Gedacht | The Miracle Morning - Vom Morgenmuffel zum Frühaufsteher?!

05:30 Uhr: Der Wecker klingelt. Einmal. Ohne den Snooze-Button zu betätigen, ohne noch drei weitere Wecker im Abstand von jeweils fünf bis zehn Minuten gestellt zu haben. Ich schalte den Wecker aus und das Licht ein, gähne und strecke mich, überlege für einen kurzen Moment, doch einfach weiterzuschlafen, bis ich von alleine wach werde. Aber mein Wille, das meiste aus meinem Tag herauszuholen ist stärker und so schwinge ich doch die Beine aus dem Bett, um durch die eiskalte Wohnung zu tapsen und erst einmal die Zähne zu putzen und ein Glas Wasser zu trinken.

Ich befolge Hal Elrods Tipps, um morgens wach zu werden und die Wahrscheinlichkeit zu senken, mich einfach wieder ins Bett zu legen, weil es dort so kuschelig warm und gemütlich ist. Wer kennt das nicht? Schlafen, bis zur allerletzten Minute? Sich in aller Eile anziehen und den Morgenkaffee auslassen, weil keine Zeit mehr dafür ist? Oder an freien Tagen so lange schlafen, dass der Vormittag schon fast wieder um ist und man sich abends fragt, wo die Zeit geblieben ist?



Ich bin ein Morgenmuffel. Einer von der Art, die zehn Mal aufwachen können, wenn es schon hell ist, und sich trotzdem umdrehen und weiterschlafen. Deswegen war ich auch schon skeptisch, als ich zum ersten Mal von Hal Elrods "The Miracle Morning: The Not-So-Obvious Secret Guaranteed To Transform Your Life (Before 8AM)" gehört habe. Ich war immer fest davon überzeugt, abends am besten arbeiten zu können und sah keinen Grund, das zu ändern, bis mein Freund vor ein paar Monaten seine Arbeitsstelle anfing.

Er hat sich gewünscht, dass wir morgens gemeinsam aufstehen und frühstücken, bevor er zur Arbeit fährt und die wenige Freizeit, die wir am Abend zusammen haben, auch wirklich für uns nutzen. Weil ich seinen Wunsch nachvollziehen konnte und mir gewünscht habe, dass es klappt, habe ich versucht, mit ihm früh aufzustehen, aber musste schnell feststellen, dass ich davon immer so müde war, dass ich mich um zehn Uhr noch einmal für eine Stunde hingelegt habe. Irgendwann bin ich dann morgens einfach liegen geblieben, damit ich am Tag wenigstens etwas auf die Reihe kriege, um die Abende zu haben (das hat übrigens auch nicht wirklich geklappt).

Vor ungefähr einer Woche habe ich dann endlich das Buch gelesen und beschlossen, dem Ganzen eine Chance zu geben, auch wenn ich nach wie vor misstrauisch war. Ich bin also noch ein ziemlicher Frischling, ABER ich bin begeistert und bisher habe ich noch keinen Miracle Morning verpasst.

Wie unser Denken unser Handeln beeinflusst


Hal Elrod war schon zwei Mal ganz am Boden. Einmal nach einem Autounfall, bei dem er starb und nach sechs Minuten erst wiederbelebt werden konnte, mit der Aussicht, nie wieder laufen zu können. Ein anderes Mal, als er sein Vermögen durch die Wirtschaftskrise verlor und dadurch in eine Depression verfiel. Beide Male hat er sich mit Willensstärke und viel Optimismus wieder nach ganz oben gekämpft. Heute ist er Bestsellerautor, Vater und Ehemann, Marathonläufer und erfolgreicher Coach. 

Er ist eine sehr inspirierende Persönlichkeit und spricht mir in ganz vielen Punkten aus der Seele. Deswegen habe ich sein Buch geradezu verschlungen und konnte jede Menge Vergleiche ziehen, so dass mir klar wurde, dass Erfolg etwas ist, was wirklich jeder Mensch haben kann. Ein paar der Lebensweisheiten aus dem Buch würde ich gerne mit euch teilen, bevor ich mehr zur Morgenroutine schreibe.

"Du kannst es nicht ändern? Dann denk' nicht mehr darüber nach!" - Manchmal erreichen wir einen Tiefpunkt in unserem Leben, manchmal bekommen wir sprichwörtlich einen Schlag ins Gesicht, aber was bringt es, sich darüber zu beschweren? Die Energie, die wir darauf verschwenden, uns zu fragen, wieso es ausgerechnet uns getroffen hat und was wir bitte getan haben, um so etwas zu verdienen, können wir viel besser auf etwas anderes verwenden. Zum Beispiel darauf, die Sachen zu ändern, die wir auch wirklich ändern können. (Die Zitate sind übrigens aus dem Englischen übersetzt, da ich die deutsche Version des Buches nicht habe - wundert euch also nicht über die teilweise merkwürdige Wortwahl.)

"Wo du nun stehst, ist das Ergebnis davon, wer du warst. Aber wo du hingehst, hängt ganz allein davon ab, wie du dich von diesem Augenblick an entscheidest." - Das ist eine der wichtigsten "Lebensweisheiten" für mich. Ich tendiere schnell dazu, Entscheidungen abhängig von dem zu treffen, wer ich einmal gewesen bin. Auch nach meiner Krebserkrankung hatte ich lange Zeit damit zu kämpfen, dass ich manche Sachen nicht mehr so gut konnte wie vorher. Das war anstrengend und frustrierend, aber letztendlich wurde mir klar, dass ich a) nichts daran ändern konnte und b) ich dafür mittlerweile auch ein anderer Mensch bin, dessen Glück und Erfolg nicht von Dingen abhängig sind, die in der Vergangenheit liegen. Ich habe für mich also beschlossen, nicht so oft zurückzublicken (höchstens um stolz auf das zu sein, was ich geschafft habe), sondern mich jeden Tag erneut für mein heutiges Ich zu entscheiden.

"Der Einfluss unserer Gedanken, Entscheidungen und Aktionen ist monumental, denn jeder einzelne Gedanke, jede Entscheidung und Aktion bestimmt, zu wem wir werden." - Auch davon habe ich vorher schon einmal gehört, aber erst durch dieses Buch wurde mir so richtig klar, wie groß der Einfluss unserer täglichen Handlungen und Gedanken wirklich ist. Es macht einen großen Unterschied, ob ich denke, dass ich etwas sowieso nicht auf die Reihe kriege und es deswegen gleich lasse, oder ob ich mir sage, dass ich etwas erreichen kann, weil ich es will und alles daran setze, es zu erreichen. Ein aktuelles Beispiel: Ich habe mir früher immer gesagt, dass ich einfach nicht joggen kann. Ich habe es so oft versucht und immer wieder frustriert aufgegeben, bis ich mir schließlich gesagt habe, dass mein Körper wahrscheinlich einfach nicht dafür gemacht ist. Aber jetzt, da ich weiß, dass Joggen das Brustkrebsrisiko um 25% senkt und sogar Hal Elrod einen Marathon gelaufen ist, obwohl es hieß, dass er wahrscheinlich nie wieder laufen kann, ist mir klar geworden, dass die Schuld daran ganz allein an meinen Gedanken gelegen hat. Und siehe da, plötzlich ist die Anstrengung nicht mehr unerträglich, sondern eine willkommene Herausforderung, an der ich wachsen kann.

"Ein außergewöhnliches Leben setzt sich hauptsächlich aus täglichen, regelmäßigen Verbesserungen in den Bereichen zusammen, die am meisten zählen." - Früher war ich immer jemand, der schnell frustriert war, wenn sich der Erfolg nicht augenblicklich einstellen wollte. Bestes Beispiel: Abnehmen. Je schneller, desto besser. Aber Leute, eigentlich ist es ganz einfach. Erfolg passiert nicht einfach so. Erfolg ist das Ergebnis vieler kleiner Schritte in die richtige Richtung. Wenn ihr Tag für Tag kleine Verbesserungen in euer Leben lasst, wird sich das gewünschte Ergebnis irgendwann von ganz allein einstellen. Und so lange müsst ihr euch mit dieser Gewissheit zufrieden geben.

Die Life S. A. V. E. R. S. in meinem Morgenritual


Ich könnte euch jetzt noch jede Menge Zitate mehr bringen, aber ich denke, es bringt euch mehr, das Buch selbst zu lesen, da ihr einen anderen Fokus und andere Erwartungen an das Buch herantragt und euch somit vielleicht auch andere Stellen viel mehr zusagen. In meinem letzten Artikel habe ich meine Morgenroutine schon leicht angeschnitten. Heute möchte ich euch die Punkte noch einmal kurz erklären und euch erzählen, was ich für jeden Punkt mache.

S is for Silence - Stille

Stille am Morgen ist eine Herausforderung für mich. Nicht die äußerliche Stille (darin bin ich ziemlich gut), sondern die innerliche. Meine Gedanken rasen ununterbrochen und so ist es schon schwer für mich, fünf Minuten lang zu meditieren. Ihr müsst in der Zeit nicht meditieren, ihr könnt auch einfach so die Ruhe genießen, aber ich finde, sich fünf bis zehn Minuten nur auf seinen Atem zu konzentrieren, beruhigt die Gedanken und lässt einen entspannt in den Tag starten. Wir benutzen dazu eine App, die einen Gong zu Beginn und einen zum Ende ertönen lässt, um uns nicht mit einem Wecker aus der Meditation reißen zu lassen. Ich setze mich auch nicht besonders aufrecht hin und halte meine Hände auch nicht unbedingt in einer "meditativen Pose", sondern murmele mich in meinem Bademantel ein, setze mich bequem hin und schließe die Augen. Dann sage ich mir in Gedanken immer wieder etwas wie "Ich atme Stärke ein und ich atme Ängste aus" (was sich aufgeschriebener Weise wirklich bescheuert anhört, aber echt gut hilft). Ich merke immer wieder, dass ich plötzlich mit Gedanken woanders bin, aber dann schiebe ich diese einfach weg und konzentriere mich wieder auf meinen Atem.

A is for Affirmation - Bekräftigung

Mit dem zweiten Teil des Morgenrituals habe ich mich zugegebenermaßen auch etwas schwer getan. Aber ich merke jetzt schon, dass es offensichtlich etwas bringt, sich selbst zu bekräftigen, auch wenn man sich dabei zunächst sehr blöd vorkommt. Für weniger kreative Menschen gibt es auf der Miracle Morning Website Affirmationen zum Herunterladen, die etwas kreativeren Köpfe überlegen sich selbst, worin sie sich verbessern wollen und schreiben ihre Affirmationen selbst. Meine Affirmationen sind ungefähr eine DIN A4 Seite lang und decken verschiedene Bereiche meines Lebens ab. Darin beschreibe ich in der ersten Person Präsens die ideale Situation, um meine Gedanken darauf umzupolen. Zwei Beispiele:

Ich bin eine sehr gute Autorin. Ich habe keine Schreibblockaden und liebe es, stundenlang am Schreibtisch zu sitzen und an meinen Projekten zu arbeiten. Meine Bücher haben überwiegend gute Rezensionen und meine Leser warten schon gespannt auf die nächsten Geschichten. Ich schreibe gerne, weil ich mich und andere damit glücklich mache.

Ich bin gesund und nutze meine zweite Chance auf ein Leben, in dem ich die bestmögliche Version meiner selbst werde. Ich denke darüber nach, ob die Süßigkeit oder das Getränk wirklich sein muss, weil mir längerfristige Gesundheit wichtig ist. Ich bewege mich mindestens 30 Minuten am Tag, weil mir Sport gut tut und das Wiedererkrankungsrisiko drastisch senkt.

Ihr seht: Auch ich habe so einige Probleme damit, mich motivieren zu können und arbeite daran, Schreiben und Sport zu Gewohnheiten zu machen. Die Affirmationen helfen dabei, in dem man sie sich täglich sagt und das Unterbewusstsein sie irgendwann übernimmt. Das habe ich übrigens auch den Blog betreffend gemacht und siehe da, ich fühle mich wieder motiviert, hier zu schreiben. ;)

V is for Visualization - Visualisierung

Etwas visualisieren zu können ist ein sehr mächtiges Instrument. Je besser man sich etwas vorstellen kann, umso besser klappt es in der Realität wahrscheinlich auch. Ich muss zugeben, ich bin noch nicht so wirklich talentiert darin, meinen kompletten Tag zu visualisieren, ohne dass meine Gedanken abdriften. Mir reicht es meistens schon, mich beim Joggen glücklich darzustellen, um die kurz darauf folgende Runde zu überstehen. Außerdem nehme ich mir dann noch einmal meine Ziele für die Woche und den jeweiligen Tag zur Hand (einen Beitrag über Zielsetzung werde ich demnächst auch noch schreiben) und schaue, was ich erledigen muss/will/sollte. Mir jeden Tag meine Ziele vor Augen zu führen, macht sie greifbarer und damit automatisch auch schneller erreichbar. Seit ich meine Ziele aufschreibe und regelmäßig evaluiere, erreiche ich viel mehr.

E is for Exercise - Bewegung

Dieser Punkt gehört wenig überraschend zu meinen verhasstesten. Sein Blut morgens schon vor acht Uhr in Wallungen zu bringen, sorgt nicht gerade für Stimmung, ABER wenn ich dann um halb neun frisch geduscht und fertig gefrühstückt am Schreibtisch sitze, bin ich ziemlich stolz darauf, dass ich schon Sport gemacht habe. Der Gedanke daran hilft mir dabei, den Sport durchzuhalten.

Hal Elrod rät in seinem Buch dazu, das Herz wenigstens einmal auf Trab zu bringen. Sei es, in dem man 100 Hampelmänner macht, eine Runde Joggen geht oder ein paar Yoga-Übungen macht. Da ich morgens mehr als genug Zeit habe, nutze ich die frische Morgenluft für eine 30-minütige Joggingrunde mit meinem Freund. Das ist echt anstrengend und mittlerweile auch ziemlich kalt, wenn noch nicht einmal die Sonne aufgegangen ist, aber ich freue mich jedes Mal wie ein Bär, wenn ich die Runde komplett durchlaufen konnte und an meiner Kondition arbeiten konnte, die nach der Therapie doch stark abgenommen hat. Wer lieber Yoga machen möchte, dem kann ich zum YouTube-Kanal "Yoga with Adriene" raten, wer lieber ein bisschen mehr Action hat, kann sich mal Darebees Workouts anschauen. Die sind nicht so zeitaufwendig, machen Spaß und bringen schnelle Ergebnisse.

R is for Reading - Lesen

Mein absoluter Lieblingspart am Morgen: das Lesen. Hier ist es aber wichtig, dass es Non-Fiction ist und ihr auch wirklich was dazu lernt. Drei Buchtipps habe ich euch in meinem letzten Artikel ja schon gegeben, meine Leseliste stelle ich euch auch bald vor. Gestern habe ich "Darm mit Charme" von Giulia Enders beendet und nun lese ich "Think and Grow Rich" von Napoleon Hill. Selbst mein Freund, der sonst eigentlich überhaupt nicht gerne liest, freut sich über die Möglichkeit, jeden Tag ein bisschen dazuzulernen.

S is for Scribing - Schreiben

Auch der letzte Teil der Morgenroutine gefällt mir echt gut. Früher konnte ich mich nie zum Tagebuch schreiben aufraffen. Mittlerweile führe ich zwar ein Bullet Journal, aber auch da habe ich nur ganz selten richtige Tagebucheinträge geschrieben. Jetzt nutze ich diesen Teil der Morgenroutine, um kurz die Erfolge des letzten Tages zusammenzufassen, zu sagen, wie es mir geht und was ich für den Tag geplant habe. Ich denke, in einem halben Jahr werde ich sicher noch einmal zum Anfang zurückblättern und die Einträge durchlesen, um zu sehen, was ich in der Zeit alles erreicht habe. Darauf bin ich jetzt schon sehr gespannt.

Die einzelnen Teile könnt ihr variieren, wie es euch am besten passt. Ich fange morgens mit der Meditation an, gehe dann über in die Affirmationen und die Visualisierung, dann schreibe und lese ich und dann geht es ab nach draußen. Für mich gehört die anschließende Dusche, ein leckeres Frühstück und ein guter Cappuccino dann noch dazu, bevor ich wirklich in den Tag starte. So hatte ich einen entspannten Morgen, an dem ich schon jede Menge für mich selbst getan habe und kann voller Motivation in den Tag starten.

Übrigens bin ich dafür Abends immer richtig platt. In letzter Zeit ist es selten vorgekommen, dass ich nach zehn Uhr noch wach gewesen bin. Aber ganz ehrlich: Das finde ich sogar gut so - immerhin habe ich jetzt meinen Morgen zusammen mit meinem Freund und bin spätestens um sechs mit meiner To-Do-Liste fertig, so dass wir auch den Abend gemeinsam genießen können.

Seid ihr nun motiviert, auch zum Frühaufsteher zu werden?

Hinterlasst mir einen Kommentar mit euren Wünschen und Anregungen zu weiteren Artikeln dieser Art - ich bin gerade hochmotiviert! ;)

Alles Liebe,
eure Kim.