Geschrieben | 5 Anfänge aktueller Projekte


















Hallo ihr Lieben,

heute habe ich mal wieder etwas aus der Kategorie "Geschrieben" für euch. Eigentlich wollte ich ja längst mal wieder eine Kurzgeschichte oder einen One-Shot für euch schreiben, aber da bin ich dank der Überarbeitung von "Love, Kiss, Cliff" noch nicht zu gekommen.

Dafür war ich in den letzten Tagen aber ein wenig sentimental und habe meine ganzen Dokumente durchgestöbert. Da kam mir die Idee, euch 5 meiner Lieblingsanfänge zu zeigen.
(Un-)Überraschenderweise gehören diese Anfänge sogar zu recht aktuellen Projekten. Geschichten aus meiner Zeit, in der ich noch bei MyFanfiction unterwegs gewesen bin, werdet ihr also vorerst immer noch nicht zu hören bekommen (die sind nämlich grausam schlecht :D).

Nun bin ich aber gespannt, was ihr zu den Anfängen sagt. Vor allem würde mich natürlich brennend interessieren, bei welchen Geschichten ihr unbedingt weiterlesen wollen würdet.

P.S.: Hinter einem dieser Anfänge steckt übrigens eine Geschichte, die ich in diesem Jahr noch veröffentlichen werde. Welcher das ist ... tja, da dürft ihr raten. ;)



- 1 -

Früher wollte ich Ärztin werden. Ich wollte Menschen helfen. Leben retten. Ich wollte Tag ein, Tag aus in einem OP stehen, die behandschuhten Hände mit Blut verschmiert, die Stirn mit Schweiß benetzt, nur um am Ende des Tages mit der Gewissheit ins Bett zu fallen, an diesem Tag eine Familie gerettet zu haben.

Heute sitze ich auf einer Parkbank in der eisigen Kälte und warte darauf, dass ich meinen USB-Stick mit den Daten ausliefern kann. Er ist schwarz und unauffällig und in eine Schicht Plastikfolie eingepackt, bevor er in dem wattierten Umschlag gelandet ist, der sich nun in meiner rechten Jackentasche befindet. Zum wiederholten Male lasse ich meine Hand in die Tasche gleiten und befühle mit tauben Fingern die spitzen Ecken, als hätte ich Angst davor, dass er in der Zwischenzeit aus meiner Tasche geklaut wurde.

Keiner der Menschen, die an mir vorbeigehen, schenkt mir viel Beachtung. Sie wundern sich höchstens, wieso ich in der Kälte sitze statt in irgendeinem Café, um eine heiße Schokolade zu genießen. Niemand würde auf die Idee kommen, dass sich in meiner Hand Daten befinden, die sowohl für manche Konzerne als auch für die Menschen dahinter tödlich sein können.

Ich bin zwar nicht der Henker, aber viel besser bin ich auch nicht.


- 2 -

Alle, die St. Clair-Upon-Ames für einige Zeit verlassen, kehren nicht wieder zurück.

Nur ich.

Ich bin Levi, 26 Jahre alt und studierter Touristenführer. Auf Facebook auch als der »Daheimgebliebene« bekannt, in den Broschüren von St. Clair-Upon-Ames als der »Führer, der Sie nicht über die Klippen stürzen lässt« und bei meinen Eltern als »Leviiii-kannst-du-mal-eben-helfen«.

Als in der Schule jeder davon geträumt hat, in der großen Stadt zu arbeiten, habe ich davon geträumt, meinen Eltern in ihrem Gasthaus zu helfen und die Touristen von Beachy Head über die langen, weißen Klippen zu führen und ihnen von ihrer Geschichte zu erzählen. Für mich gibt es keinen schöneren Ort auf der Welt als unser kleineres Örtchen, selbst wenn manche es verflucht und düster nennen. Das ist es nicht, ganz im Gegenteil, wir sind eigentlich ziemlich lustige Bewohner. Wir feiern gerne und helfen uns gegenseitig wo wir können, wir quartieren gerne Gäste in unseren kleinen, britischen Häuschen ein, um sie herumzuführen und ihnen stolz die Landschaft zu präsentieren, für die so viele Touristen Jahr für Jahr anreisen.

Es sind nicht die Leute aus St. Clair-Upon-Ames, die sich in den Tod stürzen.


- 3 -

Pinselstrich für Pinselstrich verschwindet das Lila unter einem gedeckten Beige. Eine dünne Schicht Puder und meine Haut sieht beinahe aus wie neu. Die Schwellung muss mein Pony verbergen. Dagegen hilft nicht einmal das beste Make-Up der Welt.

Die aufgeplatzte Stelle an meiner Lippe ist schwieriger zu verstecken. Auch hier versuche ich es mit Grundieren und einer auffälligen Lippenstiftfarbe, aber als jemand, der sonst kaum Lippenstift trägt, komme ich mir vor wie eine Puppe, die in die falschen Hände geraten ist.

Mit einem leisen Fluch auf den Lippen stelle ich das Wasser an, beuge mich vor und wasche die Farbe ab. Vorsichtig, damit die Wunde nicht wieder aufreißt, aber bestimmt. Wenn jemand fragt, erzähle ich, dass ich mir in der Nacht die Lippen aufgebissen habe.

Ist doch jedem schon mal passiert.


- 4 -

Libellen. Verrückte kleine Dinger, wie sie so durch den Garten surrten, als würden sie fangen spielen. So unbeschwert und frei von allen Problemen, die es jemals geben könnte. Was würde ich dafür geben, auch eine Libelle zu sein.

Ich schloss die Augen, während ich mir ausmalte, wie solch ein Leben wäre. Vielleicht wäre ich eine besonders hübsche Libelle, mit Flügeln, die im Sonnenlicht in tausend verschiedenen Farben funkelten, während ich durch die Lüfte schwebte. Eine große Libelle, die sich vor niemandem fürchten musste außer vor sich selbst und ihren Flugkünsten. Vielleicht wäre ich aber auch eine kleine, niedliche, etwas dickere Libelle, die rundum zufrieden war, wenn sie nur ihre Nahrung bekam. Das stellte ich mir ungefähr so vor, wie einen Winnie Pooh, der genüsslich seinen Honig schleckte. Oder wie ein Krümelmonster, das glücklich seine Kekse versteckte, damit kein andere sie essen konnte. Ja, glücklich und zufrieden wäre ich.


- 5 -

Die Nacht, in der sie ihren besten Freund tötete, war stürmisch und kalt.

Ich spüre den Regen jetzt noch auf meiner Haut, obwohl die Nacht bald schon vorbei ist. Noch schlummert sie seelenruhig, aber wenn sie aufwacht und sich an den Abend erinnert … Sie wird am Morgen in den Spiegel schauen und eine Mörderin vor sich sehen. Es gibt nichts, was ich tun kann, nichts, was ich sagen kann, um ihr die Last von den Schultern zu nehmen. Auch wenn sie nicht wusste, dass sie überhaupt dazu in der Lage war … Sie hat ihn getötet.

Es ist meine Schuld. Wäre ich nicht zu spät gekommen, hätte ich sie vielleicht beide retten können. Aber so weiß ich nicht einmal, ob ich sie nicht auch schon verloren habe.



Welcher der fünf Anfänge ist euer Favorit? Und welche Geschichte verbirgt sich wohl dahinter? :)


Ich freue mich auf eure Kommentare!

Alles Liebe,
eure Kim.