebens wird und aus einer jugendlichen Liebe plötzlich eine Liebe, die mir lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird.

Spoiler hin oder her, ich habe das Buch trotzdem genossen. Ich habe jede einzelne Seite geliebt und wünschte mir, es wäre nicht so schnell wieder vorbei gewesen. Ein bisschen traurig bin ich darüber, dass ich die englische Version gekauft habe. Die deutsche sieht nämlich sehr viel schöner aus und hat soweit ich weiß einige Bilder mehr in petto. Wenn ihr das Buch also noch nicht gekauft habt und es jetzt unbedingt tun möchtet, kann ich euch die deutsche Version nur empfehlen. Das bisschen mehr Geld ist sie auf jeden Fall wert.
In diesem Jahr ist First Love das bisher beste Roadtrip-Buch, das ich gelesen habe. Für jemanden, der tiefe Gefühle und hervorragend ausgearbeitete Charaktere gerne mag, ist First Love ein perfektes Sommerbuch. Taschentücher und Smartphone zum Recherchieren bereithalten!


Habt ihr das Buch schon gelesen? Wie hat es euch gefallen?

Alles Liebe,
eure Kim.



Infos zum Buch

Titel: First Love
Autor: James Patterson & Emily Raymond
Verlag: Arrow Books
Erschienen: 2014
Seiten: 288 Seiten
ISBN: 9780099591320

Jugendbücher Bingo: Ein Buch, das dich weinen lässt
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Gelesen | Open Road Summer - Emery Lord

Drei sind einer zu viel, oder?


Eine süße Geschichte für den Start in den Sommer!


Reagan hat einen gebrochenen Arm und ein Leben, das sie nicht mehr will. Als ihre beste Freundin Dee in diesem Sommer mit ihrem neuen Album auf Tour geht, beschließt Reagan also, sie zu begleiten.
Es dauert nicht lange und die Presse erfährt etwas von Dee, was diese lieber geheim gehalten hätte. Um von den Negativ-Schlagzeilen abzulenken, wird Matt Finch als Opening Act und Love Interest für Dee angeheuert. Die Presse beißt an, während Reagan eher genervt davon ist, dass ihre Keine-Jungs-Zone von einem gut aussehenden, sympathischen Kerl durchschnitten wird, der dann auch noch beginnt, sich für sie zu interessieren.
Aber drei sind einer zu viel, oder?

Dieses Buch! Ich habe mich soooo sehr darauf gefreut, dass ich es endlich lesen kann. Ein Roadtrip, eine starke Freundschaft und die große Liebe – so etwas muss doch in einem Meisterwerk enden. Tja, falsch gedacht. Ein Meisterwerk ist es meiner Meinung nach nicht, aber es ist auch nicht für die Tonne. Dafür ist es dann doch zu gut.

Emery Lords Schreibstil ist schön zu lesen, sie schreibt mit sommerlicher Leichtigkeit und vielen tollen Stellen, die ich mir markiert habe, weil ich sie so sehr geliebt habe. Allein dafür werde ich ihre weiteren Bücher sicher lesen.

Die Charaktere waren größtenteils ebenso wundervoll. Reagan, die Protagonistin, ist der Bad Boy in weiblicher Person und natürlich ein bisschen abgeschwächter, aber dadurch umso realistischer. Sie hat eine harte Vergangenheit, die geprägt von Verlassenwerden und falschen Entscheidungen ist. Kein Wunder also, dass sie genug hat und ihre Koffer packt, um mit der einzigen Konstante in ihrem Leben durch Amerika zu reisen.

Dee oder auch Lilah Montgomery (wie sie für ihre Fans heißt) ist das komplette Gegenteil. Sie ist eine Südstaatenschönheit, die in ihrem Leben fast alles richtig gemacht hat und nun mit ihrer Musik so berühmt geworden ist, dass die Presse in ihrer Vergangenheit gräbt. Dee ist im wahrsten Sinne des Wortes das Sternchen des Buches. Sie ist mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich ihre Geschichte beinahe interessanter fand als Reagans. Für sie habe ich mir so sehr ein Happy End gewünscht, dass ich am Ende leicht enttäuscht war, als es nicht so gekommen ist, wie ich das erwartet habe.

Opening Act, Love Interest und bester Freund Matt Finch ist eine tolle Abwechslung in der Landschaft der Bookish Boyfriends. Auch er hat in der Vergangenheit einiges durchmachen müssen, aber – oh, Wunder! – er ist trotzdem herzlich und süß und hach… Ihr wisst schon. Er ist kein Bad Boy. Er ist einfach nur Boy und das hat mir besonders gut gefallen.

Die Idee, mit dem Tourbus einen Roadtrip zu machen, fand ich klasse. Allerdings hat mir das typische Roadtrip-Feeling gefehlt. Dazu hat sich Open Road Summer zu sehr auf das konzentriert, was sich im Tourbus abspielt, so dass man vom Leben außerhalb eigentlich so gut wie gar nichts mitbekommen hat.

Der Plot konnte mich nicht komplett überzeugen. Ab einem gewissen Punkt hatte ich eine bestimmte Erwartungshaltung, die für mich ein perfektes Buch ausgemacht hätte. Emery Lord bleibt weit dahinter zurück, in dem sie ihre Charaktere manchmal so handeln lässt, wie man es nicht von ihnen erwartet hätte, und in dem sie relativ spät einen Charakter einführt, der sich wie eine Notbremsung anfühlt.

Ich schimpfe auf hohem Niveau – dennoch hat die Geschichte von diesem Moment an für mich an Qualität abgenommen. Der große Knall, den ich erwartet habe, blieb aus, stattdessen versickerte die Geschichte in Missverständnissen und persönlichen Problemen, die nicht ganz nachzuvollziehen waren, und endete mit einem schwammigen Gespräch, das wohl der Realität entsprechen sollte.

Das tut es auch. Aber sind wir doch mal ehrlich: wenn wir Bücher lesen, wollen wir mehr. Wir wollen, dass unsere Helden unglaublich tief fallen und sich noch einmal aufraffen, um es wieder zu versuchen. Wir wollen Leidenschaft und tiefe Gefühle. Wir wollen nicht das Leben, das sich vor unserer Haustür abspielt, sondern eine Geschichte, die uns leiden, weinen und lachen lässt, so dass wir am Ende vor Erleichterung seufzen können.
Open Road Summer ist aus oben genannten Gründen kein Meisterwerk für mich, aber trotzdem eins der Bücher, die ich diesen Sommer in Erinnerung behalten werde, weil es schön war. Ich hoffe, dass Emery Lords nächstes Buch dieses Buch toppen kann.


Infos zum Buch

Titel: Open Road Summer
Autor: Emery Lord
Verlag: Bloomsbury
Erschienen: 2014
Seiten: 342 Seiten
ISBN: 9780802738011

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Nachgefragt | Martina Riemer übers Schreiben


Hallo ihr Lieben!

Heute habe ich mal wieder ein Interview für euch: dieses Mal mit Martina Riemer, die manchen von euch bestimmt auch Martina Bookaholic von ihrem gleichnamigen Blog bekannt ist. Sie hat am Donnerstag ihren neuen Roman "Road to Hallelujah" herausgebracht, den ich diesen Monat noch lesen werde, weil er perfekt zum Monatsthema unserer Amazing Summer Reads passt.

Habt ihr auch schon die Rezension zu Glasgow Rain gesehen, die ich gestern gepostet habe?


1. Wie sieht dein Schreiballtag aus? Wie viel Zeit investierst du täglich in deine Schreibarbeit?


Gute Frage – ich habe dabei eigentlich keine festen Regeln, ich nutze einfach die Zeit, die übrig ist, um zu schreiben, die restliche geht eben für anderes drauf. Wie arbeiten, Haushalt führen und sonstiges. :)
Bei mir sieht es so aus, dass ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme, dann etwas esse, während ich nebenbei lese. Danach kommt oft ein wenig Sport beim Fernsehen und erst danach, also am Abend, setzte ich mich an den Laptop, um zu schreiben. Am liebsten zum Schreibtisch im Schlafzimmer, da es dort am bequemsten ist, wenn man längere Zeit schreibt. An den Wochenenden, die ich in Wien bleibe und nicht nach Hause zu meiner Familie fahre, ist es genau anders herum. Dann wird zuerst am Vormittag geschrieben und Mittag oder der Abend für Freunde und meinen Mann reserviert, bzw. fordert er dann diese Zeit ein, was verständlich ist ;)
Seit einigen wenigen Monaten habe ich es mir angewöhnt, dass ich zumindest jeden Tag einen Satz an einem aktuellen Projekt schreibe. So geht es zwar nur klitzeklein weiter, wenn einmal nicht mehr geht, aber ich bekomme dann auch kein schlechtes Gewissen.

2. Was brauchst du zum Schreiben? Notizbücher, Musik, …?


Ist eher unterschiedlich. Oft schreibe ich mit Musik im Hintergrund, aber nur leise, damit sie mich nicht zu sehr ablenkt. Ansonsten habe ich nebenbei immer meine Worddatei offen mit dem Grundplot, um nicht ganz vom rote Faden abzudriften, bzw. habe ich immer das Charakter-Sheet nebenbei offen, in dem die Hauptcharaktere, Lieblingswaffen, Zeitangaben oder eben auch Bilder zu finden sind.

3. Bist du ein Planer oder einer Entdecker?


Früher war ich ein Entdecker. Bei Glasgow Rain habe ich einfach so drauflos geschrieben ohne richtigen Plan. Alles, was ich wusste, war der Anfang und das Ende, der Rest ist mir während des Schreibens eingefallen. Aber jetzt arbeite ich schon mit einem ungefähren Plotplan, an dem ich mich versuche zu halten, auch wenn hier und dort was dazu kommt oder verändert wird. Für den roten Faden und dass man den Überblick nicht verliert, ist eine kleine Planung schon ganz gut. Auch wenn ich sie nicht immer aufschreibe. Meist ist der Handlungsverlauf eh schon derart in meinem Kopf verankert, dass ich es gar nicht mehr aufschreiben muss, sondern einfach nur in der Geschichte niederschreiben. Mh, ich merke gerade, ich sollte vielleicht wieder etwas genauer beim Aufschreiben des Plots sein, und nicht nur das meiste abgespeichert in meinem Kopf belassen. ^^

4. Wie entwickelst du deine Geschichten? Womit beginnst du?


Ich fange vorne an und schreibe dann bis zum Ende! :p Nein, ernsthaft. Ich entwickle meine Geschichten nicht, sie sind einfach da. Meist durch Musik, wenn ich etwas Bestimmtes höre, oder wenn ich durch die Stadt gehe… dann habe ich plötzlich einen Charakter im Kopf, der etwas erlebt und noch bevor ich Zeit habe, wirklich darüber nachzudenken, spinnt sich in meinem Kopf daraus ein Anfang, ein Ende. Der Mittelteil ist für mich meistens am schwierigsten, über den denke ich immer am längsten nach. Und dann schreibe ich einfach vom Anfang weg, nachdem ich etwas Zeit in der Charaktererstellung oder Weltenplanung investiert habe.

5. Recherchierst du vor dem Schreiben, währenddessen oder erst bei der Korrektur?


Ich recherchiere meist direkt während dem Schreiben. Wenn ich zb. einen Gott mit einer gewissen Fähigkeit gerade gebraucht habe, bin ich schnell auf Wikipedia gegangen, habe mir dort meine Informationen zusammengesucht, sie so verändert wie sie gebraucht habe und dann weiter geschrieben. Und so mache ich es auch bei den aktuellen Projekten. Sicher lese ich auch schon vorher manchmal ein paar Fakten von denen, bei denen ich weiß, dass ich sie noch brauchen werde und schreibe sie mir dann kurz auf für später. Aber meistens recherchiere ich währenddessen, weil mir das sympathischer ist und auch gleich den Schreibprozess etwas anfeuert.

6. An wie vielen Projekten arbeitest du momentan? Wird etwas davon in näherer Zukunft erscheinen?


Ja, das ist noch so einiges geplant! ^^ Aber in naher Zukunft, kommt nach Juni, dem Sommerbuch „Road to Hallelujah“, dann im November der zweite/ letzte Teil von „Essenz der Götter 2“ raus, den ich zum Glück schon beendet habe und gerade mit einigen Testlesern richtig schön in die Mangel nehme und bearbeite.

Nebenbei habe ich noch einige anderen Ideen/ Geschichten im Kopf, an denen ich schon arbeite oder für die Zukunft vorgemerkt habe. Manchmal fürchte ich sogar, dass mir die Zeit fehlt, sie auch alle niederzuschreiben, aber zum Glück habe ich bei den interessanteren Ideen schon ein paar Skizzen aufgeschrieben, damit ich nichts vergesse, bzw. einen groben Plotplan ausgearbeitet. Wenn ihr neugierig seid, sind auf meiner Projektseite ein paar Ideen aufgeführt: 

Von diesen Projekten arbeite ich gerade vermehrt an „Monster Geek“. Das ist eine Idee, die ich schon seit einem halben Jahr mit mir herum schleppe und jetzt endlich die Zeit gefunden habe, daran zu arbeiten, und die mir nicht aus dem Kopf gehen mag, obwohl ich theoretisch gar keine Zeit dafür habe. Aber ja, egal. ^^ Obwohl ich nicht weiß, ob dieses Geschichte je rauskommen wird, arbeite ich gerne an ihr, denn sie mach mir nämlich richtig viel Spaß und ich muss dabei die ganze Zeit Schmunzeln. 

Außerdem habe ich einmal klammheimlich mit „Road to Forgiveness 2“ angefangen, was der theoretische zweite Teil von Road to Hallelujah wäre und über Nathan, den Bruder von Sarah handeln würde. Da ich aber noch nicht sicher weiß, ob ich dieses Projekt umsetzen werde, habe ich hier auch noch nicht allzu viel geschrieben.

7. Schreibst du für dich oder für die Veröffentlichung?


Wie man an der Frage gleich darüber erkennen kann, schreibe ich sicher ein wenig für meine Leser, aber vor allem für mich selbst. Bei ‚Monster Geek‘ habe ich keine Ahnung, ob es je rauskommt oder ob es überhaupt jemanden gefällt – außer mir^^. Trotzdem macht es einfach so viel Spaß an dieser Geschichte zu arbeiten, dass der Verkauf momentan gar und gar nicht im Vordergrund steht. Und ich denke, so sollte es auch sein und so haben bisher auch alle meine Geschichten angefangen. Dass ich für mich selbst, aus Spaß an der Sache und weil ich in meine Charaktere verliebt war, geschrieben habe. Erst danach ist die Frage gekommen, was ich denn nun damit nun machen soll. Und ich glaube, bzw. ich hoffe, diese Begeisterung, diese Liebe an meinen Projekten und am Schreiben, kann man auch ein wenig in den Büchern erkennen.

8. Woher nimmst du deine Motivation?


Mh, gute Frage. Ist es die Liebe am Lesen? Die Liebe daran, fremde Welten zu entdecken und neue Figuren zum Leben zu erschaffen? Alles, keines – ich weiß es nicht. Ich schreibe, weil ich schreiben muss. Nicht, weil das Schreiben an sich so super schön ist – es kann auch anstrengend und ermüdend sein. Aber immer wenn ich zweifle, erscheinen die Figuren in meinem Kopf, die Stimmen, die da raus und gehört werden wollen und treiben mich weiter an, lassen nicht locker bis ich weiter mache. Also im Prinzip schreibe ich für meine Charaktere, denn würde ich es nicht tun, würden sie mich sicherlich verrückt machen. ^^ Daher ist die beste Motivation die Stimmen in meinem Kopf – klingt schräg, ist aber so. :D

9. Wer ist für dich da, wenn beim Schreiben mal wieder alles den Bach runtergeht?


Also zuerst fangen mich einige liebe Autorenkolleginnen wieder auf, wenn ich an allem verzage und gerade gar Nichts klappen möchte. An erster Stelle ist hier Tanja Voosen, die sich schon oft mein Gejammer anhören musste – danke an dieser Stelle. Oder auch meine Freunde im ‚richtigen‘ Leben und natürlich mein Mann. Es hilft auch, Zeit mit meinen kleinen Neffen zu verbringen, weil sie wieder den Blick auf’s Wesentliche rücken.

10. Hast du schon mal an einem Schreibmarathon wie dem National Novel Writing Month teilgenommen? Wenn ja, hast du durchgehalten? Hast du Tipps für andere Schreiberlinge?


Ich habe zweimal mitgemacht und den NaNoWriMo gewonnen und voriges Jahr habe ich es auch versucht, aber dann nicht geschafft. Was ich aber nicht so schlimm finde, da ich früher unterm Jahr weniger geschrieben habe und dann meist nur im Herbst rund um den November. Aber seit vorigen Jahr schreibe ich regelmäßig, aber dafür halt in einem Monat selbst weniger… und daher lasse ich mich auch vom NaNo nicht mehr hetzen. ;)

Da gibt es eigentlich nicht viele Tipps! ^^ Beim NaNo zählt einfach Quantität und das bedeutet schreiben, schreiben, schreiben bis die Tasten qualmen. Aber ich für mich, habe herausgefunden, dass es mir besser liegt, weniger auf einmal aber dafür stetig zu schreiben.

11. Was ist dein liebster Schreibtipp?


Lesen, lesen, lesen und genauso viel schreiben. Nicht mit einem Ziel vor Augen, sondern einfach locker drauf los schreiben und sehen, was daraus wird. Außerdem braucht man viel Geduld und man muss sich eine harte Schale zulegen, um nicht unterzugehen oder aufzugeben. Aber wenn man an sich selbst und an seinen Träume glaubt, bin ich überzeugt, dass alles in Erfüllung gehen kann. Man muss nur hart dafür arbeiten. Dazu habe ich auch ein passendes Zitat, das mich die ganze Zeit über immer begleitet und geholfen hat:

“Before you quit because the road seems too long, turn around and look how far you’ve come.“

Und dort findet ihr Martina:


Homepage: https://martinariemer.wordpress.com/
Twitter: https://twitter.com/MartinaRiemer
Facebook: https://www.facebook.com/pages/Martina-Riemer-Autorin/397946120337301
Goodreads: https://www.goodreads.com/author/show/7752383.Martina_Riemer
Wattpad: http://www.wattpad.com/user/MartinaRiemer


Vielen lieben Dank an Martina für die tollen Antworten! Ich denke, auch dieses Mal konnten wir uns wieder super inspirieren lassen!

Ihr habt noch Fragen an Martina? Oder Fragen zum Schreiben generell? Scheut euch nicht, sie in den Kommentaren zu stellen! ;)

Alles Liebe,
eure Kim.

Gelesen | Glasgow RAIN - Martina Riemer


Liebe mit einem Hauch von Mystery


Oder doch andersherum: Mystery mit einem Hauch von Liebe?


Die Schule hat gerade wieder begonnen, ein Jahr noch, dann kann Vic das endlich alles hinter sich lassen. Aber dann begegnet sie Rafael und kommt ihm unweigerlich näher. Mit Rafael kommt aber auch das Gefühl, beobachtet zu werden. Hinzu kommen die mysteriösen Frauenmorde in der Gegend um Glasgow. Hat er etwas damit zutun oder kann sie ihm vertrauen?

Das Buch hat mich jetzt schon solange gereizt, weil ich dieses Cover einfach unglaublich schön finde, deswegen bin froh, dass ich es jetzt endlich gelesen habe und morgen sogar ein Interview mit der Autorin für euch habe!

Nun aber erstmal mehr zu Glasgow RAIN, einer Liebesgeschichte mit einem Mystery-Twist, also einem Genre, das momentan in Verlagsliteratur gar nicht so sehr gefragt ist. Da ich leider am E-Book-Reader gelesen habe, habe ich dieses Mal auch keine Stellen markiert, die mir besonders gut gefallen haben.

Dennoch hat mir Martina Riemers Schreibstil zugesagt, denn sie benennt die Dinge beim Namen und redet nicht viel um den heißen Brei herum. Für ihren Debütroman hat sie sehr gut geschrieben, auch wenn da noch Potenzial nach oben ist. Diesen Monat ist übrigens ihr neues Buch Road to Hallelujah erschienen, was ich in den kommenden Tagen lesen werde. Ich bin gespannt, denn ich glaube, dass ihr Schreibstil noch an Qualität zugenommen hat.

Die Charaktere waren leider nicht ganz mein Fall. Vic ist gerade zu Beginn der Geschichte eine ziemliche Ziege, so dass es mir nicht leicht fiel, in die Geschichte hineinzufinden. Rafael hat Humor, der mich zum Kichern gebracht hat, aber irgendwann mittendrin mutiert er zum Softie. Ja, es ist süß, dass er Vic so gerne hat und es so offensichtlich zeigt, und vielen dürfte gerade das auch besonders gut gefallen, da er eben nicht der typische Bad Boy gewesen ist. Aber mir fehlte da irgendwie ein bisschen mehr Format.

Der Plot war dagegen sehr viel spannender, so dass ich mir manchmal gewünscht hätte, die Geschichte würde mehr Wert auf den Plot als die Romanze legen. Vic hat schon früh ihre Mutter verloren und lebt nun mit ihrem Vater zusammen, der fast nie da ist und sie eigentlich auch nicht so wirklich gut leiden kann. Nach und nach deckt Vic dann Geheimnisse über ihre Familie auf, die sie eigentlich gar nicht wissen will.

So richtig in Schwung kommt die Geschichte dann, als ihr Verfolger plötzlich zur physischen Realität wird und damit die Bedrohung durchaus real wird. Das alles gipfelt in einem Show-Down vor einer schottischen Kulisse, bei dem man sich eine Zeit lang nicht sicher ist, wer nun überlebt und wer nicht.

Besonders gut gefallen haben mir die Zwillinge Amy und Stew, die Vics beste Freunde sind und eine Dynamik in die Geschichte gebracht haben, für die allein es sich schon lohnt, das Buch zu lesen.

Auch die Zitate vor jedem Kapitelanfang sind ein kleines Highlight für sich, da sie doch immer sehr passend ausgewählt waren (ohne zu viel zu verraten) und an sich auch gut zitierfähig sind.

Insgesamt hat mir Glasgow RAIN  ganz gut gefallen, auch wenn es ein bisschen Abzug wegen der oben genannten Punkte gibt. Ich bin auf jeden Fall auf Martina Riemers weitere Bücher gespannt, denn ihrem Debütroman merkt man bereits an, dass da sehr viel Potenzial drin steckt!


Infos zum Buch

Titel: Glasgow RAIN
Autor: Martina Riemer
Verlag: Self-Publishing via Amazon
Erschienen: 2014
Seiten: ca. 300 Seiten
ISBN: 9781496061850

Buchcover Bingo: Zehn verschiedene Gegenstände 


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Geschrieben | "Gibt denn keiner Antwort?" - Wenn ein Mann mein Herz berührt


„Einer von denen, die nach Hause kommen und die dann doch nicht nach Hause kommen, weil für sie kein Zuhause mehr da ist. Und ihr Zuhause ist dann draußen vor der Tür. Ihr Deutschland ist draußen, nachts im Regen, auf der Straße.

Das ist ihr Deutschland.“ – S. 8
„Draußen vor der Tür“ ist der Titel jenes Stückes von Wolfgang Borchert, das ich mir vor ein paar Tagen im Rahmen eines Studienfachs im Theater angesehen habe. Es ist ein Stück Heimkehrer-Literatur. Ein Stück, das den Schock und die Reaktionen auf den Zweiten Weltkrieg beschreibt, das zeigt, wie die Deutschen mit der Last der Schuld umgehen. „Draußen vor der Tür“ ist ein Stück, das auf den ersten Blick nicht mehr allzu viel mit unserer heutigen Welt zu tun hat, aber auf den zweiten Blick so schonungslos ehrlich mit unserer Gesellschaft ist, dass der Kloß tief im Hals festsitzt und Tage später immer noch nicht fort ist.
„Du, wenn alle, die Hunger haben, sich ersaufen wollten, dann würde die gute alte Erde kahl wie die Glatze eines Möbelpackers werden, kahl und blank.“ – S.12
In „Draußen vor der Tür“ kehrt Beckmann nach drei Jahren im Krieg nach Deutschland zurück. Er hat ein lahmes Bein, Hunger und kein warmes Bett, denn seine Frau hat ihn längst gegen einen anderen eingetauscht. Er ist fünfundzwanzig Jahre alt und möchte seinem Leben in der Elbe ein Ende setzen. Doch die Elbe will ihn nicht. Und so muss Beckmann, der künftig von jemandem verfolgt wird, der sich selbst „der Andere“ nennt, irgendwie versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen.

In der vorderen Reihe hängen Handtücher über den Sesseln, das Bühnenbild besteht aus einer großen, unregelmäßigen Wand von Wassercontainern und das Publikum wartet gespannt darauf, was passieren wird, wenn der Gong den Beginn der Vorstellung ankündigt. Man wird nicht enttäuscht. Beckmann humpelt auf die Bühne. Rums, rums, rums – immer wieder fällt er hin, bis ihn die Verzweiflung packt und er seinem Leben mit einem Sprung ein Ende setzt. 

Dann beginnt das Drama, er treibt über die Bühne und öffnet die ersten Wassercontainer – das Wasser spritzt auf die Bühne und füllt sie, während er immer weiter getrieben wird und immer mehr Container öffnet, bis er schließlich verzweifelt zur Ruhe kommt und die Elbe ihren Auftritt hat.

Die Situation ist komisch und doch so eindringlich, dass keiner lachen möchte. Im Gegenteil, das Publikum ist mucksmäuschenstill und so gepackt vom Schauspiel, dass wir für die nächsten anderthalb Stunden alles andere vergessen. Ganz besonders die Szenen, in denen Beckmann und „der Andere“ ihren gemeinsamen Auftritt haben sind so bewegend, so von Verzweiflung gekennzeichnet, dass ich Mühe hatte, die Tränen zurückzuhalten.
„Und ich hatte die Verantwortung. Ja, das ist alles, Herr Oberst. Aber nun ist der Krieg aus, nun will ich pennen, nun gebe ich Ihnen die Verantwortung zurück, Herr Oberst, ich will sie nicht mehr, ich gebe sie Ihnen zurück, Herr Oberst.“ – S. 25 
Beckmann will sie zurückgeben: die Verantwortung, die ihm im Krieg übergeben wurde und während derer elf seiner Leute gestorben sind. Und dieses Gespräch zwischen einem fiktiven Oberst und Beckmann setzt eine Reihe von Fragen in den Gang, auf die es einfach keine Antwort gibt.
„Können Sie schlafen, Herr Oberst? Mit zweitausend nächtlichen Gespenstern? Können Sie überhaupt Leben, Herr Oberst, können Sie eine Minute leben, ohne zu schreien?“ – S. 26


Beckmann dreht vollkommen durch. Er stellt Fragen, er schreit, er weint, er lacht – er reißt den Zuschauer in einen Strudel, in dem man kaum mehr mit den Armen rudern kann, um sich noch irgendwie über Wasser zu halten. 

Wer hat denn die Verantwortung? Wer trägt denn die Schuld für den Tod eines Einzelnen? Wer trägt die Schuld für abertausende Tode? Wer kennt schon die Antwort darauf? Ist im Krieg nicht jeder ein Mörder, wenn er nicht der Gemordete ist?

Sind wir nicht auch Mörder, weil wir Tag für Tag schweigend hier sitzen und unser Leben leben, als wüssten wir nicht, dass in anderen Ländern Bürgerkrieg und Verfolgungen an der Tagesordnung sind? Ist es nicht ignorant, Tag für Tag das reichste Essen zu essen, die schönsten Autos zu fahren und die besten Events zu besuchen, wenn in anderen Ländern die Menschen wie die Fliegen sterben? 
„Hör hin! Sie bedeuten: Tote, Halbtote, Granatentote, Splittertote, Hungertote, Bombentote, Eissturmtote, Ozeantote, Verzweiflungstote, Verlorene, Verlaufene, Verschollene. Und diese Zahlen haben mehr Nullen, als wir Finger an der Hand haben!“ – S. 39
Ist es nicht so, wie Beckmann sagt? Sehen wir nicht Tag für Tag Zahlen in den Nachrichten, die wir achselzuckend zur Kenntnis nehmen? Fühlen wir uns vielleicht für zwei oder drei Minuten unangenehm berührt, nur um im nächsten Moment über den Ergebnissen der letzten Fußballspiele zu brüten?

Diese Zahlen stehen für Menschenleben. Für Leben wie deins und meins – Leben, die man nicht einfach zurückholen kann, wenn sie vorbei sind. Sie stehen für Frauen und Männer, für Kinder, Söhne und Töchter, die Löcher in unserer Welt hinterlassen.

Sie stehen für ein Elend, das man nicht in Worte fassen kann. Für Tatsachen, die mich so unglaublich traurig machen, dass ich darüber schreiben muss.
„Ihr Herz zieht sich zusammen bei jedem Toten!“ – S. 45
Das ist es, was ich fühle, wenn ich an den Abend im Theater zurückdenke. Das ist der Grund dafür, wieso ich diesen Text schreibe. „Draußen vor der Tür“ hat mein Herz in tausend Teile zerrissen, es hat meine Seele berührt und ich halte es nicht aus, meine Gedanken noch länger für mich zu behalten.
„Junge Menschen brauchen wir, eine Generation, die die Welt sieht und liebt, wie sie ist. Die die Wahrheit hochhält, Pläne hat, Ideen hat. Das brauchen keine tiefgründigen Weisheiten zu sein. Um Gottes willen nichts Vollendetes, Reifes und Abgeklärteres. Das soll ein Schrei sein, ein Aufschrei ihrer Herzen.“ – S. 29
Sind wir nicht genau diese Generation? Sind nicht wir die Menschen, die unsere Welt braucht? Wir reden, wir studieren, wir arbeiten hart. Wir reisen um die Welt, sehen und fühlen das Leben, genießen es, schreiben darüber und erzählen unseren Freunden von unseren Abenteuern.

Wieso verschließen wir unsere Augen? Warum nutzen wir nicht unsere Möglichkeiten, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Wie kann es sein, dass wir bloggen, weil wir meinen, etwas zu sagen zu haben, aber dann den Mund nicht aufbekommen?

Warum bleiben wir still?


Alle Infos zum Stück findet ihr auch auf der Homepage des Theaters Münster.


 Zitate aus: Borchert, Wolfang - Draußen von der Tür (Rowohlt 2014)



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Gelesen | Mai 2015 - Schon wieder vorbei?!

Hallo ihr Lieben!

Das war's dann wohl. Aus und vorbei. Der Mai. Schon wieder einen Monat älter, schon wieder einen Monat lang kaum gelesen.

Aber dafür war der Mai trotzdem einer meiner erfolgreichsten Bloggermonate bisher. Es gibt viel zu erzählen, aber erstmal zeige ich euch die Bücher, die ich im Mai gelesen habe.


Insgesamt: 4
Gelesene Seiten: 2142
Englisch: 0
Deutsch: 4
Klassiker: 0
Sachbücher: 0
Reread: 0






After Truth - Anna Todd || 4/5 Sternen || Rezension
> Bücher Bingo: Eine Neuerscheinung <

On the Island: Liebe, die nicht sein darf - Tracy Garvis-Graves || 5/5 Sonnen || Rezension
> Buchcover Bingo: Ein Cover mit Landschaft <

Göttlich verdammt - Josephine Angelini || 3/5 Sonnen || Rezension
> Jugendbücher Bingo: Ein Buch, das in der Schule spielt <

Cottage gesucht, Held gefunden - Susan E. Phillips || 3,5/5 Sonnen || Rezension
> Buchcover Bingo: Zehn verschiedene Gegenstände || States-of-America-Challenge: Maine <


Was für ein Monat, der Mai! Vier gelesene Bücher, aber doch gar nicht so wenig Seiten, wie ich gedacht hätte. Am besten gefallen davon hat mir On the Island: Liebe, die nicht sein darf, den zweiten Platz teilen sich After Truth und Cottage gesucht, Held gefunden und Göttlich verdammt konnte mich nicht so sehr begeistern, wie ich erwartet hätte. Trotzdem habe ich den zweiten Teil natürlich gleich besorgt und hätte ihn bestimmt gelesen, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte.

Das ist auch mein Stichwort, um euch ein bisschen von meinem Mai zu erzählen, der einfach sooo schnell vorüberging, dass ich es fast gar nicht mitbekommen hätte. Die Uni hat mich diesen Monat wirklich ausgelaugt: so viele Wochenendseminar, so viele Referate, so viele andere Hausaufgaben. Da blieb dann einfach keine Zeit und Lust mehr, um noch irgendwelche Bücher zu lesen.

Aber nicht nur das, auch Amazing Summer Reads ist am 17. Mai nach langen Vorarbeiten online gegangen und hat seine Zeit gefordert. Das Leseprojekt ist jetzt ganz offiziell gestartet, aber ein Einstieg ist natürlich jederzeit möglich. Und sowieso solltet ihr unbedingt dem Blog folgen, denn so erfahrt ihr immer als erstes von unseren neuen Artikeln rund ums Sommerbuch.

Auch bei "Love, Kiss, Cliff" ging es diesen Monat wieder einige Kapitel mehr vorwärts als erforderlich. Ich bin so froh, dass ich neben dem ganzen Unistress auch noch die Zeit gefunden habe, um fleißig zu schreiben. Wirklich, dieser Blogroman ist die ideale Möglichkeit, um das Schreiben zu einem regelmäßigen Ritual werden zu lassen.

Die größte Veränderung diesen Monat betrifft meinen Blog selbst. Ihr seht es ja schon: ich habe das Design komplett umgekrempelt, weil ich einfach nicht mehr glücklich mit dem alten Look war. Jetzt fühle ich mich, als wäre ich endlich angekommen - auch wenn ich noch einige Wochen brauchen werde, um meine alten Artikel alle auf das neue Format umzustellen.


Und hier verlinke ich euch von nun an noch einmal die beliebtesten Posts des Monats.




Im nächsten Monat wird es nicht nur auf Amazing Summer Reads zur Sache gehen, sondern es wird vorallem für die Schreiberlinge unter euch interessant:

Das Online-Magazin Schreibmeer ist am 01.06. online gegangen und freut sich auf die ersten Leser und Kommentatoren! Mein Artikel wird dort übrigens am 27.06. erscheinen und den Start einer Artikelreihe über Alternativen zu Word markieren. Ich freue mich schon gewaltig und hoffe, dass die Seite gut angenommen wird. :)


So, das war mein Monat Mai - ein ganz schöner Laberpost, aber ich hoffe, ihr hattet trotzdem Spaß. ;)

Wie war euer Lesemonat? Welche Bücher waren eure Highlights?

Alles Liebe,
eure Kim.







TAG | 10 Wünsche für einen Sommer - meine Summer-Bucket-List


Hallo ihr Lieben!

Heute habe ich mal wieder einen TAG für euch, den wir auf Amazing Summer Reads entworfen haben, um der Sommerstimmung ordentlich einzuheizen.

10 Wünsche für einen Sommer - meine Summer-Bucket-List!


1. Meinen Abschluss machen


In diesem Sommer ist mein Bachelorabschluss fällig. Meine Bachelorarbeit starte ich Anfang Juli, so dass ich hoffentlich Ende August fertig bin und abgeben kann. Drückt mir die Daumen, dass alles nach Plan läuft.

2. Einen Praktikumsplatz finden


Für das Masterstudium ist ein Praktikum notwendig, das ich gerne im Pressebereich eines Verlags machen möchte. Dafür möchte ich mich diesen Sommer bewerben, damit ich quasi 2,5 Jahre Zeit habe, um einen Traumplatz zu finden. Wenn ihr da eine Idee habt, immer her damit. ;)

3. Mein erstes E-Book zum Thema Schreiben planen


Oh ja, ihr habt richtig gelesen. Ich möchte wieder mehr zum Thema Schreiben machen, so dass ich mir überlegt habe, ein E-Book zu schreiben, quasi ein 1x1 des Schreibens oder so etwas in der Art. Welches Konzept ich verfolgen will, weiß ich noch nicht genau. Aber eins meiner Ziele für den Sommer ist es, ein Konzept dafür zu entwerfen.

4. "Love, Kiss, Cliff" beenden und korrigieren


Aktuell bin ich bei Kapitel 26 - und 52 wird "Love, Kiss, Cliff" haben, wenn es fertig ist. Der Plan: jede Woche mindestens drei Kapitel schreiben, bis ich durch bin und dann natürlich korrigieren, lektorieren und jede Menge Szenen hinzufügen, die ich bisher auslassen musste. Denn im Januar 2016 soll die fertige Version als E-Book erscheinen.

5. Einen grandiosen Lesesommer mit euch genießen


Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass die Aktion Amazing Summer Reads bei euch genauso gut ankommt, wie wir uns das vorgestellt haben, dass wir jede Menge tolle Leserunden miteinander verbringen und tolle Antworten auf unsere Summer Sunday Questions bekommen. Dieses Projekt ist für euch - deswegen liegt uns dieser Sommer so sehr am Herzen!

6. Gleitschirm fliegen


Ich weiß noch nicht, ob ich mich wirklich drauf freuen soll oder mir lieber in den Hintern treten soll, weil es ausgerechnet meine Idee gewesen ist... Auf jeden Fall steht dieses Jahr ein Schnupperkurs im Gleitschirmfliegen an. Und ich hoffe, ich überlebe.... O.o

7. Geburtstag feiern


Zumindest, falls 6. nicht in die Hose geht.

8. Eine Rundreise durch Irland machen


Ein Traum wird wahr! Wie lange ich schon dieses Land bereisen wollte, könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Jetzt ist es endlich soweit. Die Flüge sind bereits gebucht, die Wanderschuhe und Rucksäcke gekauft. Das wird ein Abenteuer und ich hoffe, dass ich es so sehr liebe, wie ich mir das vorstelle.

9. Die 30-Day Minimalism Challenge mitmachen


Ein bisschen Minimalismus kann nie schaden und ganz ehrlich: bei so vielen Zielen, die ich mir für dieses Jahr gesteckt habe, brauche ich unbedingt Ruhepunkte und ein aufgeräumtes Leben. Da kommt die Challenge, die ich bei maaraavillosa entdeckt habe, wie gerufen. Das werde ich auf jeden Fall ausprobieren!

10. Den Sommer mit meinen Freunden und meine Familie genießen


Ich freue mich schon auf Stunden im Freibad, auf aufregende Radtouren und Wanderrouten, die ich mit meinen Freunden hier entdecken will, auf Abende in Clubs oder an Seeufern in der Stadt, auf Tanznächte mit meinem Freund und Cocktails, auf sommerliche Playlists und Bücher, die zum Schmökern einladen. Kurz gesagt: Ich freue mich aufs Leben!


Das wird mein Sommer, Leute! Und wie sieht eurer aus?


Fühlt euch eingeladen, an diesem TAG teilzunehmen und euren Lesern von euren Sommerplänen zu erzählen! Verbreitet die Sommerstimmung und schaut unbedingt mal auf Amazing Summer Reads vorbei, um Aktionen wie diese nicht mehr zu verpassen!


Dennoch tagge ich auch hier noch ein paar liebe Leute (wenn ihr nicht dabei seid, schaut mal auf Amazing Summer Reads - die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich euch dort bereits getaggt habe):


Ich freue mich, wenn ihr mitmacht!



Alles Liebe,
eure Kim.